Auf fast 9000 Mütter kommen rund 900 Väter, die alleine erziehen. Francis Amankwaah ist einer von ihnen.

Francis Amankwaah und seine beiden Töchter Samantha (9, links) und Alice (7).
Francis Amankwaah und seine beiden Töchter Samantha (9, links) und Alice (7).

Francis Amankwaah und seine beiden Töchter Samantha (9, links) und Alice (7).

Andreas Fischer

Francis Amankwaah und seine beiden Töchter Samantha (9, links) und Alice (7).

Barmen. "Für meine Kinder muss ich Vater und Mutter sein", sagt Francis Amankwaah über sich selbst. Der 35-Jährige aus Barmen zieht seine beiden Töchter Samantha (9) und Alice (7) alleine groß. Die Mutter wollte und konnte sich nicht um die Kinder kümmern.

Herr Amankwaah, was sind die größten Probleme, die man als alleinerziehender Vater hat?

Francis Amankwaah: Im Prinzip habe ich die gleichen Probleme wie eine alleinerziehende Frau. Dass man sich auf niemanden so richtig verlassen kann, dass man alles alleine machen muss. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Tag besteht nur aus Haushalt, Wäsche waschen, falten, bügeln und kochen. Allerdings wird man als alleinerziehender Vater doch öfter komisch angeschaut. Viele Menschen finden das sehr ungewöhnlich und kennen das sonst gar nicht.

Seine beiden Töchter stürmen herein, sie haben im Kinderzimmer gespielt. Ihr Vater sagt: "Ihr dürft Euch auch dazu setzen, wenn Ihr ganz ruhig seid."

War es für Sie selbstverständlich, dass Sie als Mann die Erzieherrolle übernehmen?

Amankwaah: Mein Vater hat immer zu mir gesagt: Wenn du etwas Gutes willst, musst es selbst in die Hand nehmen. Ich stehe zu meiner Verantwortung. Mich davor zu drücken, kam für mich nicht in Frage. Ich bin glücklich, wenn ich meine kleine Familie so anschaue, bin stolz auf meine Töchter. In der Schule läuft alles gut. Alice ist in der ersten Klasse und kann schon lesen, ihre große Schwester und ich haben es ihr gemeinsam beigebracht.

Alice liest zum Beweis aus ihrem Lieblingsbuch, "Die große Märchenschatztruhe" ein paar Sätze vor.

In Wuppertal lebten Ende 2009 laut Statistikstelle der Stadt etwa 860 alleinerziehende Väter. Zum gleichen Zeitpunkt waren es etwa 8960 alleinerziehende Mütter. Ende 2008 waren es rund 840 alleinerziehende Väter und 7990 Frauen.

Christel Sticht, pädagogische Mitarbeiterin im Treffpunkt für alleinerziehende Väter und Mütter, sagt: "In der Gesellschaft gibt es teilweise noch kein Bewusstsein dafür, dass Männer die Erzieherrolle übernehmen. Bei manchen fehlt das Verständnis dafür." Wenn Männer dann die Vaterrolle übernehmen, glaubt Sticht, dass sie sie bewusster und mit mehr Selbstverständnis als früher einnehmen.

Warum glauben Sie, dass es wenig alleinerziehende Väter gibt?

Amankwaah: Ich weiß nicht, vielleicht haben sie Angst davor. Es ist ja auch ein harter Job. Einen Feierabend gibt es nicht.

Apropos Feierabend - wie sieht es mit zwei Kindern beruflich bei Ihnen aus?

Amankwaah: Nachdem ich damals aus dem Erziehungsurlaub kam, wurde mir gekündigt. Ich bin gut ausgebildeter Industriemechaniker und als Kaltbolzenpresser weitergebildet, einen neuen Job habe ich trotzdem bisher nicht gefunden. Ich habe jahrelang gesucht. Wenn ich sage, dass ich auf Teilzeit-Basis arbeiten möchte, kann ich gleich wieder gehen.

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