Die einstige Rex-Chefin will im März in Barmen ihr neues Theater eröffnen. Besitzer Kurt Rydl will das Programm mitgestalten.

Die Macher des Forum Maximum im Barmer Bahnhof: Besitzer und Opernstar Kurt Rydl (li.) mit seiner Frau Christiane (re.), Martina Steimer und Bahnhofs-Buchhändler Thomas Leipoldt.
Die Macher des Forum Maximum im Barmer Bahnhof: Besitzer und Opernstar Kurt Rydl (li.) mit seiner Frau Christiane (re.), Martina Steimer und Bahnhofs-Buchhändler Thomas Leipoldt.

Die Macher des Forum Maximum im Barmer Bahnhof: Besitzer und Opernstar Kurt Rydl (li.) mit seiner Frau Christiane (re.), Martina Steimer und Bahnhofs-Buchhändler Thomas Leipoldt.

Uwe Schinkel

Die Macher des Forum Maximum im Barmer Bahnhof: Besitzer und Opernstar Kurt Rydl (li.) mit seiner Frau Christiane (re.), Martina Steimer und Bahnhofs-Buchhändler Thomas Leipoldt.

Barmen. Nach fast zehn Jahren Leerstand wird dem Barmer Bahnhof wieder Leben eingehaucht. Martina Steimer, die bis Mitte des Jahres das Rex-Theater in Elberfeld geleitet hat, wird federführend das neue Programm des Traditionshauses bestimmen. Die Eröffnung des Bahnhofs ist für Frühjahr 2011 angekündigt - genau wie die Wiedereröffnung des Rex.

Kooperation: Forum Maximum im Barmer Bahnhof

Die Kooperation zwischen Steimer und den Besitzern des Barmer Bahnhofs liegt auf der Hand: Das Ehepaar Christiane und Kurt Rydl, der als Opernsänger weltweit bekannt ist, hatten den Bahnhof 2008 von der Bahn gekauft. Seitdem fanden dort nur Umbauarbeiten und kleinere Veranstaltungen mit Sondergenehmigung statt - ein passendes Konzept war lange nicht in Sicht.

Martina Steimer hat mit ihrem Forum Maximum hingegen seit langer Zeit ein funktionierendes Kulturkonzept, das seit dem Auszug aus dem Rex am Kipdorf allerdings heimatlos ist. Spätestens ab März des kommenden Jahres heißt es also: Forum Maximum im Barmer Bahnhof. Zustande kam die Kooperation zwischen Rydl und Steimer sehr kurzfristig: Erst vor zwei Wochen begannen die Gespräche zwischen Martina Steimer und dem Miteigentümer Thomas Leipoldt, der seit langem das Cafè "Bahnhofsbuchhandlung" in Barmen führt. Erst vor fünf Tagen setzten die beiden sich auch mit dem Ehepaar Rydl zusammen, das in Wien lebt. "Wir hatten sehr ähnliche Vorstellungen, wie das neue Konzept aussehen soll", sagt Kurt Rydl.

Kultur, Tanz, Comedy: Alles, nur keine Disko

Das neue Programm des Barmer Bahnhofs wird eindeutig in der Tradition des Forum Maximum geführt: "Vom Jazz-Brunch bis zur Comedy können wir uns alles Vorstellen", erklärt Martina Steimer. Eine Ausdrückliche Ausnahme macht sie allerdings: Einen Disko-Betrieb, mit dem sich der Barmer Bahnhof unter der Leitung von Alfred Biolek in den 90er-Jahren einen Namen gemacht hatte, wird es nicht mehr geben.

Damit grenzen sich die neuen Betreiber auch vom Rex-Theater ab, das unter Andreas Köhler und Wolf Birgden neben der Kultur auch auf Tanz setzen will. Einen weiteren Unterschied im sonst ähnlichen Programm machen wohl die Kontakte von Kurt Rydl aus: Der Opernstar will Kollegen aus der klassischen Musik nach Wuppertal holen. Gespräche mit einem Intendanten aus Düsseldorf laufen bereits. Klassische Musik ist auch für das Forum Maximum eine neue Besonderheit.

Martina Steimer reagierte zunächst verhalten auf die Nachricht, dass er aktuelle Betreiber des "Charismar, Andreas Köhler, zukünftig das Rex-theater leiten wird: "Ich bin bestürzt", hieß es in einer Rundmail, die der WZ vorliegt. Heute begründet Steimer diese erste Reaktion mit Frust, der entstanden sei, weil sie dachte, das Rex würde zur reinen Disco umfunktioniert. "Ich wollte mit dieser Mail keine Künstler von der Zusammenarbeit mit Herrn Köhler abhalten", erklärt Steimer. Und weiter: "Ich glaube, Wuppertal kann zwei traditionsreiche Bühnen vertragen."

Außerdem hatte Steimer Andreas Köhler eine Kooperation zugesagt. Zu dieser Aussage steht sie noch heute: "Ich kann mir eine Zusammenarbeit vorstellen. Ich liebe das Rex noch immer und ein Streit wäre auch nicht gut für die Stadt."

Der Barmer Bahnhof hat als Kulturstätte bereits einen Ruf: In den 90ern war das von Alfred Biolek und der Pro GmbH geplante und ausgebaute Gebäude eine renommierte Adresse Disko und Kabarett. Ein spektakuläres Ambiente, entworfen von dem Architekten Gigi Campi (1928 -2010) im Inneren des neoklassizistischen Baus sorgte für Aufsehen. Noch in den 1990er Jahren wurde die Kleinkunstbühne nicht mehr genutzt. Und 2001 wurde auch der Diskobetrieb aus Brandschutzgründen eingestellt. Seitdem darbte der Bahnhof vor sich hin. Das änderte sich im August 2008, als der Wiener Opernstar Kurt Rydl, dessen Schwager Thomas Leipoldt die Bahnhofsbuchhandlung betreibt, die Immobilie erwarb. Seitdem wird dort umgebaut - mit dem Ziel, wieder hochwertige Kultur in dem besonderem Ambiente anzubieten.

Für den Neuanfang in Barmen haben sich laut Martina Steimer schon die Springmäuse angesagt, die bereits 1991 den Barmer Bahnhof und 1998 das Forum Maximum im Rex eröffnet haben, außerdem Konrad Beikircher, Dieter Hildebrandt, Tobias Mann, Wilfried Schmickler und andere.

Im Frühjahr 2011 werden in Wuppertal also gleich zwei Kulturbühnen mit jeweils etwa 350 Sitzplätzen neu belebt. Die Knappheit an Spielstätten für Kulturschaffende aus dem Tal - die WZ berichtete - dürfte damit bald der Vergangenheit angehören.

 

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