Eine Reise in die Geschichte des Bergbaus vor Ort – die WZ spazierte mit.

Haßlinghausen. Überall im Wald strotzt das neue Grün, die Bäche murmeln - es geht sich herrlich in dem alten Industriegebiet. Relikte des Bergbaus auf Schritt und Tritt, aber man muss wissen, dass es da was zu sehen gibt. Der Sprockhöveler Arbeitskreis im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier hatte zur Frühjahrswanderung auf den Deutschlandweg geladen.

Gut 30 Wanderer machten sich vom Rennebaum aus auf, geführt von Klaus Leyhe, Heimat- und Geschichtsverein Sprockhövel. Und auf einmal kann man sie entdecken, die im Wald versteckten Einsturztrichter, die Pingen. Sieht kleine Halden rund um einen alten Schacht. Oder eine Riesenhalde, die ein halbes Tal bedeckt. Es gibt Zeugen des ganz frühen Bergbaus in der Region, vor 1700: Da haben Bauern eine sogenannte Akeldruft gegraben, einen Graben, der Wasser aus dem Kohlberg, wie man Bergwerke früher nannte, ableitete.

Oder, ein paar Schritte aus dem Wald, das Schachthaus des Schachtes Beust. Der Laie sieht ihm seine Geschichte nicht an, Klaus Leyhe aber zeigt die Eisenträger am Giebel, Verstrebungen des Schachtgerüsts. 1913 ging es hier fast 500 Meter in die Tiefe. Und die Treppe an der Rückseite haben tausende von genagelten Bergarbeiterstiefeln ausgetreten. Zwischen den Stationen gehen die Gespräche weiter. Leyhe erzählt von den ersten Dampfmaschinen, von Entwässerung, Belüftung, Transport. Er ist selbst noch auf der letzten Sprockhöveler Zeche, Alte Haase, eingefahren. Und er kann so eine Bergbaulandschaft lebendig machen. Eben erzählt er von den geologischen Schichten und Erdzeitaltern, dann verweist er auf einen Lochstein, eine Bergwerks-Grenzmarkierung, hier der Zechen Stöcker und Stock & Scherenberger. Gesetzt 1812.

Der Sturm Kyrill hat dem Weg, der nach dem 1871 gegründeten Haßlinghauser Bergwerk Deutschland benannt ist, zugesetzt. Die Wege sind gezeichnet von den schweren Holztransporten. Und der Verein hatte viel zu tun, Schilder wieder anzubringen, Erklärungstafeln wieder aufzustellen. Auch die Wegführung musste geändert werden. Aber dafür lohnt die Strecke auch wieder einen Ausflug.

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