Das Gewehr unterm Bett – das war früher. Waffenbesitzer müssen inzwischen beweisen, dass sie einen Safe haben.

wza_1191x1500_471761.jpeg
Bei einem Großteil der Waffen, die im Ennepe-Ruhr-Kreis in Privatbesitz sind, handelt es sich um Jagdwaffen.

Bei einem Großteil der Waffen, die im Ennepe-Ruhr-Kreis in Privatbesitz sind, handelt es sich um Jagdwaffen.

dpa

Bei einem Großteil der Waffen, die im Ennepe-Ruhr-Kreis in Privatbesitz sind, handelt es sich um Jagdwaffen.

Ennepe-Ruhr/Sprockhövel. Nicht erst seit dem Amoklauf von Winnenden ist die Kreispolizei bemüht, Waffenbesitzer im Ennepe-Ruhr-Kreis auf die gesetzliche Verpflichtung zur sicheren Aufbewahrung von Schusswaffen hinzuweisen. Alle Besitzer einer Waffenerlaubniskarte - im Ennepe-Ruhr-Kreis (außer Witten) sind das 4932 mit rund 14.000 Schusswaffen - wurden in den vergangenen zwei Jahren angeschrieben, um Nachweise für eine sichere Aufbewahrung ihrer Waffen zu bringen.

"Darauf hingewiesen, dass Waffen in abschließbaren Waffenschränken und getrennt von der Munition zu lagern sind, wurden wir schon häufiger, überprüft wurde das aber bis dahin aber nicht", berichtet etwa Rolf Kamp aus Herzkamp, der wie viele passionierte Jäger über mehrere Waffen verfügt.

"Bis vor zehn Jahren haben nicht wenige ihr Gewehr auch schon mal unter dem Bett oder im Kleiderschrank aufbewahrt, aber die Zeiten sind lange vorbei", berichtet Kamp aus Jägerkreisen.

800 Schusswaffen wurden freiwillig zurückgegeben

 

Wer jetzt keine Kaufbeleg für einen normgerechten Waffenschrank mehr hatte, musste wie Kamp Fotos seines Waffensafes zur Polizei schicken, auf denen der Schrank und auch der Verriegelungsmechanismus zu sehen ist. Außerdem musste beschrieben werden, an welcher Stelle im Haus die Waffen aufbewahrt werden.

Laut § 36 des Waffengesetzes müssen Schusswaffen in klassifizierten Waffenschränken und getrennt von Munition aufbewahrt werden. Laut Kreispolizei kostet ein Waffensafe der einfachsten SicherheitsstufeA 200 bis 250Euro. Pistolen sind in einem Tresor der Stufe B aufzubewahren. Noch aufwändiger sind Schränke mit speziellen Abteilen für Munition.

Informationen zum Thema Waffenrecht geben Sachbearbeiter der Kreispolizei unter den Telefonnummern 02336/9166-1101, 1003, oder 1104.

Im Zweifelsfall kontrolliert die Polizei danach auch vor Ort die sichere Aufbewahrung. Werden die gesetzlichen Auflagen nicht erfüllt, kann dreimal ein Zwangsgeld erhoben werden. Erst danach kann die Polizei eine Waffe einziehen. Das ist aber laut Bernd Seifert, Fachgebietsleiter Waffenrecht bei der Kreispolizei, bisher noch nicht vorgekommen.

Im Zuge der Nachfragen der Kreispolizei wurden in den Jahren 2007 und 2008 allerdings 800Schusswaffen zur Vernichtung bei der Polizei abgegeben.

Die meisten Waffenbesitzer gibt es kreisweit in Sprockhövel

In Sprockhövel gibt es übrigens besonders viele Waffenbesitzer. 725 Waffenerlaubniskarten wurden dort ausgegeben, gefolgt von Ennepetal (692), Gevelsberg (552), Schwelm (445) und Breckerfeld (352). Eine mögliche Erklärung:

In Sprockhövel gibt es nicht nur zwei Schützenvereine sondern auch ungewöhnlich viele Jagdscheinbesitzer. Allein der Hegering Haßlinghausen hat rund 65Mitglieder, der Hegering Sprockhövel 99. Dazu kommen noch nicht organisierte Jäger.

Ob sich Fälle wie der in Winnenden durch die Kontrollen vermeiden lassen, da ist Rolf Kamp allerdings skeptisch. "Der Vater des Amokläufers hatte ja einen vorschriftsmäßigen Waffenschrank. Wenn man seine Pistole aber in der Nachttischschublade aufbewahrt, dann nutzt das wenig", sagt er.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer