Nach fast zwei Wochen ohne Schienenverkehr ist die Bahn mit dem Ablauf der Sperrung zufrieden. Die ganze Maßnahme kritisch sieht hingegen der Fahrgastverband.

Nach fast zwei Wochen ohne Schienenverkehr ist die Bahn mit dem Ablauf der Sperrung zufrieden. Die ganze Maßnahme kritisch sieht hingegen der Fahrgastverband.
Blick in die Finsternis: Alle Schilder können nicht verhindern, dass immer wieder Fahrgäste vor einem abgeschlossenen Hauptbahnhof stehen.

Blick in die Finsternis: Alle Schilder können nicht verhindern, dass immer wieder Fahrgäste vor einem abgeschlossenen Hauptbahnhof stehen.

Blick in die Finsternis: Alle Schilder können nicht verhindern, dass immer wieder Fahrgäste vor einem abgeschlossenen Hauptbahnhof stehen.

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Blick in die Finsternis: Alle Schilder können nicht verhindern, dass immer wieder Fahrgäste vor einem abgeschlossenen Hauptbahnhof stehen.

Wuppertal. Wuppertals Pendler können gute Nachrichten gebrauchen: Es gibt Licht am Ende des Bahntunnels. „Wir liegen im Zeitplan. Am Montag, 24. April, soll der Zugverkehr wieder planmäßig rollen“, sagte gestern eine Bahnsprecherin der WZ. Die Schneeflocken der vergangenen Tage dürften dem ein oder anderen Fahrgast Sorgen gemacht haben. Doch die Bahn bestätigt: „Das Wetter hat uns nicht aufgehalten.“

Wohl aber sind die ÖPNV-Gäste – milde gesagt – seit Tagen aufgehalten worden. Unsere Leser berichteten uns von überfülltem und verspätetem Schienenersatzverkehr, fehlender Beschilderung und viel Verwirrung an den Bahnhöfen. Voraussehbare Nebeneffekte einer Operation am offenen Herzen.

„Die Bürger nehmen das extrem kritisch wahr“

Genau diese stellt jedoch der Fahrgastverband Pro Bahn infrage. Berichte über den Verkehrsinfarkt im Bergischen drangen bis nach Berlin. „Ja, einige Fahrgäste haben sich deswegen an uns gewandt“, bestätigte Sprecher Karl-Peter Naumann. Das Verständnis für solche krassen Eingriffe in den Verkehrsfluss schwinde. „Die Bürger nehmen das vermehrt extrem kritisch wahr“, sagt er.

Naumann hinterfragt die Alternativlosigkeit der Großmaßnahme: „Damit eine Sperrung in dieser Form eine gute Lösung ist, müsste er schon schwerwiegende Gründe geben, die ich hier nicht sehe.“ Er glaubt, zu wissen, warum die Bahn das Umbauprojekt lieber mit der „Hau-Ruck-Methode“ durchzieht: „Das Bau in mehreren Teilen ist ein deutliches Stück teurer.“

Weiterer Kritikpunkt: Während der RE 21 Minuten nach Düsseldorf benötigt, ist die Fahrt mit dem Ersatzbus eine 50-Minuten-Reise. Naumann sagt: „Wichtig ist eigentlich, dass es vernünftige Express-Busse in die größeren Städte gibt.“

Das neue Stellwerk wird deutlich flexibler. Demnächst soll jedes Gleis in jede Richtung befahren werden können. Das soll auch helfen, Verspätungen zu vermeiden.

Zum Konzept gehört eine digitale Steuerungstechnik, deren Herzstück sich im neuen Stellwerk an der Vohwinkeler Bahnstraße befindet. Die Unterverteilung wird neben den Gleisen geregelt.

In großen Schränken befinden sich Hybridkabel für Strom und Datenverkehr.

Ein ganz anderes Bild von der Reaktion der Kunden zeichnet die Bahn selbst. „Die Fahrgäste haben sich gut auf die Sperrung eingestellt“, teilte eine Bahnsprecherin mit. Die Busse seien nicht überlastet. Es müsse jedoch klar sein: „Die Busse haben natürlich nicht die gewohnte Qualität wie ein Zug.“

Ob in diesen Tagen das Service-Telefon überhaupt noch still steht? Da lässt sich das Unternehmen ungern in die Karten gucken. Nur soviel: „Im Vergleich zu anderen Baumaßnahmen ist die Zahl der Anrufe nicht auffällig. Eher gering.“

Ein Problem, das gesteht auch die Bahnsprecherin ein, gab es am ersten Wochenende, wo die unzureichende Beschilderung am Bahnhof Oberbarmen, der zu einer Art Ersatz-Hauptbahnhof geworden ist, für viele verwirrte Gesichter gesorgt hat. Erschwerend sei hinzugekommen, dass Schilder von Unbekannten gestohlen worden waren.

Inzwischen sei alles wieder an Ort und Stelle. „Wir haben am Montag sogar noch einmal nachjustiert und zusätzliche Plakate und Aufsteller angebracht“, so die Bahnsprecherin. Das Konzept sei das eine, das Verhalten der Fahrgäste jedoch das andere. So hätten sich erst im Nachhinein unklare Laufwege ergeben. Auch bei den Durchsagen sei nachgebessert worden.

Hätte man den Wuppertalern all das ersparen können? „Nein“, sagt die Bahnsprecherin. Die Arbeiten am neuen elektronischen Stellewerk – rund 100 Einzelmaßnahmen – müssten im Block ausgeführt werden. „Man muss sich das wie eine große Ampelanlage vorstellen, die notwendig für den sicheren Bahnbetrieb ist.“ Eine Bewältigung des Projekts in reiner Nachtarbeit sei ebenfalls keine Option gewesen. „Das verlängert die Bauzeit um ein Vielfaches.“

Dass der Wuppertaler Hauptbahnhof tagelang ein Geisterbahnhof ist, hat die Bahn genutzt, um den Bahnsteig 3 auf den neusten Stand der Technik zu bringen. „Die Höhe wird angepasst, neuer Belag, neue Ausstattung.“

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