Wie und warum ein großer Wuppertaler Supermarkt bislang vergeblich versuchte, ein Rotkehlchen wieder „auszuwildern“.

Wuppertal. Die Damen an der Kasse nehmen es mit Humor: "Haben Sie eigentlich einen Vogel?" Diese in einem großen Wuppertaler Supermarkt derzeit oft gestellte Frage ist nicht unverschämt, sondern nett gemeint und hat einen ganz natürlichen Hintergrund. In besagtem Geschäft ist mindestens ein Vögelchen offenbar heimisch geworden. Seit wann genau, weiß niemand. Fakt ist: Das an der Kasse zuweilen zu vernehmende Vogelgezwitscher kommt definitiv nicht vom Band, sondern aus der Kehle eines ganz realen Vogels - laut Augenzeugenberichten ein Rotkelchen.

Die gute Nachricht: Beschwerden über den Mini-Vogel gibt es bislang nicht. Trotzdem steht für den Filialleiter fest, dass das Tier wieder raus muss. Und damit ist man ganz auf einer Linie mit dem Bergischen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt. Die Experten verweisen auf die Lebensmittelhygiene und den Tierschutz.

Leichter gesagt als getan: "Wir haben längst mit dem Tierschutzverein Kontakt aufgenommen, um den Vogel sicher wieder ins Freie zu bringen", sagt der Filialleiter. Der Haken an der Sache: Die hohen Decken des Supermarkts bieten ideale Rückzugsräume für das Rotkelchen.

Fazit der bisherigen Jagd aufs Mini-Federvieh: "Der Vogel ist einfach schneller." Mit einer schnöden Leiter ist da offenbar nichts zu machen. Und auch das Öffnen diverser Lüftungsklappen zeitigte bislang keinen Erfolg. Ein Experte muss her, um den Vogel unfallfrei und lebend in die freie Wildbahn beziehungsweise eine spezielle Vogelstation zu entlassen.

"Der Vogel ist einfach schneller."

Der Filialleiter über die gescheiterten Versuche, das Rotkehlchen einzufangen

Die Frage, warum das Vögelchen überhaupt eingezogen ist, haben sich die amüsierten Kunden des Supermarkts längst selbst beantwortet: "Ist doch klar", sagt ein junger Mann. "Hier drinnen ist es doch viel wärmer als draußen." Und so geht die Jagd im Supermarkt weiter.

Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) ist ein heimischer Vogel. Der Gartenbewohner gehört zur Familie der Fliegenschnäpper. Seine Nahrung besteht vor allem aus Insekten. Das Rotkehlchen gilt als zutraulich.

Seine dichten Flaumfedern schützen das Rotkehlchen bei Minusgraden von bis zu -30 Grad.

Gerettete Wildvögel können im Tierheim (Ruf 735136) abgegeben werden.

Am Freitag gab es wieder Gespräche mit dem Tierschutzverein. Der Filialleiter zur WZ: "Wir brauchen jemanden, der sich mit so was auskennt."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer