Wuppertal hat Geschichte. Diese Erkenntnis überrascht nicht in einer Stadt, die dem Betrachter etwa wunderbare Gründerzeit-Fassaden und ein einmaliges Verkehrsmittel aus der Hochzeit der deutschen Industrie-Moderne bietet. Dass Wuppertals Wurzeln jedoch bis in die vorrömische Epoche reichen - diese Erkenntnis muss sich der Wuppertaler ebenso wie der Stadt-Besucher selbst erarbeiten, in Archiven, Bibliotheken oder auf zig verstreuten Gedenktafeln. Ein Missstand, den der Fall Burg Elberfeld bestens verdeutlicht.

Denn was bleibt von den Funden der Wissenschaftler, die erstmals seit den 1950er Jahren Neues zur mittelalterlichen Stadtgeschichte zutage förderten? Einige Linien im Straßenpflaster, eine Info-Tafel; die Details werden im Internet verschwinden. Gut, das ist immer noch besser als das Ende der Scherben-Funde des Jahres 2003 im Deweerthschen Garten, die von einer vorchristlichen Besiedelung des Wuppertales zeugten - eine Sensation der Stadtgeschichte, von der nicht einmal ein Info-Täfelchen blieb.

Es rächt sich eben, dass die Pläne für ein "Haus der Stadtgeschichte" im Vorfeld der Regionale 2006 im Sand verlaufen sind. Aus ihnen hätte ein Haus entstehen können, in dem die Wuppertaler Gesamt-Geschichte in moderner Aufbereitung allgemein zugänglich gemacht worden wäre. Ein Ort zum Lernen, zur Identitäts-Stiftung, als Touristen-Attraktion. Materiell wie immateriell: Stadtgeschichte macht reich - wenn sie nicht versteckt wird. Klar, Wuppertal hat kein Geld. Aber vielleicht einen Oberbürgermeister, der sich dieser Vision persönlich annimmt? Der Stifter und Experten im Rathaus versammelt, um gezielt Lösungen für diese riesige Lücke in Wuppertals Kulturlandschaft zu suchen? Ganz unmöglich wäre dies nicht. Denn auch Attraktionen wie Zoo, Stadthalle und Von der Heydt-Museum sind einst durch bürgerschaftliches Engagement entstanden. Das lehrt: ein Blick in die Stadtgeschichte.

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