Am Wochenende demontierten Dutzende von Arbeitern die historische Schwebebahn-Station Landgericht.

Wuppertal. Wer zu den letzten Fahrgästen gehörte, die an der Schwebebahnhaltestelle Landgericht ein- oder ausstiegen, fand am Freitag eine nackte Haltestelle vor. Die WSW hatten alles, was nicht niet- und nagelfest war, abmontiert. Der Startschuss für den Abriss der Haltestelle Landgericht, von der bis Montagmittag nichts mehr übrig sein wird, war damit gefallen. In zwei Schichten haben jeweils zehn Bauarbeiter, zwei Kranführer und ein Bauleiter dafür gesorgt, dass die historische Haltestelle Geschichte sein wird.

Die Stunde der Hobbyfotografen

Das ganze Wochenende vor Ort waren zwei junge Hobbyfotografen: Tim Oelbermann und Lukas Jakubus - 17 und 18 Jahre alt. Sie dokumentierten den Abriss minutiös, gingen nur zum Schlafen nach Hause. Beide sind große Fans der Schwebebahn. Lukas ist im ersten Lehrjahr bei den WSW. Berufswunsch: Busfahrer. Auch Tim möchte im nächsten Jahr diesen Beruf erlernen. Der gemeinsame Traum: irgendwann am Steuer der Schwebebahn sitzen.

Historische Fassade wurde für den Wiederaufbau eingelagert

Bis es soweit ist, freuen sie sich schon auf den neuen "alten" Bahnhof am Landgericht. Die Station soll "form-identisch" wieder aufgebaut werden. Zu diesem Zweck wurden Samstag die Fassadenteile in ein Lager gebracht, wo sie nun darauf warten, wieder montiert zu werden. Nach und nach wurde die Haltestelle in ihre Einzelteile zerlegt. Dabei waren erstaunlicherweise vor allem die Holzböden kaum kleinzukriegen. Am Sonntag versagte gar eine Kettensäge ihren Dienst und musste ausgetauscht werden. Erst danach konnten die Böden der Treppenhäuser zersägt und mit Hilfe eines Krans abmontiert werden.

300 Tonnen Stahl haben nur noch einen Schrottwert

Währenddessen wurde auch die gesamte Plattform der Station von ihren Stützen gelöst. Mit zwei Meter großen Klammern befestigten Arbeiter die Stahlträger der Plattform provisorisch an sogenannten Litzenseilen.

Aus mehr als 300 Tonnen Stahl bestand die Haltestelle. Martina Langer, Projektleiterin der WSW für den Schwebebahnumbau, erklärte, dass der 110 Jahre alte Stahl aber nur noch Schrottwert habe.

Nicht jedoch für Solinger Messermacher, die kamen Samstag zum Landgericht und suchten nach Stahlresten für künftige Schneidewerkzeuge.

Der 17-jährige Schüler Tim Oelbermann ist ein großer Schwebebahn-Fan und hat die nächtlichen Arbeiten mit der Kamera Begleitet. Seine Bilder finden Sie in dieser Online-Galerie.

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