Fans des Wuppertaler SV haben schon einiges mitgemacht - das Spiel gegen die Bayern im Jahr 1974 bleibt ein Highlight.

Günter Pröpper und Franz Gerber sorgten 1974 mit ihren Toren für die Sensation gegen den Meister.
Günter Pröpper (l.) und Franz Beckenbauer bei der Seitenwahl.

Günter Pröpper (l.) und Franz Beckenbauer bei der Seitenwahl.

Kurt Keil

Günter Pröpper (l.) und Franz Beckenbauer bei der Seitenwahl.

Wuppertal. Der Wuppertaler SV hat in seiner langjährigen und ereignisreichen Vereinshistorie schon einiges mitmachen müssen – positives wie negatives. Zweifellos gehören die 70er zu den goldenen Zeiten des WSV. Angefangen bei der ersten Bundesligasaison 1972/73, die sensationell auf Platz vier endete und zugleich die Qualifikation für den Uefa-Cup bedeutete.

In bester Erinnerung blieb vielen Fans allerdings auch der 21. September 1974. Wenige Monate nach dem Gewinn des WM-Pokals im eigenen Land war nämlich der Vorjahresmeister Bayern München mit fünf Weltmeistern zu Gast im Stadion am Zoo – und erlebte eine böse Überraschung.Günter Pröpper und Franz Gerber sorgten 1974 mit ihren Toren für die Sensation gegen den Meister.

Günter Pröpper und Franz Gerber sorgten 1974 mit ihren Toren für die Sensation gegen den Meister.

WSV-Trainer Horst Buhtz sowie der erste Vorsitzende Günter Fölsch und sein Stellvertreter Dr. Peter Wülfing (v.l.) jubeln nach dem Abpfiff. Foto: Kurt Keil

Denn der WSV schlug den haushohen Favoriten mit Stars wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier oder Gerd Müller völlig überraschend mit 3:1. Dabei hatte die dritte Bundesligaspielzeit gar nicht gut begonnen für die Mannschaft von Trainer Horst Buhtz. Der Auftakt wurde mit drei Niederlagen sowie einem Unentschieden in den Sand gesetzt.

Der Euphorie rund um das Spiel tat das jedoch keinen Abbruch. Der langjährige WZ-Fotograf und Augenzeuge dieser besonderen Partie, Kurt Keil, blickt zurück: „Ich kann mich erinnern, dass ich mittags im alten Redaktionsgebäude am Otto-Hausmann-Ring aus dem Fenster schaute und nur noch Stau und Autos in Richtung Stadion sah. Rund ums Stadion und bis rein zum Robert-Daum-Platz standen die Autoschlangen.“

Rund 22 000 Zuschauer strömten damals ins Stadion. Beeindruckt von den Automassen entschied sich Keil dazu, zu Fuß samt kompletter Fotoausrüstung in Richtung Hubertusallee aufzubrechen. „Ich war knapp 20 Minuten unterwegs – schneller als jedes Auto“, erzählt Keil schmunzelnd.

Ebenso ungewöhnlich wie der Anreiseweg waren auch die Arbeitsbedingungen für die Fotografen im Stadion. „Zur damaligen Zeiten hatten wir Pressefotografen noch große Narrenfreiheiten auf dem Platz“, sagt Keil. „So konnten wir noch mit den Mannschaften bis zur Spielfeldmitte mitgehen und den Wimpeltausch fotografieren.“ Dabei ist auch das Bild entstanden, auf dem sich WSV-Kapitän Günter Pröpper und Franz Beckenbauer vor dem Spiel die Hand geben. Heutzutage sei das undenkbar, betont Fotograf Kurt Keil.

Am Spielfeldrand erlebte er hautnah mit, wie der offensiv ausgerichtete WSV nach einer Stunde dank der Tore von Pröpper (2) sowie Franz Gerber klar mit 3:0 in Führung lag. Den Bayern fiel bis auf das 1:3 durch Uli Hoeneß herzlich wenig ein. Die Sensation war perfekt.

Allein: Der Coup brachte der Buhtz-Elf nicht den erhofften Rückendwind. Mit lediglich zwölf Punkten stieg man am Saisonende als Tabellenletzter ab – und kehrte bis heute nicht mehr in die 1. Liga zurück.

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