Jürgen Scheugenpflug ist Wuppertaler Kabarettist und Leiter der Kabarett-Academy. In seinem satirischen Wochen-Rückblick kommentiert er Ereignisse aus dem Stadtleben.

Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter weist in ihrer dreieinhalb-jährigen Amtszeit eine leidliche Anzahl an Pleiten, Pech und Pannen vor. Wo immer in ihrem Fachbereich ein Fettnäpfchen in der Gegend stand, wurde selbiges von der Politikerin frequentiert. Weit mehr Zeit als für ihre Tätigkeit bringt die Juristin damit zu, Zuständigkeiten von sich zu weisen. Mal ist es unprofessionelles Verhalten, wie im Fall des Mordes an einem Häftling im Siegburger Jugendgefängnis, ein anderes Mal bezeichnet sie den "verschlafenen" Verjährungstermin im Falle Zumwinkel als einen "ganz normalen Vorgang".

Mit der Ahnung, bei der nächsten Besetzung des Justizministeriums nicht mehr berücksichtigt zu werden, sucht sie als Landtagsabgeordnete in spe ihre neue politische Heimat in Wuppertal. Doch da stehen wir schon an der Stadtgrenze, wir Wuppertaler Bürger, mit Kruzifix, Knoblauch und Holzpflöcken bewaffnet, um das zu verhindern. Wenn sich Frau R. M.-P. nicht in den östlichen Stadtteilen, sondern in Ronsdorf bewerben würde, könnten wir sie einfach den Gegnern der dort entstehenden Jugend-JVA überlassen. Das wäre dann Strafe genug. Für wen auch immer.

Tatsächlich sucht Frau Müller-Piepenkötter keine neuerliche politische Herausforderung, sondern schlicht eine solide Einnahmequelle, da sie seit dem vergangenen Jahr Alleinversorgerin und Haushaltsvorstand ist. Ihr Gatte, der ehemalige Stadtkämmerer von Remscheid, Jürgen Müller, eignet sich nicht für diese Position, da er mehr als nur ein Finanzloch im Bergischen gegraben hat. So verzockte sich der Remscheider "Schatzmeister" um 12,7 Millionen Euro, die nun von den Bürgern bezahlt werden müssen.

Er dagegen musste seinen Hut nehmen und sich ohne Piepenkötter der Pflege seines Vorgartens widmen. Wir wünschen ihm einen grünen Daumen für die Blüten, den er offensichtlich im Umgang mit den Finanzen vermissen ließ. "Aktives Zinsmanagement" bedeutet beim Pokern so viel wie: all in. Nur mit dem Unterschied, dass Pokerspieler mit ihrem eigenen Geld zocken.
Eine richtige Wuppertalerin machte in den letzten Wochen ebenfalls von sich reden.

Für die arg zerstrittene Wuppertaler FDP geht ein kommunalpolitisches Urgestein, die 61-jährige Ingrid Pfeiffer, ins Rennen um den Posten des Oberbürgermeisters. ie gehörte immerhin bis in die Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts dem Rat der Stadt Wuppertal an und vertrat die damals noch ernst zu nehmenden Liberalen im Kultur-, Planungs- und Bauausschuss sowie in der Zookommission. Ob diese Kenntnisse allerdings genügen, die schwere Halskette des OB zu tragen, bezweifeln nicht wenige. Doch das ist wieder mal typisch für Wuppertal. Immer Gemeckere. Ich fände es repräsentativ, wenn auch mal eine Frau den Alten im Heim zum 100. Geburtstag gratuliert. Oder mit einem rot-blauen Schal neben dem WSV-Präsidenten Friedhelm Runge im Zoostadion sitzt und schunkelt.

Es ist doch wesentlich sympathischer, wenn Frau Pfeiffer die GWG, AWG und die WSW-Energiesparte sanft lächelnd verhökert, als wenn irgendein Mann das verkniffen tun würde. Und weil die FDP in ihrem Kommunalwahlprogramm mehr "Bello-Boxen" für Hundekotbeutel fordert, könnte Frau Pfeiffer doch im eleganten Kostüm medienwirksam Häufchen auf der Hardt einsammeln gehen. Denn Scheiße am Schuh bringt Pech und Unruh. Ein wahrer Schelm, wer jetzt an die Trude als letzte Bewerberin denkt.

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