Trotz Regens fanden sich Hunderte Wuppertaler zur Begehung der alten Bahnstrecke ein.

Ungewohnte Stadtansichten genossen vom Viadukt über die Schwarzbach Barbara und Willi Schossow (o.) und Manfred Markus (r.).
Ungewohnte Stadtansichten genossen vom Viadukt über die Schwarzbach Barbara und Willi Schossow (o.) und Manfred Markus (r.).

Ungewohnte Stadtansichten genossen vom Viadukt über die Schwarzbach Barbara und Willi Schossow (o.) und Manfred Markus (r.).

Ungewohnte Stadtansichten genossen vom Viadukt über die Schwarzbach Barbara und Willi Schossow (o.) und Manfred Markus (r.).

Ungewohnte Stadtansichten genossen vom Viadukt über die Schwarzbach Barbara und Willi Schossow (o.) und Manfred Markus (r.).

Andreas Fischer, Bild 1 von 3

Ungewohnte Stadtansichten genossen vom Viadukt über die Schwarzbach Barbara und Willi Schossow (o.) und Manfred Markus (r.).

Wuppertal. Schon von weitem sind sie zu sehen: Gelbe, rote und grüne Farbkleckse, die scheinbar über dem Erdboden in der Luft schwebend im Regen tänzeln. Bei näherer Betrachtung wird die Sicht klarer: Über der Schwarzbach tummeln sich Menschenmassen auf und vor der 186 Meter langen Brücke, die in 23 Meter Höhe über das Tal führt.

Dass es regnet und zeitweise stürmt, kümmert hier niemanden, alle sind gespannt auf die die Strecke: Am Samstag hat die Wuppertalbewegung zur ersten öffentlichen Begehung der Schwarzbachtrasse eingeladen. „Damit hätten wir nicht gerechnet“, staunt Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Wuppertalbewegung und zählt: „391, 392, 393. . . “. Die Zahl der Teilnehmer steigt kontinuierlich weiter. Am Ende sind es „498 Personen und fünf Hunde“.

498 Teilnehmer und fünf Hunde sind am Start

Vor den Trassenfans liegt eine 1,8 Kilometer lange Strecke, die von der Langobardenstraße in Wichlinghausen bis zur Grundstraße in Langerfeld führt. „Eigentlich wollten wir die Teilnehmer der Wanderung begleiten und an der einen oder anderen Stelle etwas über die Strecke erzählen“, sagt Gerhardt - und ergänzt: „Aber bei dem Andrang funktioniert das natürlich nicht.“ Endlich schlüpfen auch die letzten durch die Öffnung in der Stahlwand, die sonst geschlossen ist und damit den Weg zur Brücke versperrt.

Am Himmel hängen graue Regenwolken, die alten Gleise der stillgelegten Bahnstrecke sind rutschig und zum Teil von Steinen bedeckt. „Das ist wie ein Abenteuerausflug“, freut sich die 14-jährige Sarah, während sie mit bedachten Schritten über die Schienen kraxelt. Direkt hinter ihr ist Bernd Kalter, der einer ganz anderen Generation als Sarah entstammt und trotzdem gute Gründe für seine Teilnahme an der Wanderung hat: „Wuppertal hatte früher einmal ein sehr gutes Nahverkehrssystem. Durch das Projekt passiert hier wieder was - und das finde ich sehr interessant und visionär.“

Die Schwarzbachtrasse soll künftig zu einem Rad- und Wanderweg ausgebaut werden und 50 000 Menschen im Barmer Osten eine direkte Verbindung zur Nordbahntrasse eröffnen (WZ berichtete). „Aktuell arbeiten wir an der Detailplanung und den Ausschreibungen für Rückbauarbeiten und Sanierungsarbeiten. Die ganze Brücke muss zum Beispiel freigelegt, entrostet, abgedichtet und neu gestrichen werden“, erklärt Carsten Gerhardt. Die Wuppertal-Bewegung ist für die Planung verantwortlich, die bis Ende März beim Fördergeber eingereicht werden soll. Drei Monate nach der Bewilligung des Förderbescheids könnten die Umbaumaßnahmen starten.

Doch zuvor gibt es alle Hände voll zu tun, wovon sich die Wandergemeinschaft am Samstag selbst ein Bild machen kann: Obwohl die von Felsen eingerahmte Strecke insgesamt verwunschen und idyllisch daherkommt, ist sie über Jahre hinweg von den Kleingärtnern und Fußgängern drum herum als Müllhalde genutzt worden. Sperrmüll, Verpackungsmaterial und sogar Straßenschilder säumen die Wege. „Hier müssen wir mit vereinten Kräften einen ganzen Tag lang richtig sauber machen“, betont Gerhardt. Die Sparkassen-Filiale Langerfeld habe bereits ihre Mithilfe angeboten.

Jede Menge Bildmaterial bietet die Wanderung für Manfred Markus, der mit seiner Kamera Impressionen ablichtet. „Ich bin gespannt, was wir hinter dem Tunnel noch zu sehen bekommen. Das sind Blicke aus ganz neuen Perspektiven. Vor allem dann, wenn wir die B 7 überqueren, die ich bisher nur von unten gesehen habe.“

Im Jahr 1991 habe er mit seiner Familie an einer Sonderfahrt durch Wuppertal teilgenommen. „Damals sind wir auch über diese Bahnstrecke gefahren“, erinnert er sich und betont: „Jetzt über die alte Strecke gehen zu können und ganz ungewöhnliche Einblicke zu erhalten, das ist ein Genuss.“

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