Auf dem Streckenabschnitt zwischen Gruiten und Vohwinkel muss auch ein Teil der Schienen erneuert werden.

Auf dem Streckenabschnitt zwischen Gruiten und Vohwinkel muss auch ein Teil der Schienen erneuert werden.
Auf dem stillgelegten Streckenstück herrscht Hochbetrieb.

Auf dem stillgelegten Streckenstück herrscht Hochbetrieb.

Benjamin Lück ist Projektleiter der DB Netz AG. Fotos. Stefan Fries

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Auf dem stillgelegten Streckenstück herrscht Hochbetrieb.

Vohwinkel/Gruiten. Mit Schwung bringt der spezielle Schienenbagger eine Ladung Schotter ins Gleisbett. Die Menge muss genau passen, denn an dieser Stelle soll später eine Weiche verlegt werden. Da ist Präzisionsarbeit gefragt. Mit Hilfe von weiteren Maschinen und einem Lasermessgerät wird der Schotter verteilt und zentimetergenau ausgerichtet. Auf dem Streckenabschnitt der Bahn zwischen Vohwinkel und Gruiten herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb. Hier werden insgesamt drei Weichen verlegt. Die konkreten Vorbereitungen laufen seit Samstag. Auch ein Teil der Schienen muss ersetzt werden.

Wo sonst die Züge im Minutentakt verkehren, wurde nach der Bahnsperrung eine große Baustelle eingerichtet. Rund 15 Mitarbeiter sorgen dafür, dass der enge Zeitplan eingehalten wird. „Die Arbeiten laufen auch nachts“, erklärt Benjamin Lück. Er ist Bauingenieur und Projektleiter der DB Netz AG. Lück und sein Team haben während der Sperrung für das neue elektronische Stellwerk gut zu tun. Besonders der Einbau der neuen Weichen ist eine Herausforderung. Sie sind trotz ihrer Größe Präzisionsinstrumente. Beim Einbau muss alles passen.

Das gilt auch für die Vorarbeiten. Zuerst müssen die alten Schienen ausgebaut und das Gleisbett ausgeschachtet werden. Auf eine wasserundurchlässige Schicht kommt neuer Schotter. Die Weichen liegen derweil vormontiert in Vohwinkel und werden später mit einem Schwenkkran an die Gleisstücke angedockt. Das passiert mit einem Zwei-Komponenten Schweißverfahren. Auch dabei kommt es auf jeden Millimeter an. Doch der Aufwand soll sich gerade für das Nadelöhr zwischen den Abzweigen Linden und Gruiten lohnen. Hier findet die Vorselektion der Züge für die weiteren Streckenabschnitte statt. Künftig soll der S-Bahnverkehr auch die Bereiche für die Fernzüge benutzen können - und umgekehrt.

„Durch das neue Stellwerk sind wir deutlich flexibler“, sagt Benjamin Lück. Er hat Verständnis für den Ärger der Fahrgäste über die Vollsperrung, verweist aber auf die Vorteile der Umstellung. „Wenn alles fertig ist, kann jedes Gleis in jede Richtung befahren werden“, betont Lück. Das soll auch helfen, Verspätungen zu vermeiden.

„Der Zeitplan ist für uns schon eine Herausforderung.“

Bernhard Sievers

Zum Konzept gehört eine digitale Steuerungstechnik, deren Herzstück sich im neuen Stellwerk an der Vohwinkeler Bahnstraße befindet. Die Unterverteilung wird neben den Gleisen geregelt. In großen Schränken befinden sich Hybridkabel für Strom und Datenverkehr. Alles wurde doppelt installiert. „Für den Fall der Fälle“, wie Benjamin Lück betont. Auch an Schutz gegen Blitze und lästige Nagetiere wurde gedacht. Schließlich befinden sich allein auf diesem Gleisabschnitt zwölf Signale.

Die Bahn betont, dass jedes Kabel, jedes Signal und jede Weiche an das neue Stellwerk angeschlossen werden müsse. Die Arbeiten laufen daher unter extremen Zeitdruck. Insgesamt werden bis zur Inbetriebnahme Ende August 387 Signale aufgestellt, 98 Weichen angeschlossen und 374.000 Meter Kabel verlegt. Die Deutsche Bahn investiert mehr als 32 Millionen Euro in die Modernisierung.

Ein sogenannter „Achsenzähler“ prüft mit Hilfe eines Magnetfelds, wann der letzte Waggon vorbeigerollt und die Strecke wieder frei ist. „Würde ein Zug trotzdem falsch fahren, wird er automatisch abgestoppt“, erklärt Benjamin Lück.

Bis das neue Stellwerk in Betrieb gehen kann, bleibt noch viel zu tun. Insgesamt müssen 100 Einzelmaßnahmen bewältigt werden. „Wir haben hier eine besondere Topographie und eine hohe Zugauslastung“, erläutert Projektingenieurin Kathrin Bigalke. Auch sie betont, dass es zur kompletten Sperrung keine Alternative gegeben hätte.

Derweil ist Bauoberleiter Bernha Sievers mit dem Fortschritt auf dem Streckenabschnitt zufrieden. „Der Zeitplan ist für uns schon eine Herausforderung“, sagt er. Bahnsprecher Torsten Nehring findet, dass sich die Fahrgäste gut auf den Schienenersatzverkehr eingestellt hätten. Ärgerlich sei allerdings der Diebstahl der entsprechenden Beschilderung am Wuppertaler Hauptbahnhof gewesen. Die Schilder wurden laut Bahn bereits wieder ersetzt.

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