Wuppertaler Hilfstransport zu einem Waisenhaus in Weißrussland.

Gespannt warten die Kinder aus einem weißrussischen Waisenhaus darauf, was die Wuppertaler Helfer aus dem Lastwagen holen.
Gespannt warten die Kinder aus einem weißrussischen Waisenhaus darauf, was die Wuppertaler Helfer aus dem Lastwagen holen.

Gespannt warten die Kinder aus einem weißrussischen Waisenhaus darauf, was die Wuppertaler Helfer aus dem Lastwagen holen.

Angela Dicke.

C. Wingenfeld, Bild 1 von 2

Gespannt warten die Kinder aus einem weißrussischen Waisenhaus darauf, was die Wuppertaler Helfer aus dem Lastwagen holen.

Pro Tag 80 Gramm Reis oder Nudeln und Tee. Doch jedes Jahr zu Ostern – seit 22 Jahren – werden die Lastwagen aus Wuppertal mit 45 Tonnen Hilfsgütern sehnsüchtig erwartet. Tonnen von Lebensmitteln, Kinderbetten, eine Toilettenanlage, Wasch- und Pflegemittel werden abgeladen. Die Augen der Kinder, die fast alle ihren Eltern entzogen wurden, spiegeln die Trostlosigkeit des Verlassenseins und hellen sich zögernd auf, als neue Fahrräder, Bobbycars und Dreiräder abgeladen werden.

30 Stunden Fahrt, 14 Stunden Grenzabfertigung und quälende acht Stunden Zoll liegen hinter uns, doch alle Mitfahrer sind hellwach und erfüllt von dem Wunsch, den Kindern eine Freude zu machen. Der Musiktherapieraum wird bestaunt, den wir durch Xylophon und Schlaginstrumente erweitert haben.

Unter der Diktatur Lukaschenkos, finanziell von Russland abhängig, treffen zwei Katastrophen zusammen: Die soziale in Form von Verarmung der Bevölkerung und die atomare: Tschernobyl – 70 Prozent des radioaktiven Niederschlags fiel auf Weißrussland. Die Folgen: hohe Inflation, Lebensmittelknappheit, fehlende medizinische Versorgung.

Die nächste Station ist ein Krankenhaus in der Nähe der Ukraine. Diesem gilt zum zweitem Mal unsere Hilfslieferung, weil uns die menschenverachtenden Zustände nicht mehr losgelassen haben. Wir bringen weitere Pflegebetten, verunreinigte Matratzen werden ersetzt. Nachttische, Bettwäsche, Porzellan- statt des Blechgeschirrs, Pflegemittel, Verbandsmittel und Medikamente ergänzen die Hilfe. Erfüllt von dem Gefühl, die deprimierende Situation der Kranken zu verändern, fahren wir weiter nach Prybalawitschy.

„Wir rüsten uns für den 23. Hilfstransport über Ostern 2016“

Aus der Überlegung, dass humanitäre Hilfe nicht zur Abhängigkeit, sondern zur Unabhängigkeit und Selbstständigkeit führen sollte, haben wir bereits vor vielen Jahren in zwei Orten Nähschulen und Tischlerwerkstätten eingerichtet. Etwa eine Tonne Stoff bringen wir jedes Jahr mit, die zu Tisch- und Bettwäsche, Kinderkleidung und anderem vernäht werden. Der Erlös fließt in die Einrichtung zurück.

Die medizinische Betreuung wird nach einem ähnlichen Prinzip erfolgreich umgesetzt. Eine weißrussische Frauenärztin und ein weißrussischer Zahnarzt wurden bei russisch sprechenden Kollegen in Wuppertal weitergebildet und arbeiten nun selbstständig in von uns eingerichteten Praxen. Wir bezahlen die Unkosten. Die Kinder des Kindergartens Prybalawitschy können sich über neue Bettchen freuen und über eine neue Heizung, die die zwölf Grad Raumtemperatur der Spielzimmer auf angenehme 22 Grad erwärmt. Nach vielen Umarmungen voller Dankbarkeit fahren wir weiter Richtung Tonesh. Wie in Prybalawitschy werden auch dort Schule und Kindergarten mit Möbeln, Tafeln, Sportgerät, Tapeten und Farben beglückt.

Dann wollen wir alle zur Kirche, die mit Hilfe von Spendengeldern aus Wuppertal neu erstanden ist. In dieser Kirche waren Weihnachten 1942 durch die deutsche Wehrmacht alle Dorfbewohner verbrannt worden – 108 Birken wurden gepflanzt zum Gedenken an 108 verbrannte Kinder. Ein ergreifender Abschluss unseres Hilfstransportes.

Haben sich die Strapazen gelohnt? War unsere Hilfe notwendig? Unsere Mannschaft ist sich einig, wir rüsten für den 23. Hilfstransport über Ostern 2016!

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