Der 29-jährige Dortmunder brauchte das Geld angeblich für Koks.

Wuppertal. Auf den ersten Blick eine kuriose Geschichte: Am 16. Oktober vergangenen Jahres betrat ein 29 Jahre alter Mann aus Dortmund eine Spielothek an der Berliner Straße, um sie auszurauben. Mit einem Messer bedrohte er die Angestellte und forderte sie auf, ihm die Tageseinnahmen zu geben. Doch die Frau zeigte Courage, konnte dem alkoholisierten Räuber das Messer abnehmen und ihn eine Treppe zum Damenklo hinunter schubsen. Anschließend schloss sie die Toilettentür ab und alarmierte die Polizei.

Jetzt muss sich der 29-Jährige, der seit jener Nacht in U-Haft sitzt, wegen schweren Raubes vor dem Landgericht verantworten. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte gestand die Tat, bestritt jedoch, einen Tag zuvor eine Spielhalle in Schwelm überfallen zu haben. Zeugen wollen ihn anhand von Fotos erkannt haben. Das Verfahren wurde inzwischen eingestellt.

"Ich hatte Todesangst."

Das Opfer

Der Angeklagte gab an, an jenem Donnerstag vor dem Wuppertaler Überfall in einer Dortmunder Spielhalle sein letztes Geld verzockt zu haben. Dann sei dem drogensüchtigen Mann die Idee gekommen, einen Überfall zu begehen. Er sei nach Hause gefahren, habe sich ein Messer besorgt und den Rest Kokain genommen. Auch habe er zum Zeitpunkt eine Flasche Wodka intus gehabt. Dann sei er in einen Zug Richtung Wuppertal gestiegen. Das Ziel war seiner Aussage nach willkürlich, er habe aber immer mal die Schwebebahn sehen wollen - dazu hat er während des Prozesses nun ausgiebig Gelegenheit. In Oberbarmen sei er ausgestiegen und habe eine Spielothek aufgesucht.

Was genau sich dann gegen 0.55 Uhr in den Räumen der Spielhalle abgespielt hat, haben die Überwachungskameras aufgezeichnet - die Aufnahmen wurden während der Verhandlung gezeigt. Mehr als sieben Jahre habe er straffrei gelebt, so der Angeklagte, doch dann sei auf die Trennung von Frau und Kindern der Absturz gefolgt.

Von den Folgen des Überfalls berichtete auch die Spielhallen-Mitarbeiterin (43). "Ich hatte Todesangst", sagte sie unter Tränen, selbst überrascht von ihrem damals so beherzten Verhalten. Noch heute leide sie unter Angst und Misstrauen. "Es tut mir leid", entschuldigte sich der 29-Jährige bei ihr. "Normalerweise bin ich ganz lieb."

Der Prozess wird fortgesetzt.

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