Sinkende Mitgliederzahlen zwingen die Bäckerinnung Wuppertal zum Zusammenschluss mit Solingen.

Sinkende Mitgliederzahlen zwingen Interessenvertretung zum Zusammenschluss mit Solingen
Dirk Polick (r.) ist Inhaber der gleichnamigen Backstube. Um sich gegen die günstigere Ware von Discountern durchsetzen zu können, setzt er auf regionale Produkte – so verwendet er zum Beispiel Wurst aus der Metzgerei von Gerd Kaufmann. Archiv

Dirk Polick (r.) ist Inhaber der gleichnamigen Backstube. Um sich gegen die günstigere Ware von Discountern durchsetzen zu können, setzt er auf regionale Produkte – so verwendet er zum Beispiel Wurst aus der Metzgerei von Gerd Kaufmann. Archiv

Anna Schwartz

Dirk Polick (r.) ist Inhaber der gleichnamigen Backstube. Um sich gegen die günstigere Ware von Discountern durchsetzen zu können, setzt er auf regionale Produkte – so verwendet er zum Beispiel Wurst aus der Metzgerei von Gerd Kaufmann. Archiv

Wuppertal. In Wuppertal gibt es - wie in vielen anderen Städten - immer weniger Bäcker, die selbst backen. Damit gibt es auch immer weniger Handwerksbetriebe, die sich in der Bäckerinnung engagieren. Deshalb wollen sich die Interessenvertretungen der Bäcker aus Wuppertal und Solingen zusammenschließen. „Das ist innerhalb der Innungen beschlossen. 2018 oder 2019 soll die Fusion erfolgen“, sagt Dirk Polick, Inhaber von Policks Backstube.

Die Zahl der Mitgliedsbetriebe schrumpft stetig: Vor 30 Jahren hatte die Wuppertaler Innung mehr als 100 Mitgliedsbetriebe, vor zehn Jahren waren es noch 31, aktuell sind noch sieben. In Solingen sind es noch acht.

Discounter haben konkurrenzlos niedrige Preise

Ein Grund für den Schwund der Bäckereien ist die fehlende Nachfolge. Vor allem macht aber die Brotindustrie den Handwerksbetrieben zu schaffen. Neben abgepackten Brot bieten Discounter Ware aus Backautomaten an, die in Minuten fertig gebacken wird. „Für den Preis können wir kein Brot herstellen“, sagt Polick.

Polick sieht darin aber auch ein Chance für die Handwerksbetriebe. „Wir müssen uns noch mehr mit regionalen Produkten profilieren“, sagt der Bäckermeister. Verwendet wird zum Beispiel Wurst von der Metzgerei Kaufmann und Eier von einem Ronsdorfer Geflügelhof. Das müsse nur noch offensiver an die Kunden gebracht werden, sagt Polick, der zwölf Filialen betreibt.

Er glaubt, dass die inhabergeführten Bäckereien durch Kundenbindung punkten. „Wir haben viele Stammkunden. Für die sind die Menschen hinter der Theke ganz wichtig“, so Polick. Da wisse die Verkäuferin schon, dass der Handwerker ein belegtes Brötchen und ein Kaffee wolle.

Die Wuppertaler Bäcker plagen zudem Nachwuchssorgen. Aktuell machen zwar 29 Bäcker eine Ausbildung. Es werden aber weitere gesucht. Dazu bieten die Bäcker der Innung viele Praktika an. „Dabei können junge Menschen sehen, wie schön es ist, im Team jeden Tag etwas zu schaffen - vom Mehl bis zum fertigen Brot.“

Auch wenn es immer weniger Bäckerei-Betriebe gibt, ist es nur ein Gerücht, dass die Bäckerei Burger Brezel in Elberfeld pleite ist und schließen muss. Darüber kann Inhaber Rüdiger Hösterey nur herzlich lachen: „Wir werden noch eine ganze Weile existieren“, sagt er: „Ich kann mir nicht vorstellen, morgens nicht in meine Backstube zu gehen.“ Gerade hat der Bäckermeister einen neuen Kunden gewonnen, der mehrere Filialen in vier Supermärkten betreibt. Hösterey ist verwundert, dass eine Unterschriftenaktion für den Erhalt seiner Bäckerei initiiert wurde - freut sich aber, dass sein Handwerk so geschätzt wird.

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