Betrüger brachten in der vergangenen Woche eine 85-Jährige um ihr Erspartes. Experten warnen: Viel Bargeld zu Hause ist ein Risiko.

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Wuppertal. Es war der Aufreger der vergangenen Woche: In Barmen glaubte eine 85 Jahre alte Frau, ihrem Enkel helfen zu müssen und gab einem ihr völlig unbekannten Mann an der Haustür 20.000 Euro in bar (die WZ berichtete). Abgesehen von der gemeinen Masche der Betrüger diskutiert ganz Wuppertal über die Frage: "Warum hat jemand überhaupt so viel Geld zu Hause?"

Wer schonmal eine Geldentwernung erlebt hat, ist misstrauisch

Für Sparkassen-Sprecher Jürgen Harmke ist das eine Generationsfrage. "Es sind ältere Menschen, die schon einmal eine echte Geldentwertung vor und nach dem Krieg miterlebt haben."

Nicht immer müssen böswillige Betrüger dahinterstecken, wenn das in den eigenen vier Wänden gehortete Geld, wegkommt. Harmke weiß um ganz andere Gefahren, die der klassische Sparstrumpf zu Hause mit sich bringt. Da landen beispielsweise Pullover in der Altkleidersammlung, in deren Ärmel mehrere Scheine eingenäht waren. Bei dem einen oder anderen Wohnungsbrand in Wuppertal ging auch gleich das Ersparte in Flammen auf, weiß der Sparkassen-Sprecher.

Glücklicherweise gibt es auch Geschichten, die ein gutes Ende nahmen. Da war beispielsweise eine betagte Dame in Sonnborn, die noch zu D-Mark-Zeiten ins Krankenhaus musste. Kurz vor der Einlieferung teilte die Seniorin einer Freundin ziemlich salopp mit, dass sie "noch ein paar hundert Mark unterm Bett" habe. Die Freundin schaute nach, rieb sich verdutzt die Augen und brachte dann satte 36.000 D-Mark zur Sparkasse.

Kurios ist auch eine Sparstrumpf-Geschichte aus Cronenberg: Dort erschienen die Kinder eines älteren Ehepaares einmal im Monat, ließen sich vom Konto der Eltern stets 2000 Euro auszahlen und lieferten das Geld daheim ab.

Immer wieder wird der Enkel-Trick versucht. Kein Wunder: Wenn die Masche "Verwandter in Not" funktioniert, ist die Quote enorm. Zum Vergleich: Bei einem Banküberfall, bei dem das Risiko weitaus höher ist, lassen sich kaum noch fünfstellige Summen erbeuten.

Die Polizei rät dazu, Bargeld nicht zu Hause aufzubewahren, sondern zur Bank zu bringen. Das macht nicht nur größere Verluste bei Einbrüchen unwahrscheinlich, sondern erschwert auch Enkel-Trick-Betrügern ihre Taten: Bank-Mitarbeiter sind inzwischen sensibilisiert, genau nachzufragen, wenn Senioren größere Geldbeträge abheben.

Da kommt einiges zusammen. Irgendwann fragten Sparkassen-Mitarbeiter dann doch mal nach. Daraufhin zeigten die Eltern ihren Kinder zu Hause, wo sie das viele Geld gelagert hatten - in Keksdosen, Vasen, diversen Büchsen und Schachteln. Insgesamt fanden sich 40000Euro. Begründung der Eltern: Sie wollten einfach immer genug Bares griffbereit haben. Das Geld landete dann doch noch auf der Bank.

Im Fall der betrogenen Barmerin (85) gibt es keine heiße Spur. Dass die Täter ein schlechtes Gewissen bekommen, hält Polizei-Sprecher Michael Bartsch für total abwegig: "Diese Leute sind skrupellos und nutzen die Einsamkeit der alten Menschen aus."

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