Etat für Ein-Euro Jobs wurde gekürzt. Stadt strebt Autonomie als Optionskommune an.

Arbeitsmarkt
Thomas Lenz firmiert jetzt als Herr über Wuppertals Jobcenter.

Thomas Lenz firmiert jetzt als Herr über Wuppertals Jobcenter.

Bei den Ein-Euro-Jobbern auf der Nordbahntrasse sollen 2011 keine Einschnitte gemacht werden. Diese Jobs haben sich in der Praxis für Langzeitarbeitslose als Sprungbrett in den regulären Arbeitsmarkt bewährt. Archiv

Mathias Kehren, Bild 1 von 2

Thomas Lenz firmiert jetzt als Herr über Wuppertals Jobcenter.

Wuppertal. Seit dem 1. Januar trägt die Arge Wuppertal den Namen Jobcenter Wuppertal. Hintergrund der Neuorganisation ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das die bisherige Verwaltungsform als mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärt hat. Jedoch ergeben sich durch diese Änderung für die Kunden des Jobcenters keine direkten Auswirkungen. Die Neuerungen betreffen vor allem interne Strukturen.

„Wir haben bisher geändert, was nicht viel kostet: Wir haben uns neue Stempelköpfe machen lassen und die Briefköpfe umgestaltet. Bis Ende März bleiben aber die alten Schilder mit der Bezeichnung Arge noch an unseren Geschäftsstellen hängen. Auszuschließen ist es nicht, dass es danach erneut eine Namensänderung gibt“, sagt Thomas Lenz, Geschäftsführer des Jobcenters Wuppertal.

Stadt will Langzeitarbeitslose in Eigenregie betreuen

Die Stadt Wuppertal ist eine von fünf Städten in NRW, die sich als Optionskommune beworben haben. Vier von fünf kreisfreien Städten werden den Zuschlag erhalten. Ende März wird die Entscheidung fallen, ob Wuppertal als Optionskommune anerkannt wird, und die Stadt dann die Betreuung von Langzeitarbeitslosen sowie die Versorgung der Bedürftigen in Wuppertal in Eigenregie übernimmt.

Die Stadt Wuppertal und die Bundesagentur für Arbeit sind seit 2005 und der Gründung der Arge gemeinsam für die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger in Wuppertal verantwortlich. Eine Zusammenarbeit, in der aber die Vorstellungen über die Zielsetzung zuletzt immer weiter auseinander gegangen sein sollen.

Während die Bundesagentur ihr Augenmerk auf die Integration der Menschen in den ersten Arbeitsmarkt legt, lautet für Thomas Lenz die darüber hinausgehende zweite Frage: „Was tue ich mit Leuten, die ich nicht im ersten Arbeitsmarkt positionieren kann? Gebe ich denen jeden Monat einen Scheck, oder leiste ich etwas mehr?“ Ein Beispiel dafür, was dieses „mehr“ für die Langzeitarbeitslosen und die Stadt bedeuten kann, war im vergangenen Jahr der Einsatz von etwa 150 Ein-Euro-Jobbern beim Bau der Nordbahntrasse.

Bei den Ein-Euro Jobbern auf der Nordbahntrasse wird nicht gespart

Der Etat des Jobcenters sieht für 2011 vor: 34 Mio. Euro Integrationsbudget, bei zurzeit 19382 Maßnahmeplätzen; ca. 250 Mio. Euro Leistungen zum Lebensunterhalt; ca. 30 Mio. Personal- und Sachkosten.

470 Mitarbeiter in sieben Geschäftsstellen betreuen 25.000 Bedarfsgemeinschaften, das sind etwa 48.000 Menschen.

Langzeitarbeitslose „dauerhafter und schneller als bisher in Arbeit zu integrieren.“

„Obwohl dem Jobcenter 2011 im Vergleich als Integrationsbudget 34 Millionen Euro statt wie im Vorjahr 44 Millionen Euro zur Verfügung stehen, und wir eine Reihe von Arbeitsgelegenheiten nicht mehr finanzieren können, soll es im Fall der Nordbahntrasse keine Einschnitte geben“, kündigt Thomas Lenz an. Arbeiten auf der Nordbahntrasse seien besonders „sinnvolle“ Beschäftigungen. „Nach der Qualifizierungsmaßnahme zum Baumaschinenführer lag die Chance des Ein-Euro-Jobbers, in ein reguläres Arbeitsverhältnis zu wechseln, zuletzt bei 90 Prozent“, freut sich Lenz. Fast sieben Millionen Euro weniger stehen in diesem Jahr allerdings wegen der Kürzung des Integrationsbudgets bei den Arbeitsgelegenheiten   zur Verfügung. Für 2012 kündige sich mit der Kürzung des Integrationsbudgets auf 24 Millionen Euro gerade im Bereich der Arbeitsgelegenheiten  ein weiterer tiefer Einschnitt an.

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