Heute ist im Ausschuss für Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit einmal mehr der Beförderungsstau bei der Feuerwehr Thema.

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Retter-Protest auf dem verschneiten Johannes-Rau-Platz in Barmen: Am 4.Februar machten Feuerwehrleute aus ganz NRW ihrem Unmut über den Beförderungsstau Luft.

Retter-Protest auf dem verschneiten Johannes-Rau-Platz in Barmen: Am 4.Februar machten Feuerwehrleute aus ganz NRW ihrem Unmut über den Beförderungsstau Luft.

Andreas Fischer

Retter-Protest auf dem verschneiten Johannes-Rau-Platz in Barmen: Am 4.Februar machten Feuerwehrleute aus ganz NRW ihrem Unmut über den Beförderungsstau Luft.

Wuppertal. Die gute Nachricht zuerst: Als am Sonntag das Sturmtief Xynthia über Wuppertal hinwegfegte, waren vor allem Wuppertals Retter gefragt und sie machten ihren Job gut - wie immer. Das Tagesgeschäft ist die eine, Politik die andere Seite der Medaille. Und so fragte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Ende Januar die Stadtverwaltung: "Was tut die Stadt Wuppertal gegen die Demotivation der Beamten und Beamtinnen der Feuerwehr?" Klingt ganz schön fies. Aber zugespitzte Fragen gehören zum politischen Geschäft, vor allem angesichts der im Mai anstehenden NRW-Landtagswahl.

"Die sind topmotiviert."

Siegfried Brütsch, Chef der Wuppertaler Berufsfeuerwehr, über seine 300 Mitarbeiter.

Heute wird die Frage im Ausschuss für Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit in Form von Zahlen beantwortet: 77 von insgesamt 300 Feuerwehrleuten in Wuppertal werden nicht entsprechend ihrer Funktion bezahlt. Wirklich neu ist das nicht: Der eine oder andere wird sich an die von Verdi organisierte Großdemo samt Kundgebung der Retter in Barmen erinnern. Thema des Protestes: das Spardiktat der Bezirksregierung und der daraus resultierende Beförderungsstau.

Fakt ist: Wenn die Bezirksregierung nicht den Wuppertaler Haushalt eingefroren hätte, könnten 66 Feuerwehrleute im Tal sofort befördert werden. Das dazu nötige Geld steht im städtischen Haushalt, aber die Stadt darf es nicht ausgeben. Der Beförderungsstau bildet sich vor allem an der Basis: Allein auf der Stufe vom Brandmeister zum Oberbrandmeister stehen mehr als 40 Wuppertaler Berufsretter in der frustrierenden Warteschleife.

Die Prognose: Bis Ende 2011 werden etwa 25 Beamte - durch Wechsel oder Pensionierung - die Feuerwehr verlassen. Das löst den Beförderungsstau nicht auf. Im Gegenteil: Der potenzielle Nachwuchs hat längst begriffen, dass diverse Lehrgänge zwar anstrengend sind, die anschließende Beförderung aber eher unwahrscheinlich ist. Auf seine Leute lässt Feuerwehr-Chef Siegfried Brütsch nichts kommen: "Die sind topmotiviert."

Doch der Leiter der Berufsfeuerwehr musste sich bei der Frage nach einem Lehrgang schon mehr als einmal die Antwort diverser Kandidaten anhören: "Ohne anschließende Beförderung? Den Stress tue ich mir nicht an." Und obwohl die Wuppertaler Feuerwehr in NRW einen exzellenten Ruf genießt, orientieren sich viele Bewerber längst an der Finanzkraft der Stadt und den damit verbundenen Beförderungschancen. Und die finanzielle Schieflage Wuppertals hat sich offenbar herumgesprochen.

Der Ausschuss für Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit und der Betriebsausschuss ESW tagt heute im Rathaus Barmen (Raum A-232). Beginn ist um 16 Uhr.

Auf der Tagesordnung stehen unter anderem auch Anfragen der FDP und der Linken zum Winterdienst in Wuppertal.

Bei den Vorstellungsgesprächen Ende des vergangenen Jahres fragten viele Bewerber erstmals nach der wirtschaftlichen Situation der Stadt. Seit 2005 haben insgesamt 19 Beamte die Berufsfeuerwehr Wuppertal verlassen. Fürs erste Quartal 2010 sind bereits sechs Beamte bekannt, die zukünftig woanders Brände löschen - in finanzkräftigeren Kommunen.

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