WM-Halbfinale: Miguel Zabala, Gastwirt und Fußballfan, glaubt fest an den WM-Titel für Villa und Co – und will am Mittwoch trotzdem auch mit deutschen Freunden feiern.

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Schade, Jogi: Carmen und Miguel Zabala vom Restaurant „Meson Alegria“ stehen heute fest auf spanischer Seite. Immerhin: Sollte Deutschland weiterkommen, wollen sie im Finale Poldi und Co. die Daumen drücken.

Schade, Jogi: Carmen und Miguel Zabala vom Restaurant „Meson Alegria“ stehen heute fest auf spanischer Seite. Immerhin: Sollte Deutschland weiterkommen, wollen sie im Finale Poldi und Co. die Daumen drücken.

Andreas Fischer

Schade, Jogi: Carmen und Miguel Zabala vom Restaurant „Meson Alegria“ stehen heute fest auf spanischer Seite. Immerhin: Sollte Deutschland weiterkommen, wollen sie im Finale Poldi und Co. die Daumen drücken.

Wuppertal. Glauben Sie an Vorzeichen? Ich eigentlich nicht. Doch das war schon etwas unheimlich, am Dienstag, im Meson Alegria. Kaum habe ich das Restaurant an der Ecke Briller und Sadowastraße betreten und Wirt Miguel Zabala sowie Gattin Carmen begrüßt, schaltet die Dame des Hauses den Fernseher ein. Wir sehen live das Tintenfisch-Orakel aus dem Oberhausener Sealife-Aquarium.

Seit Jahren sagt Oktopus Paul bei dieser bizarren Aktion den Ausgang der deutschen EM- oder WM-Spiele voraus. Und das Tier entscheidet: Spanien gewinnt das WM-Halbfinale. Miguel Zabala, stilecht ins spanische National-Trikot gekleidet, lacht: "So einfach wird’s beim Spiel bestimmt nicht. Deutschland war bisher die beste Mannschaft im Turnier. Aber Spanien steigert sich und gewinnt."

In der Nordstadt geboren - und Spanier im Herzen

Der Mann, der das sagt, ist waschechter Wuppertaler, geboren in der Nordstadt als Sohn spanischer Gastarbeiter und mit seinem "Meson Alegria" seit 1991 eine Institution an der Briller Straße. "Deutschland ist meine Heimat", sagt Miguel Zabala folgerichtig, und über dem Eingang des Restaurants wehen weithin sichtbar sowohl die deutsche als auch die spanische Fahne. Dennoch sagt der Gastwirt: "Ich bin Spanier, und ich bin als Fan für Spanien. Ich könnte heute einfach nicht die schwarz-rot-goldene Fahne schwenken und für Deutschland jubeln. Wenn ich das sagen würde, wäre das gelogen." Der große Mann mit der hohen Stirn blickt bestimmt durch seine Brille und zündet sich eine Zigarette an. "I love Wuppertal", steht auf der Streichholzschachtel.

"Wir feiern zusammen, egal wer gewinnt."

Carmen Zabala

Wenn Zabala über Fußball spricht, schwingt stets ein gewisser Ernst dabei - denn aus dem Fan Zabala wird dann der Trainer Zabala. Der 41-Jährige kickte jahrelang für den Wuppertaler Klub Sporting Español, ist heute Jugend-Coach beim SV Bayer. Nach DFB-Richtlinien wird dort ausgebildet, betont der Gastwirt, der als Aktiver im defensiven Mittelfeld rackerte, die Lautsprecher Effenberg und Matthäus schätzte und eine sehr deutsche Fußball-Philosophie vertritt. "Fußball ist ein Mannschaftssport - man gewinnt nur, wenn alle bei der Taktik mitziehen." Genau deswegen glaubt er an Spanien. "Die Spanier sind eine Mannschaft."

Das Spiel am Mittwochabend werden die Zabalas, wie immer, im Restaurant verfolgen. Sie erwarten eine gemischte Gästeschar, aus Deutschen und Spaniern. Denn, das ist den Zabalas bei allem Patriotismus wichtig: "Wir feiern gemeinsam, egal wer gewinnt." Das war schon 2008 so, als Fans beider Teams dort die spanischen Europameister bejubelten. "Für mich das Schönste am Fußball", so Miguel Zabala, "man kabbelt sich, reißt Sprüche - aber letztlich bringt das Spiel Menschen zusammen, aus allen Ländern."

Miguel tippt auf Elfmeterschießen - Carmen auf ein 3:0

Carmen und Miguel Zabala sind seit 18 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Das Meson Alegria an der Ecke Sadowa-/Briller Straße haben sie seit 1997 - nur drei Häuser davon entfernt hatten sie davor, ab 1991, ebenfalls ein Lokal. Das Paar wohnt auch im Briller Viertel.

Menschen zusammenbringen, das ist für die Zabals auch das Beste an ihrem Beruf. "Ich bin bei meinen Eltern in der Kneipe groß geworden", sagt Miguel - das war das "Zum Charly" auf der Wiesenstraße, aus dem später das Restaurant "El Flamenco" wurde. "Da hat meine Mutter selbst gekocht. Seitdem wusste ich, will auch ein Restaurant." Dort arbeiten er und Carmen täglich von morgens bis in die Nacht, den letzten Urlaub gab’s vor vier Jahren. "Das Geschäft wird härter", sagt Miguel - und verrät, dass er manchmal ans Aufhören denkt.

Aber am Mittwoch, da sind der Alltagsstress, die hohen Steuern und Rechnungen passé. Da geht’s um den wichtigsten Titel der Fußball-Welt. Miguel tippt auf Sieg nach einem Elfmeter-Krimi - "wir haben den besten Torwart der Welt". Gattin Carmen ist mutiger: "3:0 für Spanien", sagt sie und schiebt hinterher: "Es ist einfach Zeit für den ersten Stern. Die Deutschen haben doch schon drei. Jetzt sind wir dran."

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