Am Samstag führt die Theatergruppe „Die letzte Kommune“ von Peter Lund auf. Bei den Proben musste kurzfristig Ersatz für den Hauptdarsteller gefunden werden.

Das Bühnenbild zeigt eine große Wohnküche. Hier philosophiert der emeritierte Professor Friedrich darüber, wie er eine neue Kommune nach dem Vorbild der Kommune 1 gründen kann.
Das Bühnenbild zeigt eine große Wohnküche. Hier philosophiert der emeritierte Professor Friedrich darüber, wie er eine neue Kommune nach dem Vorbild der Kommune 1 gründen kann.

Das Bühnenbild zeigt eine große Wohnküche. Hier philosophiert der emeritierte Professor Friedrich darüber, wie er eine neue Kommune nach dem Vorbild der Kommune 1 gründen kann.

Anna Schwartz

Das Bühnenbild zeigt eine große Wohnküche. Hier philosophiert der emeritierte Professor Friedrich darüber, wie er eine neue Kommune nach dem Vorbild der Kommune 1 gründen kann.

Niedersprockhövel. Im Saal des Gemeindehauses am Perthes-Ring liegt ein Akku-Schrauber auf dem Boden, daneben steht eine offene Werkzeugkiste. Vorne an der Bühne machen sich Spieler der Theatergruppe Schnick-Schnack mit ihrer Regisseurin Ute Dessel fertig zur letzten Durchlaufprobe für das Stück „Die letzte Kommune“ von Peter Lund. Das Bühnenbild zeigt eine große Wohnküche. Die Einrichtung lässt ahnen, dass hier jemand lebt, der über den Zwängen der Konsumgesellschaft steht. Kein Stuhl gleicht dem anderen, der Kühlschrank gereicht einem Technik-Museum zur Ehre und die Arbeitszeile könnte vom Sperrmüll gerettet worden sein. Hier wohnt der emeritierte Professor Friedrich. Heutzutage allein, in seinen jungen Jahren in eben diesen Räumen als Kommunarde. Die Spieler nehmen ihre Positionen ein. Projektleiter Frank Ditges: „Wir sind ein bisschen aufgeregt. Der Darsteller des Friedrich musste kurzfristig ins Krankenhaus. Jetzt muss sich sein Ersatz ganz schnell einarbeiten.“ Ute Dessel gibt das Startzeichen: Los geht’s.

Friedrich plant eine Kommune, Vorbild ist die Kommune 1

Friedrich hat Angst, wie er seinem alten Weggefährten Hannes gesteht. Fit genug, politisch zu diskutieren, aber vergesslich im Alltag – da fängt dann auch schon mal das Küchentuch auf dem Gasherd Feuer. Tochter Heidi sähe ihn am liebsten im Altersheim. Der Durchlauf kommt ins Stocken, weil noch Feinabstimmungen nötig sind, wann die Technik die Nebelmaschine auslösen muss, um den Herd überzeugend brennen zu lassen. Zu dem neuen Friedrich sagt Ute Dessel: „Du hast deinen Text in der kurzen Zeit unglaublich gut gelernt.“ Trotzdem bekommt er zur Sicherheit ein Headset, über das ihm souffliert wird.

Weiter geht es. Friedrich will nicht ins Heim. Seine Idee: wieder eine Kommune gründen. Eine Kommune, keine WG. Auch keine Alten-WG. Keine einfache Zweckgemeinschaft, sondern eine Lebensform mit gesellschaftlichem Anspruch. Als Friedrich jung war, trat im West-Berlin der 60er Jahre die Kommune I an, um einen Gegenentwurf zur bürgerlichen Kleinfamilie zu verwirklichen. Sie war aus Studentenbewegung und Außerparlamentarischer Opposition hervorgegangen und sagte der Bourgeoisie den Kampf an. Etliche taten es ihr gleich. Heute schreibt Hannes Enkelin Lotte eine Hausarbeit über sie. Die Ideale von damals spiegeln sich kaum noch in politisch korrekten Kreisen wie etwa um Hannes Tochter Micha wieder. Friedrich steht vor der Frage, wie eine Kommune – etliche Jahrzehnte nach seiner Kommunardenzeit – , wie selbstbestimmtes Leben heute aussehen könnte.

„Die letzte Kommune“ wurde für das Berliner Gripstheater geschrieben. Die Inszenierung von Schnick-Schnack ist die erste außerhalb Berlins. „Es geht um Generationenkonflikte, politische Ideen von einer besseren Welt und nicht zuletzt um Liebe, die kein Alter kennt“, heißt es in einer Beschreibung von Schnick-Schnack.

Auftritt Josi, die aus dem Altersheim getürmt ist, als sie von Friedrichs Plänen gehört hat. Ihre beginnende Demenz überspielt sie mit eleganter Verruchtheit. Vor der nächsten Szene schaltet sich Dessel noch einmal ein: „Ihr müsst noch lauter werden. Man hört euch bis hier“, sie zeigt auf die paar Stühle im Saal, auf denen die Spieler sitzen, die gerade nicht dran sind. Und dann auf den leeren Saal dahinter. „Am Samstag, da ist hier im Saal alles voll.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer