In den 60er Jahren wurden bei Bauarbeiten im Bereich Nathrath Gebeine gefunden. Für viele Jahre gerieten sie in Vergessenheit – bis jetzt.

In den 60er Jahren wurden bei Bauarbeiten im Bereich Nathrath Gebeine gefunden. Für viele Jahre gerieten sie in Vergessenheit – bis jetzt.
Jörg Scheidt will die Knochen neu untersuchen, dafür benötigen er und der Bergische Geschichtsverein aber noch Sponsoren.

Jörg Scheidt will die Knochen neu untersuchen, dafür benötigen er und der Bergische Geschichtsverein aber noch Sponsoren.

Stefan Fries

Jörg Scheidt will die Knochen neu untersuchen, dafür benötigen er und der Bergische Geschichtsverein aber noch Sponsoren.

Vohwinkel. Es war ein spektakulärer Fund. Als Arbeiter in den späten 60er Jahren im Bereich Nathrath Sprengarbeiten für Fundamente durchführten, flogen Knochenteile durch die Luft. Am Rande der Baustelle entdeckten sie schließlich weitere Gebeine und ein Gerippe. Nachdem Experten hinzugezogen wurden, stellte sich heraus, dass sich auf dem Gelände eine über 1000-jährige Grabstelle befand. Leider wurden die Fundstücke wenig später stark beschädigt. Jugendliche schlichen damals nachts auf die Baustelle und zertraten einen Schädel. Auch der Bauunternehmer hatte wenig Respekt vor der Ausgrabung und ließ eine Raupe darüberfahren. Die restlichen Knochenteile wurden eingelagert und gerieten in Vergessenheit. Vor kurzer Zeit hat der Bergische Geschichtsverein sie wiederentdeckt. Archäologe Jörg Scheidt führt seitdem erste Untersuchungen durch.

„Das war ein Zufallsfund, den wir in einem unserer Lager gemacht haben“, sagt der Experte. Er bedauert den schlechten Zustand der Knochen. „Durch die Zerstörung sind sie natürlich sehr kleinteilig“, erläutert Scheidt. Es handele sich unter anderem um Fragmente von Oberarmen und Oberschenkeln. Trotzdem konnte der Archäologe bereits einige Erkenntnisse gewinnen. „Es dürften sich um rund zehn Personen handeln“, sagt Jörg Scheidt. Darunter befänden sich Knochen von einem Kleinkind im Alter von ein bis zwei Jahren. Die anderen Überreste gehören laut seiner Einschätzung zu Erwachsenen. „Sie geben bislang keinen Hinweis auf Arthrose oder andere Verletzungen“, erklärt Scheidt. Durch die damaligen Aufzeichnungen lasse sich eine christliche Bestattungstechnik nachweisen. „Die Personen wurden in gestreckter Rückenlage in Richtung Osten begraben“, sagt der Archäologe. Er schätzt den Zeitraum auf das neunte Jahrhundert. „Der Fund deutet auf das Frühmittelalter hin, da auf dem vorliegenden Kartenmaterial keine Grabstelle im Bereich Nathrath verzeichnet ist“, sagt Scheidt. In den 60er Jahren wurden insgesamt sogar 15 Gräber entdeckt.

Die Knochen von fünf Personen sind nicht vorhanden

Die Knochen von fünf Personen fehlen also. Da das Gelände heute bebaut ist, sind weitere Ausgrabungen allerdings schwierig. Doch auch so gibt es spannende Rückschlüsse auf eine frühmittelalterliche Siedlung in Vohwinkel. Darauf deutet auch die Bezeichnung „Nathrath“ hin. Der Begriff „Rath“ hieß früher soviel wie Rodung, was die Voraussetzung für eine Besiedlung schuf. Auch vor dem Fund in den 60er Jahren wurden im Vohwinkeler Norden bereits einzelne Gräber aus alten Zeiten gefunden. Einige Erzählung berichten von Beigaben wie Schmuck und Schalen. Sogar von einer Kapelle auf dem Nathrather Feld ist die Rede. Bestätigen lässt sich das heute nicht mehr. Daher kommt der wissenschaftlich fundierten Untersuchung der Knochenteile eine besondere Bedeutung zu. „Das ist hochspannend und kann entscheidende Hinweise auf die Entwicklung Vohwinkels geben“, sagt Bürgervereinsvorsitzender Udo Johenneken. Er ist selbst Mitglied des Bergischen Geschichtsvereins und begrüßt die jüngsten Bemühungen um weitere Erkenntnisse. Damit die Untersuchungen fortgesetzt werden können, benötigt Jörg Scheidt allerdings finanzielle Unterstützung. „Es wäre schön, wenn wir Sponsoren finden würden“, sagt er.

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