Der Bürgermeister hat sich von seinem Schlaganfall erholt. Jetzt spricht er über seine schwere Zeit.

Der Bürgermeister hat sich von seinem Schlaganfall erholt. Jetzt spricht er über seine schwere Zeit.
Ulli Winkelmann hat seinen Humor nicht verloren. Von seiner Zeit nach dem Schlaganfall sprach er mit der WZ ganz gelockert.

Ulli Winkelmann hat seinen Humor nicht verloren. Von seiner Zeit nach dem Schlaganfall sprach er mit der WZ ganz gelockert.

Andreas Fischer

Ulli Winkelmann hat seinen Humor nicht verloren. Von seiner Zeit nach dem Schlaganfall sprach er mit der WZ ganz gelockert.

Sprockhövel. Ausgeglichen, klar und direkt ist Ulli Winkelmann im WZ-Interview am letzten Arbeitstag vor Weihnachten. Nichts von der Hektik, die man auf dem Weg ins Rathaus und auf dem Parkplatz des Einkaufscenters spürt, bekommt man im Gespräch mit Sprockhövels Bürgermeister mit. Ein Jahr ist er nach seinem schweren Schlaganfall, den er im April 2016 erlitt, nun wieder im Dienst.

Dem Stadtoberhaupt fiel es schwer, abzuschalten

Knapp acht Monate kämpfte sich der ehemalige Triathlet und Ultramarathon-Läufer Schritt für Schritt in den Berufsalltag und die Normalität zurück. „Da wurde mir auf einmal das Licht ausgeknipst, und zum Glück wieder angeknipst“, schildert Winkelmann seinen Schicksalsschlag locker. Dramatisieren und auf die Tränen-drüse drücken ist nicht seins.

Der erste Bürger der Stadt musste lernen, sich in Geduld zu üben – und loszulassen. Vor allem am Anfang der Rehabilitationsmaßnahmen fiel es ihm offensichtlich besonders schwer, nicht an den Job zu denken und die Tür zuzumachen, sich nur auf sich selbst und die Gesundheit zu konzentrieren. „Es ist das Interesse an meinem Beruf und Amt. Man mag ja diese Stadt sehr gerne“, reflektiert der studierte Schulsozialpädagoge die Anfänge seiner Therapie. „Gerade durch solche Situationen merkt man aber, wie gut die Verwaltungen funktionieren“, bricht Winkelmann für alle städtischen Organe eine Lanze.

Schließlich sei seine Aufgaben von jetzt auf gleich auf mehrere Schultern verteilt worden. „Ich weiß, dass ich damals zum Beispiel die Urlaubspläne von Werner Sauerwein (SPD) und Udo André Schäfer (Anm. d. Redaktion: beides stellvertretende Bürgermeister) mächtig durcheinandergebracht habe“, sagt der 60-jährige Amtschef mit einer Portion Galgenhumor.

„Ohne meine Familiewäre ich nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen.“

Ulli Winkelmann

Neu war für den sportbegeisterten Winkelmann auch die Erfahrung der Eingliederungsmaßnahmen. „Jeder Mensch sollte diese Möglichkeit, die einem geboten wird, nutzen“, ermutigt der Familienvater auch andere Menschen nach langen Krankheiten das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM), das bei der Stadt Sprockhövel sehr gut funktioniere, zu nutzen. „Das ist ein Teil der Therapie, die man durchlebt. Schließlich können beispielsweise Schlaganfallpatienten ja weiter vieles erledigen. Sie brauchen für das, was sie tun, mehr Zeit“, sagt Winkelmann, dem bei seiner Entwicklung sein Ausdauersport sicherlich entgegenkam. Um große Rücksicht will der 60-Jährige bei seinen Amtsgeschäften erst gar nicht werben. „Bürgermeisteramt ist Bürgermeisteramt“, sagt Winkelmann, der am liebsten noch mehr Termine wahrnehmen würde, diese aber aus Rücksicht auf seine Gesundheit dann doch verteilt.

Der größte erlebbare Unter-schied ist für Sprockhövels Bürgermeister, dass er seinen Führerschein, für den er sich einer neuen Prüfung unterziehen musste, wiederbekommen hat. „Diese selbstbestimmte Mobilität macht einen wieder demütig und lässt erleben, wie schön das Leben ist“, erzählt Winkelmann mit sichtlich leuchtenden Augen und erinnert sich: „Dieses Jahr in der Urlaubsphase selbst auf dem Fahrrad stehen zu können war schon ein besonderes Gefühl.“

Gerade in der Vorweihnachtszeit sei ihm noch einmal klargeworden, wie schön diese Freiheit ist. „Ich bin ja noch ,old school’ und kaufe meine Geschenke, wenn irgendwie nur möglich, vor Ort und nicht im Internet“, verrät der gelernte Bankkaufmann. Er musste im vergangenen Jahr besonderes Organisationsgeschick beweisen, um seine Geschenke für die Familie zu kaufen. „Dieses Jahr konnte ich alles selbst erledigen“, sagt Winkelmann, für den die Familie ohnehin eine besondere Bedeutung hat. „Ohne sie wäre ich nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen“, betont Winkelmann. Trotz des Schicksalsschlags im vergangen Jahr lebt er weiter den Spruch, den er sich zusammen mit seiner Frau in die Eheringe gravieren ließ: „It’s only Rock‘n’Roll / but I like it“. Er will die Sprockhöveler Bürger wissen lassen: „Mir geht es gut. Das Leben ist schön!“

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