In Baden-Württemberg hat die Razzia am Sonntag zur Schließung zweier Bordelle geführt. In Vohwinkel gab es bislang keine Beanstandungen.

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Vernehmung mitten auf der Spitzwegstraße: In diesen Bussen wurden die Frauen des Vohwinkeler Pussy Clubs am Sonntagnachmittag vernommen. Einen Grund das umstrittene Etablissement zu schließen, gibt es bislang nicht.

Vernehmung mitten auf der Spitzwegstraße: In diesen Bussen wurden die Frauen des Vohwinkeler Pussy Clubs am Sonntagnachmittag vernommen. Einen Grund das umstrittene Etablissement zu schließen, gibt es bislang nicht.

Mathias Kehren

Vernehmung mitten auf der Spitzwegstraße: In diesen Bussen wurden die Frauen des Vohwinkeler Pussy Clubs am Sonntagnachmittag vernommen. Einen Grund das umstrittene Etablissement zu schließen, gibt es bislang nicht.

Vohwinkel. Seit Februar dieses Jahres ist der Pussy-Club an der Spitzwegstraße allein vier Mal von der Polizei kontrolliert worden. Nach Auskunft des Presseamtes war das Ordnungsamt noch häufiger vor Ort. Ergebnis: keine Beanstandungen. Am Sonntag war die Polizei wieder da.

Diesmal aber im Auftrag der Ermittlungsbehörden in Baden-Württemberg. Und wieder lautet das Ergebnis: keine Beanstandungen, keine Festnahmen, keine Schließung. In Wuppertal waren Ordnungs- und Gesundheitsamt bei der Sonntagsrazzia gar nicht mit an Bord. In Fellbach (Baden-Württemberg) sieht das ganz anders aus.

Dort (und in Heidelberg) wurde der örtliche Pussy Club geschlossen. Begründung: Nicht etwa das von Parteien als unmoralisch gegeißelte Flatrate-Angebot, sondern schmuddelige Massagebänke und verunreinigte Whirlpools. In Fellbach waren auch gleich der Oberbürgermeister und der örtliche Polizei-Chef mit vor Ort und lobten das Miteinander der Einsatzkräfte. Und sie "begrüßten auch die Schließung des Fellbacher Bordells, das bis auf weiteres seine Pforten dicht machen" müsse, wie es salopp in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaften Stuttgart und Mannheim heißt.

An der Spitzwegstraße blieben die Anwohner am Sonntag unter sich. Ein Vertreter der Stadtspitze war vor Ort nicht zu sehen. Warum auch? Den ganz großen politischen Druck in Sachen Flatrate-Bordell und Pussy-Club gibt es bislang eben nur in Baden-Württemberg. Wie berichtet, haben sich dort die Parteien auf das Flatrate-Angebot eingeschossen. Die Schließung der Clubs in Fellbach und Heidelberg wurde allerdings mit "hygienischen Mängeln" begründet. Die gab es an der Spitzwegstraße offenbar nicht. Auch am Tag nach der Razzia hat die Polizei keine entsprechenden Hinweise ans Wuppertaler Ordnungsamt weitergegeben.

"Ich bedauere sehr, dass die Razzia in Vohwinkel nicht zum selben Ergebnis wie in Fellbach geführt hat."

Heiner Fragemann, Bezirksbürgermeister (SPD)

Und so geht der Betrieb an der Spitzwegstraße weiter - sehr zum Ärger der Vohwinkeler Bürgerinitiative. Bezirksbürgermeister Heiner Fragemann (SPD): "Ich bedauere sehr, dass die Razzia in Vohwinkel nicht zum selben Ergebnis wie in Fellbach geführt hat."

Angeblich gibt es für das Bordell in der Spitzwegstraße nur eine fehlerhafte Baugenehmigung. Das zumindest behauptet Marcel Hafke, Vorsitzender der Wuppertaler FDP. Laut Hafke habe das Rechnungsprüfungsamt bereits 2005 die Baugenehmigung des Bordells als rechtswidrig beurteilt. "Hier muss eigentlich nur der Oberbürgermeister handeln und diese rechtswidrige Baugenehmigung aufheben. Ein Sperrbezirk, wie ihn die SPD fordert, ist daher nicht notwendig", behauptet der FDP-Vorsitzende.

Nach Auskunft der Stadt ist dies jedoch nicht richtig. Zwar habe es 2005 eine Beanstandung des Rechnungsprüfungsamtes gegeben, diese habe jedoch bei einer Ortsbesichtigung ausgeräumt werden können. Damals sei es um ausreichend Fluchtwege gegangen. Fazit der Stadt: Die Baugenehmigung ist korrekt.

Von Lärm und nächtlicher Ruhestörung fühlen sich die Nachbarn belästigt, seit das Haus Nr. 23a vor fast sieben Jahren in ein Bordell umgewandelt wurde. Nach der Einrichtung des Flatrate-Freudenhauses sei es jedoch "unerträglich" geworden. Es habe Beschwerden gegeben, so die Stadtverwaltung, doch der Bordellbetrieb halte sich an sämtliche Vorgaben. Es gebe nichts zu beanstanden.

Der Pussy Club im baden-württembergischen Fellbach ist deutlich größer als der an der Spitzwegstraße in Vohwinkel: Bei der Razzia am Sonntag wurden in Fellbach 176 männliche Gäste und 89 weibliche Beschäftige angetroffen. Zum Vergleich: An der Spitzwegstraße kontrollierte die Polizei am Sonntag "nur" 22 Frauen und 30 Männer.

Wie berichtet, durften in Vohwinkel alle Befragten anschließend nach Hause gehen. In Fellbach wurden gegen zwei Mitglieder der Pussy-Club-Geschäftsführung Haftbefehle vollstreckt. In Wuppertal gab es keine Festnahmen.

Immerhin freut die Anwohner, dass ihr Anliegen jetzt so viel Aufmerksamkeit erhält - auch wenn es in Vohwinkel nach wie vor zwei Debatten sind, die zum Thema Bordell Spitzwegstraße geführt werden: Da ist zum einen das "Flatrate"-Konzept, das im SPD-Antrag an die Bezirksvertretung Vohwinkel als "ein unerträgliches Maß an Frauenverachtung" kritisiert wird.

Und da ist zum anderen der Betrieb eines Bordells zwischen Schule und Kindergarten. "Für uns ist es unerheblich, was für eine Art von Etablissement hier betrieben wird", sagt ein Anwohner. Entscheidend sei vielmehr die Resonanz: "Sobald so ein Laden gut läuft, haben wir ein Problem."

Fakt ist: Die "Bürgerinitiative Spitzwegstraße" hat mittlerweile mehr als 350 Unterschriften gesammelt. "Wir wollen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen einen Sperrbezirk", sagt Andreas Schäfer (SPD). Es sei grundsätzlich nichts gegen ein Bordell einzuwenden: "Aber nicht an diesem Ort und nicht in dieser Form."

In Vohwinkel schaut man neidisch in Richtung Baden-Württemberg. Schäfer: "Wenn, wie in Fellbach, auch in Vohwinkel Gründe für eine Schließung gefunden werden, kann uns das nur recht sein."

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