Immer weniger Absolventen wollen sich niederlassen.

Immer weniger Absolventen wollen sich niederlassen.
Dr. Wolfgang Bielefeld findet keinen Nachfolger für seine Praxis. Junge Ärzte wollen sich selten niederlassen.

Dr. Wolfgang Bielefeld findet keinen Nachfolger für seine Praxis. Junge Ärzte wollen sich selten niederlassen.

Anna Schwartz

Dr. Wolfgang Bielefeld findet keinen Nachfolger für seine Praxis. Junge Ärzte wollen sich selten niederlassen.

Nachdenklich schaut sich Dr. Wolfgang Bielefeld in seiner Praxis um. Seit 1986 hat er hier als Hausarzt Menschen teils über mehrere Jahrzehnte begleitet. Am 1. April ist damit Schluss: Dann wird der 65-Jährige in Rente gehen. Einen Nachfolger für seine Praxis im Barmen hat Bielefeld noch nicht gefunden. „Ich suche seit einem Dreivierteljahr jemanden, der die Praxis übernehmen möchte, hatte aber bisher keinen Erfolg“, sagt er.

Damit ist er kein Einzelfall. „Junge Absolventen haben heute viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen“, sagt Christopher Schneider von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO). Das sei aber nur ein Grund, warum sich immer mehr Studenten gegen eine Niederlassung entscheiden. „Es gibt einen Trend, sich zu spezialisieren“, so Schneider. Dabei hätten vor allem die Krankenhäuser einen großen Bedarf an Nachwuchskräften. „Da fällt der Hausarzt als Generalist eben hinten runter“, erklärt Schneider.

Viele Absolventen scheuen die Selbstständigkeit

Gerade Frauen, die ein Gros der Medizinstudenten ausmachen, wählen bewusst ein Anstellungsverhältnis, um Familie und Beruf vereinbaren zu können. „Viele Studenten scheuen auch das Risiko der Selbstständigkeit“, sagt Schneider. Eine der beiden Bewerberinnen für Bielefelds Praxis hatte sich mit dieser Begründung gegen die Übernahme entschieden.

Wolfgang Bielefeld hat eine 55-Stunden-Woche und liegt damit etwas über dem bundesweiten Durchschnitt. Zu den regulären Sprechzeiten kommen Hausbesuche nach Praxisschluss sowie die Betreuung von Patienten in verschiedenen Altenheimen. „Von meinem Job bin ich häufig ausgebrannt“, sagt Bielefeld. Das habe er aber mit der Freude an der Arbeit kompensieren können.

Obwohl auch Kollegen von Wolfgang Bielefeld Probleme haben, Nachfolger für ihre Praxen zu finden, gibt es nach Ansicht der KVNO noch keinen Hausärztemangel in Wuppertal. Derzeit liege der Versorgungsgrad mit 216 Allgemeinmedizinern und Hausärzten bei rund 102 Prozent. Damit sei die hausärztliche Versorgung als gut zu bezeichnen. Die Zukunft sieht jedoch wenig rosig aus: Das Durchschnittsalter der Wuppertaler Hausärzte liegt bei 53 Jahren. Nach Berechnungen der KVNO müssen bis 2030 im Rheinland 5000 neue Hausärzte gewonnen werden.

Um jungen Medizinern die Angst vor der Niederlassung zu nehmen, geht die KVNO gezielt auf Studenten zu und vermittelt Praxispaten. Zweimal im Jahr veranstaltet sie zudem eine Praxisbörse, auf der sich Interessenten und Praxisinhaber kennenlernen können. Es bleibe nur, für den Beruf des Hausarztes zu werben, so Schneider. Denn für den Beruf brauche man Leidenschaft.

Für Wolfgang Bielefeld ist die Zeit der Trauer abgeschlossen: Seine Hoffnung ist jetzt, dass er in den kommenden zwei Monaten einen Nachfolger für seine Praxis und damit für seine Patienten findet.

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