Die Bundeskanzlerin spricht auf dem Johannes-Rau-Platz und begeistert ihre Zuhörer, obwohl sie wenig Neues verkündet.

Wuppertal. Es war eine kämpferische und durchaus gelungene Rede, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwochabend vor etwa 5000 Wuppertalern auf dem Johannes-Rau-Platz in Barmen hielt.

In der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs war Merkel nach Wuppertal gekommen, um den beiden CDU-Direktkandidaten Peter Hintze und Jürgen Hardt den Rücken zu stärken. In der Summe dürfte ihr das gelungen ein, auch wenn ihre Aussagen im Kern wenig Neues enthielten.

Die Bundeskanzlerin ließ sich nicht von den etwa 100 nervtötenden Schreihälsen der Piratenpartei stören, als sie sowohl an den Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik als auch an den des Mauerfalls erinnerte. Adressiert an die Demonstranten sagte sie: "Es war nicht immer so in Deutschland, dass man auf Plätzen frei reden konnte."

Die überwiegende Mehrheit der Wuppertaler applaudierte begeistert zu ihren Aussagen. Gleichwohl waren Vertreter von Greenpeace vor Ort und forderten den Ausstieg aus der Atomkraft, und das Bündnis "Wuppertal wehrt sich" hatte eine großes Transparent platziert.

Es ging am Mittwoch jedoch nicht um Wuppertal, die Bundeskanzlerin skizzierte die Ziele ihrer Deutschland-Politik. "Die Banken haben erst versucht uns auszureden, dass sie Regeln brauchen, dann haben sie ihre Gier ausgelebt und alles gegen die Wand gefahren", stellte Merkel fest und fügte an: "Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt." Das kam gut an bei den Menschen, von denen viele "Angie"-Schilder in die Luft hielten.

Auch Merkels Versprechen, Wachstum und damit neue Jobs zu schaffen, fanden die Wuppertaler offensichtlich gut. Die Rede der Kanzlerin war ein Parforceritt durch das Wahlprogramm der CDU: Keine höheren Steuern, mehr Netto vom Brutto, Familien stärken, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Geld für Bildung. Konkrete Lösungsansätze freilich nannte sie nicht.

Aber: Obwohl Merkel nicht als emotional zündende Rednerin bekannt ist, verpackte sie ihre Themen gut. Die Ungerechtigkeit, dass tausende Karstadt-Mitarbeiter um ihre Zukunft bangen, während ein sechs Monate arbeitender Vorstandsvorsitzender 15 Millionen Euro bekommt - das regt die Menschen auf und kam deswegen gut an.

Tosender Applaus zum Abschluss ihrer Rede. Jürgen Hardt schenkte ihr dann noch einen bergischen Hammer, damit die Staatenlenker beim G-20-Gipfel in Pittsburgh wissen, "was der Hammer geschlagen hat" - mal schauen, was rauskommt. Am Donnerstag ist die Kanzlerin in den USA beim Gipfel, und dort ist dann kein Wahlkampf mehr.

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