Auch im Tal ist der starke Rückgang von Bienen, Falter und Co. ein großes Thema. Das Problem geht alle an – so auch die Gartenbesitzer.

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Jeder kann etwas tun: Bei Knipex bauten jetzt die Kinder von Mitarbeitern unter Anleitung ein großes Insektenhotel.

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Barbara Meimeth+

Jeder kann etwas tun: Bei Knipex bauten jetzt die Kinder von Mitarbeitern unter Anleitung ein großes Insektenhotel.

Wuppertal. Viele Insektenarten sind hierzulande bedroht, ihre Zahl ist in jüngster Zeit dramatisch zurückgegangen. Eine der aktuell wichtigsten Langzeitstudien zum Insektensterben in Deutschland liefert alarmierende Zahlen, ist vom BUND zu hören. „Die Kollegen haben nachweisen können, dass es heute in den untersuchten Gebieten teilweise bis zu drei Viertel weniger Insekten gibt als noch vor 25 Jahren“, sagt Jörg Liesendahl vom BUND in Wuppertal.

Kritik: Weniger Lebensräume durch Eingriffe in die Natur

Zwar seien diese Zahlen gebietsabhängig. „Aber wir wissen sicher, dass eine Vielzahl von Insekten immer weniger Lebensräume findet“, erklärt Liesendahl. Die Gründe seien unterschiedlich, zur einer der Hauptursachen zähle die intensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und der Einsatz von Pestiziden. Außerdem werde teils Jahr für Jahr dieselbe Pflanzenart angebaut, zum Beispiel Mais: „Das geht auf Dauer nicht gut, das ist Raubbau am Humus.“ Also komme Kunstdünger hinzu, „der wiederum die Lebensbedingungen anderer Pflanzen verändert, meist negativ“. Das führe dann dazu, dass Pflanzenarten bedroht seien, die ihrerseits den Insekten als Lebensgrundlage dienten.

Betroffen seien insbesondere Tiere, die von spezielle Pflanzenarten leben, auf sie angewiesen sind. „In Krefeld beispielsweise sind von 26 bekannten Hummel-Arten nur noch acht vorhanden – das wird in Wuppertal nicht anders sein.“ Zudem gebe es immer weniger geeignete Orte für Nester, weil unter anderem naturbelassene Ackerränder rar würden. Intensives Mähen von Wiesen und Rasen sei ebenfalls schädlich für Insekten: „Das führt zu einer erheblichen Veränderung der Zusammensetzung von Kräutern – der Nahrungsgrundlage vieler Schmetterlinge. Wenn Insekten fehlen, von denen sich viele Vogelarten ernähren, weite sich das Problem aus. Eine wichtige Maßnahme bestehe darin, mehr naturnahe Flächen zu schaffen, sagt Liesendahl.

Das bestätigt Dr. Jan Boomers, Geschäftsführer der Biologischen Station Mittlere Wupper. Sie informiert regelmäßig mit Projekten und Vorträgen, so dem Abend zum Schutz der Wildbienen am 7. November (siehe Kasten rechts). „Viele Arten stehen unter Druck“, sagt Boomers. Im Bergischen Land gebe es an sich schon weniger artenreiches Grünland und damit weniger Blütenvielfalt als beispielsweise auf Wiesen in der Eifel. Hinzu komme aber die veränderte Nutzungsstruktur heimischer Böden: „Früher gab es eine wesentlich kleinteiligere Nutzung – wenn man sich alte Luftbilder anschaut, zum Beispiel vom Scharpenacken, dann fällt der Unterschied besonders auf.

Da gab es Gemüseanbau, Ackerbau, Grünland, und damit unterschiedliche ökologische Strukturen.“ Viel davon sei verlorengegangen, ebenso seien kaum noch unbefestigte Feldwege zu finden. Durch Versiegelung komme es zu weiterem Verlust von Nisthabitaten. Und natürlich spiele der Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat eine Rolle – ein Thema, das derzeit europaweit diskutiert wird. „Es ist eine Vielzahl von Ursachen“, sagt Boomers zum Insektensterben.

„Wildbienen – Gefährdung und Schutz“ heißt der Vortrag der Biologischen Station Mittlere Wupper, die sich mit gut 560 Wildbienenarten, die in Deutschland vorkommen, befasst. Aktuell seien viele Arten in ihrer Existenz bedroht. Über das aktuelle Gefährdungsszenario sowie Möglichkeiten zum Schutz heimischer Wildbienenarten berichtet am 7. November Dr. Jan Boomers. Veranstaltungsort: Uni, Hörsaal 11 Gaußstraße, Beginn: 19.30 Uhr.

Kontakt zu BUND und Biologischer Station Mittlere Wupper: www.bsmw.de www.bund-kgwuppertal.de

Er betont aber auch: „Jeder kann helfen.“ Insbesondere im eigenen Garten: „Man sollte ihn so gestalten, dass vom Frühjahr bis zum Herbst ein Blühangebot vorhanden ist.“ Ratsam sei es, zumindest stellenweise auch Wildwuchs zuzulassen und so kleine Nischen zur Überwinterung und Reproduktion von Insekten zu schaffen. Weniger hilfreich sei ein „ultra-aufgeräumter Garten“, und beispielsweise der Trend zu vermeintlich pflegeleichten Steingärten, ergänzt Jörg Liesendahl: „Das ist ökologisch absoluter Schwachsinn.“ 

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