Im Dezember 1958 war die letzte Postkutsche unterwegs. Günter Dorn erinnert sich. Er fuhr damals als Postjungbote mit.

1957: Pferd, Straßenbahn und Schwebebahn an der Höhne.
1957: Pferd, Straßenbahn und Schwebebahn an der Höhne.

1957: Pferd, Straßenbahn und Schwebebahn an der Höhne.

Paketzustellung in Barmen, Friedrich-Engels-Allee/Ecke Völklinger Straße.

Ausfahrt aus dem Posthof an der Winklerstraße. Fotos (3): Gerd Wolff

1956: Am Rathausvorplatz in Barmen.

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1957: Pferd, Straßenbahn und Schwebebahn an der Höhne.

Wuppertal. Selten haben die Wuppertaler Postpferde so viele Zuckerstückchen bekommen wie im Dezember 1958. Da nahm die Bevölkerung Abschied von der Paketzustellung per Pferdekutsche, die Postbeamten hatten eigens ihre alten Uniformen angezogen. Ein Stück Wuppertaler Geschichte ging zu Ende.

Günter Dorn (73) kann sich noch gut an die Zeit erinnern, er fing 1953 als Postjungbote im Postamt Barmen an. Einen Teil seiner Ausbildung verbrachte er auch bei der Paketzustellung. Hinter dem Engelshaus war ein Pferd bei einer Spedition untergestellt, die anderen waren in Elberfeld untergebracht. „Es hieß Felix und humpelte“, erzählt der Wuppertaler schmunzelnd. „Der Kutscher kam von der Spedition und hatte eine Postmütze auf. Ein Postbeamter fuhr mit, und wenn der Wagen bis oben beladen war, gab’s einen weiteren Zusteller.“

Die Wagen wurden frühmorgens beim Postamt beladen und dann wurde angespannt. Bei Regen wurde eine Plane über die Pakete gezogen, abends leuchtete eine Lampe den Weg. An der Kutsche war ein kleines Schild angebracht, da konnten die Pakete wieder abgegeben werden. „Wir sind zwei Mal am Tag rausgefahren. Jeden Mittag musste das Pferd eine Stunde Pause machen“, erinnert sich der Wuppertaler, der bis 1994 im Postdienst tätig war. „Bei Regen und Schnee war das echte Knochenarbeit.“

Übrigens: Auch die Wicküler Brauerei wurde beliefert, da gab’s dann nicht nur für den Kutscher, sondern auch für das Pferd, ein Schlückchen.

Mitte des 17. Jahrhunderts begann der Aufbau eines flächendeckenden Netzes zur Beförderung von Briefen, Paketen und Reisenden per Pferdekutsche. Mit der Eisenbahn und dem Automobil ab 1900 begann der Niedergang. In den 1920er Jahren wurden fast alle Pfederpostleistungen „verkraftet“, wie es damals hieß. Im Zweiten Weltkrieg mit allen Einschränkungen konnte die Paketzustellung nur mit Pferdekraft zugestellt werden. 1952 gab es im Bundesgebiet noch 70 Postfuhrhaltereien, eine der größten Städte davon war Kiel. Dort gab es bis zum März 1957 Zustellwagen, die mit Pferdkraft betrieben wurden. Kiel war die vorletzte westdeutsche Stadt: In Wuppertal gab es noch bis zum 31. Dezember 1958 Pferdekutschen mit werktags zwei Zustelltouren vor- und nachmittags.
 

Infos und Bilder stammen aus: Volkhard Stern: Der letzte Pferdeeinsatz bei der deutschen Bundespost, Das Archiv 4/2008.
 

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