Auswirkungen auf das Kulturleben im Städtedreieck waren Thema in Wuppertals Kulturausschuss.

analyse
Toshiyuki Kamioka dirigiert die Wuppertaler Sinfoniker. Deren Zukunft ist ungewiss.

Toshiyuki Kamioka dirigiert die Wuppertaler Sinfoniker. Deren Zukunft ist ungewiss.

Andreas Fischer

Toshiyuki Kamioka dirigiert die Wuppertaler Sinfoniker. Deren Zukunft ist ungewiss.

Wuppertal. „Der Austausch des Publikums ist bisher nur in kleinem Rahmen initiiert.“ Ein Satz, in dem Sprengstoff steckt, auch wenn er diplomatisch formuliert ist. Denn was Martin Dehli am Mittwochabend im Kulturausschuss ausführte, heißt nichts anderes als: Das bergische Städtedreieck ist weit davon entfernt, ein Drehkreuz der Kultur zu sein, das von drei Seiten intensiv genutzt wird.

Mit anderen Worten: Wuppertaler, Remscheider und Solinger könnten die Kulturangebote der jeweiligen Nachbarstädte weitaus stärker annehmen, als es derzeit Praxis ist. Dem Sprengstoff-Satz war die Frage vorausgegangen, welche Auswirkungen eine mögliche Orchester-Fusion nicht zuletzt für die Besucher der Sinfoniekonzerte hätte, wenn die Programme dort statt wie bisher zwei Mal künftig nur noch ein Mal präsentiert würden – dann könnten 1000 Zuhörer weniger eine Karte kaufen.

Skepsis im Ausschuss: Werden Informationen vorenthalten?

Dehli, dem im Ratssaal viele Detailfragen gestellt wurden, nachdem er sein Gutachten vorgestellt hatte, rechnete vor, dass es unter dem Strich statt zwei künftig drei Sinfoniekonzerte gäbe, falls das Wuppertaler Sinfonieorchester tatsächlich mit den Bergischen Symphonikern zusammengelegt werden sollte: ein Konzert in Wuppertal, eines in Remscheid und eines in Solingen. Das freilich birgt durchaus Sprengstoff, weil es die Bereitschaft der bergischen Musikliebhaber voraussetzt, sich gegenseitig stärker zu besuchen. Und führe – aus Wuppertaler Sicht – zu einem Einnahme- und Prestigeverlust, wie Politiker verschiedener Lager in ungewohnter Harmonie anklingen ließen.

Dehli indes stellte noch einmal klar, dass eine Fusion sowohl Vor- als auch Nachteile hätte. Einerseits sei ein künstlerischer Qualitätsverlust zu erwarten und drohe deshalb auch die Abwanderung von Leistungsträgern. Andererseits könne allein bei einer Fusion – allerdings erst nach 25 Jahren – nennenswert gespart werden und biete ein zusammengelegtes, großes Orchester – ebenfalls erst langfristig – neue klangliche Möglichkeiten.

Misstöne gab es hingegen von Grünen-Fraktionssprecher Peter Vorsteher, der monierte, dass die Wuppertaler Kulturpolitiker lediglich ein Extrakt des Actori-Gutachtens erhalten hätten, während die Kollegen in Remscheid und Solingen 100 Seiten mehr zu lesen gehabt hätten. Kulturdezernent Matthias Nocke wies Vorstehers Vorwurf von sich: „Es wird Ihnen nichts vorenthalten.“

Die Politiker hatten viele Fragen an Projektleiter Martin Dehli – auch die, ob das Gutachten vom bergischen Lenkungsausschuss, der den Prozess begleitete, buchstäblich gelenkt worden sei. Dies jedoch, so versicherte Dehli, sei zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen: „Wir waren frei in allen Schritten.“ Das Gutachten wird nun in den politischen Gremien diskutiert. Spätestens im Sommer wollen die drei Stadtspitzen eine gemeinsame Entscheidung verkünden.

Die Remscheider und Solinger Version sei opulenter, weil dort auch „Rohmaterial“ und „personenbezogene Musiker-Daten“ eingeflossen seien. Die umfangreichere Variante soll den Wuppertaler Politiker nun nachgeliefert werden – „mit entsprechenden Schwärzungen, um den Datenschutz zu berücksichtigen“.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer