Bei einer Tagung in Wuppertal waren Experten sich einig: Ein „bewegter Unterricht“ macht Schulkinder leistungsfähiger.

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Mehr Bewegung für Kinder, nicht nur im Sportunterricht – das forderten Experten auf einer Tagung in Wuppertal.

Mehr Bewegung für Kinder, nicht nur im Sportunterricht – das forderten Experten auf einer Tagung in Wuppertal.

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Mehr Bewegung für Kinder, nicht nur im Sportunterricht – das forderten Experten auf einer Tagung in Wuppertal.

Wuppertal. Wenn Kinder gar nichts mehr begreifen, dann mahnen strenge Eltern gerne, es solle sich doch bitte endlich mal auf den Hosenboden setzen. Das genaue Gegenteil verspricht oftmals mehr Erfolg. "Bewegung macht schlau" war deshalb das Motto einer Wuppertaler Fachtagung, die am Samstag zum dritten Mal in der Uni-Halle organisiert wurde.

Für den Mitveranstalter AOK ist der Zusammenhang zwischen Bewegung, Lernen und Gesundheit nicht neu. Überraschend kamen aber die Ergebnisse eines Vortrags des Sportpädagogen Werner Schmidt, der zu Beginn der Tagung über die Bedeutung von Kindersport referierte. Lasse bei Kindern im Grundschulalter der Aufmerksamkeitsgrad von der ersten zur sechsten Stunde signifikant nach, so könne er durch Bewegungspausen nur in begrenztem Maße gesteigert werden. Ein "bewegter Unterricht" hingegen bringe etwa 40 Prozent Leistungsanstieg.

Kinder haben heute wesentlich
weniger Raum für Bewegung

120 Pädagogen aus dem Wuppertaler Raum nutzten die Gelegenheit, bei insgesamt sieben Workshops Wissen darüber zu sammeln, wie denn eigentlich ein bewegter Unterricht gestaltet werden kann. Das, so ein Resümee von Sportlehrer Florian Harms, trifft gelegentlich auf Hürden. Als anschauliches Beispiel hat er ein Sportgerät mitgebracht, das Slackline heißt und von Unfallversicherungen beargwöhnt wird - freilich nur in NRW. Denn das Gerät, ein Gurtband, auf dem verblüffende Balanceakte möglich sind, steht unter hoher Spannung und gilt deshalb als risikobehaftet.

Bei richtiger Handhabung sei die Slackline hingegen unbedenklich, versichert Harms und führt die Teilnehmer mitten hinein ins Abenteuer, allerdings auf Raten. Erst einmal balancieren die Pädagogen auf einem Schwebebalken und sollen sich nach gelungener Übung der Größe nach auf dem Balken aufstellen. Der Haken daran: Einer muss auf dem schmalen Steg am anderen vorbei. Not macht erfinderisch, und so kommt die Idee auf, übereinander zu steigen. Das ist nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht, denn die Koordinationsspiele sollen über den Spaß auch den Erfindungsgeist schulen.

Für Hans Baum, AOK-Regionaldirektor in Wuppertal, ist der Gewinn solcher Tagungen immens. In Großstädten sei den Kindern nur noch ein Siebtel der Bewegungsräume belassen, die deren Eltern einst zur Verfügung standen. Hinzu kämen die Versuchungen durch Medien, Internet und Computerspiele. Nur gezielte Programme und eben ein bewegter Unterricht könnten da noch Lernfähigkeit und Gesundheit sicherstellen.

Neben Slackline zählte auch das "Streetsurfen mit dem Waveboard" zu den ungewöhnlichen Angeboten der Tagung. Weitere Workshops widmeten sich "Bewegung und Musik", "Mathematik und Bewegung" oder "Wenn Sprache begeistert turnt".

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