Ein 19-jähriger Wuppertaler will einen Wagen der Baureihe 50 aus Solingen holen. Dort hat ihn Horst Sieg viele Jahre als Partyraum genutzt.

Seit 1974 gehört dem Solinger Horst Sieg ein ausgemusterter Wagen der Wuppertaler Schwebebahn.
Seit 1974 gehört dem Solinger Horst Sieg ein ausgemusterter Wagen der Wuppertaler Schwebebahn.

Seit 1974 gehört dem Solinger Horst Sieg ein ausgemusterter Wagen der Wuppertaler Schwebebahn.

Dominik Korthaus würde den Wagen wieder rot lackieren.

Uli Preuss, Bild 1 von 2

Seit 1974 gehört dem Solinger Horst Sieg ein ausgemusterter Wagen der Wuppertaler Schwebebahn.

Wuppertal. Der 19 Jahre alte Dominik Korthaus hat ein ehrgeiziges Ziel: „Diese Schwebebahn gehört nach Wuppertal.“ Er spricht vom Wagen 75 der Baureihe 50 (siehe Kasten), der 1972 vom Fahrgerüst genommen wurde und in Solingen eine neue Heimat gefunden hat. Er gehört Horst Sieg (82), der ihn lange Jahre als Veranstaltungsraum für Gesellschaften jeglicher Art genutzt hat.

Mittlerweile sieht der Wagen arg mitgenommen aus und kann nicht mehr bei „Christel von der Post“ gebucht werden. Unter diesem Namen, benannt nach seiner verstorbenen Ehefrau, vermietet Sieg die Räume in der alten Widderter Poststation für Hochzeits- und andere Feiern. Grundsätzlich wäre der gebürtige Solinger bereit, den Wagen zu verkaufen – sofern er sich mit dem 19-Jährigen aus Wuppertal über den Preis einig wird.

Das dürfte aus Sicht des Solingers noch das geringste Problem sein. Denn seit der Wagen vor 43 Jahren in seinem Garten, Sieg nennt ihn „das letzte Kleinod vor der Autobahn“, aufgestellt wurde, sind die rundherum gepflanzten Bäume kräftig gewachsen. Selbst mit einem großen Lastkran dürfte es schwer werden, den Schwebebahn-Wagen von seinem Sockel zu heben.

„Ich möchte den Bürgern meiner Geburtsstadt helfen, ein Stück ihrer Geschichte zu bewahren.“

Dominik Korthaus

Fraglich sei zudem, ob der Wagen in seinem derzeitigen Zustand den Abtransport überstehen würde. Darüber ist sich Korthaus im Klaren. Er weiß auch, dass die Transportkosten den Kaufpreis deutlich übersteigen werden. Zudem müsste er noch einen Stellplatz finden, an dem der Wagen restauriert werden kann. Auch dafür bräuchte er noch sachkundige Helfer.

Bekannteste Vertreter der Baureihe 50 sind die Wagen 65 und 66. Sie wurden 1962 als Versuchszug zum Wagen 101 verbunden und waren damit der Prototyp der Gelenkwagen, die derzeit ausgetauscht werden. Der Wagen 101 erhielt seinerzeit eine neue Lackierung in Blau und wurde seither im Volksmund „Blauer Enzian“ genannt. Er wurde 1974 an das Technikmuseum Bad Oeynhausen verkauft. Dort verliert sich seine Spur.

Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke hat Korthaus bereits seine Unterstützung zugesagt. Um weitere Mitstreiter zu finden hat der Auszubildende zum Bäckereifachverkäufer zudem die Interessengemeinschaft BR 50 gegründet, wobei BR für Baureihe steht.

20 Wagen dieser Baureihe schwebten bis Mitte der 1970er Jahre durch das Tal der Wupper. Nur von drei Wagen ist der derzeitige Standort bekannt. Die meisten wurden verschrottet, von einigen fehlt jede Spur. „So weit ich weiß, steht keiner mehr in Wuppertal“, sagt Korthaus. Gerade deshalb möchte er den Bürgern seiner Geburtsstadt helfen, „ein Stück ihrer Geschichte zu bewahren“.

Auch für Horst Sieg ist der Wagen nach so langer Zeit zu einem Teil seiner Lebensgeschichte geworden. „Meine Frau und ich haben mit ihm viel erlebt“, erinnert er sich. Prägend war dabei vor allem der erste große Einsatz als Partyraum: Dank Wasser- und Stromanschluss konnte das Ehepaar Sieg mit Freunden im Wagen die Erfolge der deutschen Fußballer bei der Heim-Weltmeisterschaft 1974 feiern.

„Wir haben den Wagen damals umlackiert, damit er sich besser in die idyllische Umgebung einpasst.

Horst Sieg

Insofern kann sich der Solinger durchaus mit dem Gedanken anfreunden, dass Korthaus mit dem guten Stück aus Wuppertal auch ein Stück seiner Geschichte bewahren würde. Dafür würde er auch in Kauf nehmen, dass der von ihm grün lackierte Wagen wieder seine ursprünglich rote Farbe bekommen würde.

„Wir haben den Wagen damals umlackiert, damit er sich besser in die idyllische Umgebung einpasst“, erinnert sich Sieg. Weil das rückgängig gemacht werden kann, stört sich Korthaus nicht an der farblichen Umgestaltung. Für ihn ist ein anderer Aspekt des ausgemusterten Schwebebahn-Wagens wichtiger: „Er hat noch sämtliche Bedienelemente im Fahrerstand.“

Wer die Interessengemeinschaft BR 50 unterstützen möchte, kann sich unter 69 89 93 74 bei Dominik Korthaus melden.

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