An der Briller Straße steht eine der Amazon-Paket-Stationen.
An der Briller Straße steht eine der Amazon-Paket-Stationen.

An der Briller Straße steht eine der Amazon-Paket-Stationen.

Andreas Fischer

An der Briller Straße steht eine der Amazon-Paket-Stationen.

Wuppertal. Sie heißen Soren, Urs, Pamela und Ivo – und sie bewahren Pakete auf, wenn zum geplanten Lieferzeitpunkt keiner zu Hause sein sollte. Sie sind keine Besitzer von Post-Shops, keine freundlichen Nachbarn. Es sind graue Boxen, ähnlich den Stationen der Post, in denen Lieferanten Pakete postieren können. Und sie gehören Amazon. Denn der Versandriese aus den USA verändert gerade zusehends sein Geschäftsmodell in Deutschland und wird mehr und mehr zum Logistiker. Das ist jedenfalls so in ausgewählten Regionen – Berlin, Hamburg und dem erweiterten Ruhrgebiet – wozu dann auch Wuppertal gezählt wird.

Denn Wuppertal ist, wie die WZ bereits berichtete, Deutschlands Pakethauptstadt. Laut einer Studie der Bundesnetzagentur werden nirgendwo sonst so viele Pakete bestellt wie in der bergischen Metropole. 2015 wurden demnach „in Wuppertal knapp 19 Sendungen pro Kopf und Jahr an Privatempfänger ausgeliefert, während Städte mit über einer Million Einwohnern mit lediglich rund 13 Sendungen pro Kopf und Jahr einen der niedrigsten Werte aufweisen. Der bundesweite Durchschnitt lag 2015 bei 16 Sendungen pro Kopf.“

Wie viele Pakete von Amazon kommen, will der Händler nicht sagen. Aber anscheinend sind es genug, um das Liefergebiet auf Wuppertal auszuweiten. „Eigentlich ist Wuppertal nicht mehr das Ruhrgebiet“, bestätigt eine Sprecherin des Unternehmens, aber wegen der guten Umsätze sei Wuppertal integriert worden.

Damit ist Wuppertal eine von 13 Städten, die täglich vom Amazon Verteilzentrum in Bochum aus beliefert werden. Seit Anfang des Jahres kommen von dort aus täglich knapp 250 Wagen zum Einsatz, die die Städte beliefern. Auf den Straßen Wuppertals kann man die Wagen von DRS Logistik, einem der Amazon-Partner, schon sichten. Sie beliefern die Haushalte, aber eben auch die „Locker“ genannten Abholstationen an der Briller Straße, der Uellendahler Straße, der Schützenstraße und der Dahler Straße.

Wie sind die Auswirkungen auf den Einzelhandel?

Dabei schafft Amazon es dadurch nicht, alle Bestellungen selbst zu liefern. Auch wenn Amazon gerade die eigene Logistiksparte ausbaut, seien die Kapazitäten zu groß, um sie alleine zu bewältigen, sagt die Sprecherin. „DHL ist einer unserer größten und wichtigsten Partner.“ Das dürfte auch noch für einige Zeit so bleiben

Online-Bestellungen sind ein wachsender Markt. Auch trotz der neuen Konkurrenz sieht die Post deswegen keine Gefahr für das Geschäft. Ein Sprecher bestätigt, dass die Post nach einem weiteren Standort für ein Paketzentrum in Wuppertal sucht, auch wenn erst 2015 das Paketzentrum in Ronsdorf in Betrieb gegangen ist. Das Zentrum allein ist schon für bis zu 30 000 Sendungen täglich ausgelegt.

Für den Einzelhandel ist das kein gutes Signal. Und der hat es gerade in Wuppertal ohnehin nicht leicht. Nach drei Jahren B7-Sperrung, die für Umsatzeinbußen gesorgt haben, gibt es jetzt auch noch die Bahnsperrung. Die Erreichbarkeit bleibt also weiter eingeschränkt. So wandern Kunden ab – ins Umland oder eben ins Netz. Genau kann man das nicht sagen.

Daria Stottrop, Geschäftsbereichsleiterin bei der IHK, sagt, dass die alten Zeiten für den Einzelhandel vorbei seien – auch nach der Öffnung der B7. „Nicht nur die Verschiebungen der Umsätze ins Internet sind nicht mehr umkehrbar“, sagt sie mit Blick auf neue Laufwege wegen der Umgestaltung der Innenstadt. Sie sieht aber Chancen darin: „Einzelhändler können heute vielfach nur noch über das Einkaufserlebnis im Sinne einer Freizeitgestaltung punkten.“ Der Weg wird über die Veränderung der City beschritten, über die zusätzliche Ansiedlung von Gastronomie.

"Manchmal gibt es hier Sachen einfach nicht"

Aber auch die Qualität des Einzelhandels muss stimmen. Und die sieht der Händler Thomas Pusinelli von der IG1 in Wuppertal als Knackpunkt. „Manchmal gibt es hier Sachen einfach nicht“, sagt er. Der Facheinzelhandel sei hier nicht gut aufgestellt.

Aber der Zug sei nicht abgefahren, sagt er – wenn die Stadt die Innenstadt aufwerte und die Hauseigentümer mehr auf Qualität bei den Mietern achten würden. Denn die hätten auch Verantwortung für die Innenstadt, sagt er.

Ob dadurch verlorene Kunden wiederkommen, bleibt Spekulation. Solange wächst die Zahl der Pakete, Lieferanten und Abholstationen.

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