1930 wurde der Wupperverband gegründet – damals aus der Not heraus. Zum 80-Jährigen gibt es Zahlen, die es mit Ruhrgebiets-Hymnen Marke Grönemeyer aufnehmen können - und das in bergischer Bescheidenheit.

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die Baustelle am Beyenburger Stausee in den Fünfziger Jahren.

die Baustelle am Beyenburger Stausee in den Fünfziger Jahren.

die Baustelle am Beyenburger Stausee in den Fünfziger Jahren.

Wuppertal. Der Mann muss es wissen. "Leichter Schwur: Komm zur Ruhr", singt Herbert Grönemeyer in seiner neuen Hymne für das Ruhrgebiet, passgenau für das Revier als Kulturhauptstadt 2010. Auch die Wupper hätte einen Ritterschlag in dieser Form verdient - hat sie in acht Jahrzehnten ebenfalls grundlegend ihr Gesicht verändert. Dass das in diesem Jahr zur Sprache kommt, hat mit einem runden Geburtstag zu tun: Auf 80 Jahre blickt der Wupperverband zurück - seinerzeit aus der Not heraus gegründet, um dem einst verdreckten Fluss ab 1930 eine Zukunft zu geben.

Gutachten 1886: 150 Tonnen Unrat in der Wupper - und das pro Tag

Während das Ruhrgebiet feiert, wartet der Verband ein paar Berge und Täler entfernt mit vermeintlich nüchternen Zahlen auf: So ist gutachterlich dokumentiert, dass die Wupper im Jahr 1886 täglich etwa 150 Tonnen "an Unrat jeglicher Art" mit sich "fort schleppte". Der Stadtfluss war - ähnlich wie die Ruhr - nichts anderes als ein offen geführter Kanal für Privat- und Industrieabwässer, und das ohne Fischbestand. Zudem herrschte Wassermangel in trockenen Monaten - vom Flussgebietsmanagement und Wasserschutz konnte keine Rede sein.

Gut Ding wollte damals Weile haben: Es gingen nach besagtem Gutachten noch 44 Jahre ins Bergische Land, bis mit Inkrafttreten des Wuppergesetzes im Januar 1930 die Geburtsstunde des Wupperverbandes schlug: Heute betreibt er unter anderem 12 Talsperren, 11 Klärwerke und ist im Auftrag seiner Mitglieder - Städte, Gemeinden, Kreise, Versorgungsunternehmen, Industrie- und Gewerbebetriebe - für gut 2300 Kilometer an Flüssen und Bächen zuständig.

Damals wie heute geht es um viel Geld, das ins Fluss- und Bachgebiet sowie in etliche Anlagen rund ums Wasser investiert wird: Von 1990 bis 2008 wurden nach Angaben des Verbandes insgesamt 271 Millionen Euro in Projekten angelegt, "die der Reinhaltung der Unteren Wupper von Wuppertal bis Leverkusen dienen." Das trug dazu bei, dass jetzt wieder mehr als 30Fischarten im einst toten Fluss zu finden sind.

Offene Baustellen gibt es auch im Geburtstagsjahr zur Genüge - und sie sind nicht immer in Stahl und Beton zu fassen: Auf dem Weg vom Zweckverband zum Wirtschaftsunternehmen stehen viele Projekte nicht zuletzt im Zeichen des Klimawandels - etwa in Form des Hochwasserschutzes.

Nach der Verbandsgründung am 8. Januar 1930 begann im Wuppergebiet der Bau großer Talsperren, um zum einen die Trinkwasserversorgung in der Region zu sichern und zum anderen den Wasserstand der Wupper auf Dauer zu regulieren. Mindestens ebenso bedeutend wurde der Bau von Kläranlagen.

Die Großbaustellen des Verbandes sind nun weitgehend abgearbeitet - sieht man mal von der Sanierung des Stausees in Beyenburg bis 2011 ab. Jetzt geht es verstärkt um die Nutzung regenerativer Energien und den Umgang mit Mikro-Schadstoffen im Wasser.

Auch die Europäische Wasser-Rahmenrichtlinie, seit 2000 in Kraft, gehört zu den großen Herausforderungen - stellt sie auf lange Sicht nicht zuletzt an die Wasserqualität im Wuppergebiet hohe Ansprüche. Das in Hymnen zu gießen, ist denkbar schwierig. Selbst für Herbert Grönemeyer.

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