In der Immanuelskirche trafen sich Familie und Freunde, um des Ehepaares zu gedenken, das in der vergangenen Woche einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war.

In der Immanuelskirche trafen sich Familie und Freunde, um des Ehepaares zu gedenken, das in der vergangenen Woche einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war.
Die Trauerfeier für Christa und Enno Springmann fand am Donnerstag in der Immanuelskirche statt.

Die Trauerfeier für Christa und Enno Springmann fand am Donnerstag in der Immanuelskirche statt.

Andreas Fischer

Die Trauerfeier für Christa und Enno Springmann fand am Donnerstag in der Immanuelskirche statt.

Wuppertal. Enno Springmann hätte vermutlich fast jedes Wort unterschrieben, das am Donnerstag in der Immanuelskirche über ihn gesprochen wurde. Und hätte seine Ehefrau Christa dazu weise genickt, wäre das auch keine Überraschung gewesen. Ganz sicher war wohl niemand, dass die beiden haben zuhören können. Aber ausgeschlossen ist es auch nicht – obwohl Christa und Enno Springmann in der Nacht zum Montag vergangener Woche in ihrem Haus in Ronsdorf umgebracht wurden.

Unter den gut 200 Gästen der Trauerfeier an der Sternstraße mischte sich auch einige Tage nach der Tat entwaffnendes Unverständnis in die Schwermut. Da werden zwei Menschen 88 beziehungsweise 91 Jahre alt, stehen mitten im Leben, sind interessiert, mischen sich wie Enno Springmann ein, halten mit ihrer Haltung nicht hinter dem Berg, um dann für eine nicht bezifferte Beute getötet zu werden. Ein solches Leben darf nicht so schnöde, so kalt und herzlos enden. Aber das der Springmanns endete genauso.

Vor allem über Enno Springmann fanden sowohl Kulturdezernent Matthias Nocke als auch Springmanns rotarischer Freund Klaus Mellinghoff sehr treffende Worte. Nocke hat seine ureigene Geschichte mit Springmann. Es war eine langjährige Tradition, dass der Kulturförderer und Stifter anlässlich der Preisverleihungen Wuppertaler Künstler Tacheles redete. Und immer war der Kulturdezernent ein Hauptziel der Kritik. Aber Nocke wusste sich auch immer zu wehren. Der Streit wurde in der Sache hart, aber mit einem Augenzwinkern geführt. Das passte zu Springmann.

Den Springmann-Preis wird es weiterhin geben

Der Ronsdorfer Unternehmer war ein streitbarer Geist. Mellinghoff beschrieb ihn richtig als konservativ-liberal. Springmann war politisch. „Es gab fast kein Thema, das ihn nicht interessiert hätte. Außer Digitalisierung. Mit E-Mails wollte er nie etwas zu tun haben“, sagt Mellinghoff.

Er zitierte Springmann mit den Worten „Eintritt in eine Partei ist jedem zumutbar“. Er hat es getan. 1971 wurde Springmann CDU-Mitglied und saß später auch für die Christdemokraten im Stadtrat. Technische Hilfsmittel brauchte er tatsächlich nie. Enno Springmann verstand es, sich Gehör zu verschaffen, höflich, aber unmissverständlich, deutlich, aber ohne zu beleidigen.

„Seine regelmäßig unregelmäßigen Anrufe werden mir fehlen. Heute verabschieden wir uns von zwei engagierten und großartigen Persönlichkeiten in Wuppertal. Ich verneige mich daher heute in Dankbarkeit für Oberbürgermeister, Rat und Bürgerschaft der Stadt“, sagte Nocke.

Das Ehepaar Springmann führte eine Tradition fort, die Wuppertal wahrscheinlich von vielen anderen Städten unterscheidet. Es hat Geschichte, dass Unternehmerfamilien sich sozial und kulturell in Wuppertal engagieren. Das galt beispielsweise für die Familie Von der Heydt, es gilt für die Familie Mittelsten Scheid, und es war auch für die Springmanns selbstverständlich. Dass in Cronenberg ein freies Theater so lange so erfolgreich arbeiten kann, ist nicht zuletzt dem Ehepaar Springmann zu verdanken. Es unterstützte das TiC immer wieder. Das Theater ist wie etwa 60 weitere Künstler und Institutionen auch Träger des Springmann-Preises. Es spricht für den Preis und vor allem für die Stifter.

Diesen Preis wird es weiter geben. Der ehemalige Wuppertaler Caritasdirektor Eckhard Arens ist bereits seit gut zwei Jahren Vorsitzender der Stiftung. Er kündigte an, dass künftig während der Verleihungen zwei Plätze in der ersten Reihe frei bleiben. Sie erinnern daran, dass zwei außergewöhnliche Menschen nicht mehr da sind. ll

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