Die Extra-Fahrten nach Düsseldorf gleichen nicht die Defizite aus, die sich durch die fehlende Frequenz an den Bahnhöfen auftun.

Die Extra-Fahrten nach Düsseldorf gleichen nicht die Defizite aus, die sich durch die fehlende Frequenz an den Bahnhöfen auftun.
Die Taxifahrer Cafer Sener und Ibrahim Altunok warten am Taxistand an der Morianstraße auf Kunden. Wie viele ihrer Kollegen haben sie festgestellt, dass die Bahnsperrung sie Fahrten gekostet hat.

Die Taxifahrer Cafer Sener und Ibrahim Altunok warten am Taxistand an der Morianstraße auf Kunden. Wie viele ihrer Kollegen haben sie festgestellt, dass die Bahnsperrung sie Fahrten gekostet hat.

Stefan Fries

Die Taxifahrer Cafer Sener und Ibrahim Altunok warten am Taxistand an der Morianstraße auf Kunden. Wie viele ihrer Kollegen haben sie festgestellt, dass die Bahnsperrung sie Fahrten gekostet hat.

Wuppertal. Sechs Wochen abgekoppelt vom Bahnverkehr. Der Weg in die Nachbarstädte führt nur noch über die Straßen. Da wäre es im ersten Moment vorstellbar, dass sich die Wuppertaler Taxiunternehmen die Hände reiben: mehr Fahrten in die umliegenden Großstädte, mehr Fahrten zum Düsseldorfer Hauptbahnhof, mehr Flughafen-Touren. Die Realität sieht jedoch anders aus. Die Stimmung bei den Unternehmern ist nicht sonderlich gut – das zeigte sich am Mittwoch bei einer WZ-Umfrage in der Branche.

Im Taxi wird weniger über die Sperrung geschimpft

Taxi-Unternehmer Deniz Tekgül resümiert: „Es ist viel weniger zu tun als sonst.“ Das liege einerseits an den Sommerferien, andererseits aber auch daran, dass die Bahnhöfe für sechs Wochen menschenleer sind. Gerade an diesen Verkehrsknotenpunkten greifen Taxifahrer oft Einsteiger auf. Bahnen fallen aus, das Taxi wird zum Plan B – das alles fällt weg.

Hinzu kommt, dass auch der Schienenersatzverkehr offenbar weniger Menschen verunsichert. Deniz Tekgül berichtet: „Die Leute haben sich durch die Sperrung zu Ostern daran gewöhnt.“ Es werde auch im Taxi weniger auf die Sperrung geschimpft.

Fahrerin Claudia Peters von Taxi Schildberg bestätigt ebenso: „Bei uns überwiegt das Sommerloch.“ Ein paar wenige Fahrten habe es zusätzlich zum Düsseldorfer Hauptbahnhof gegeben. Unternehmer Paul Wetter sagt es kurz und knapp: „Es gibt keine zusätzlichen Fahrten. Die Leute haben sich wegen der Bahnsperrung informiert – und fertig.“Auch Unternehmerin Alexandra Neumeier kann nichts Gutes vermelden: „Es ist wenig zu tun. Tote Hose.“

Am Taxistand an der Morianstraße in Elberfeld gab es am Mittwoch lange Gesichter. Die einhellige Meinung lautete: „Es ist nichts mehr los, seit die Bahnstrecke gesperrt ist.“ Richtig gut kam bei den Fahrern das Feierwochenende rund um die B7-Eröffnung an. So viel Fahrgäste habe es schon ewig nicht mehr an einem Wochenende gegeben. Ein Fahrer wünschte sich: „So sollte es öfters sein.“

Wie zufrieden sind die Deutschen mit ihren Bahnhöfen? Dieser Frage ging jetzt das Vergleichsportal „Netzsieger“ nach. Anhand von 7000 Google-Rezensionen hat das Unternehmen aus Berlin die Hauptbahnhöfe der 30 größten Städte Deutschlands miteinander verglichen und in einem Ranking angeordnet.

Wuppertal belegte mit mageren 2,6 von 5 Punkten den letzten Platz der Kritiker – wobei die Baustelle zum Negativfaktor wurde. Den ersten Platz holte Köln.

Im Moment können die Fahrer von diesen einmaligen Umsätzen nur noch träumen. Taxiunternehmer Herbert Wachsener hat die Erfahrung gemacht: „Es gibt schon mal Leute, die den Ersatzbus verpasst haben und uns dann anrufen. Das gleicht unterm Strich aber nicht aus, dass durch die Sperrung viel weniger los ist.“

Er habe bemerkt: Viele haben sich zu Zeiten der Sperrung anders arrangiert. Entweder sie setzen auf den Ersatzverkehr oder sie bilden teilweise auch Fahrgemeinschaften mit Freunden und Bekannten.

Logisch: Wer sonst jeden Tag mit der Bahn zur Arbeit fährt, möchte jetzt nicht täglich das Taxameter zählen sehen. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Taxiunternehmer Ahmed Henik hat es bei der Ostersperrung bereits erlebt, dass sich ein Fahrgast einfach für zwei Wochen von ihm täglich zur Arbeit nach Düsseldorf fahren ließ. „Der wollte einfach pünktlich da sein“, sagt er. Es gebe noch immer viele, die einfach „keinen Bock“ auf den Ersatzverkehr haben.

Die allgemeine Aufregung scheint jedoch abgenommen zu haben. Auch Veronika Düster hat im Taxi festgestellt: „Die Sperrung ist weniger Thema. Es läuft besser als zu Ostern.“

Wenigstens einen Lichtblick gibt es für die Taxifahrer in Wuppertal: Es fährt sich aktuell angenehmer auf den städtischen Straßen. Und das liegt nicht nur daran, dass urlaubsbedingt weniger los ist. Unternehmer Frank Berenbeck lobt die Eröffnung der B7: „Das ist wirklich gelungen.“ Endlich seien auch die Straßen drumherum wieder deutlich entlastet. Und auch von den Kunden höre er nur Positives über die neue Verkehrsführung. „Der Döppersberg ist wirklicht nett geworden.“

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