Anne Henkels erlebt immer wieder das Wunder des Lebens. Seit fünf Jahren arbeitet sie als Hebamme in der Stadt.

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Schon als Jugendliche träumte Anne Henkels davon, einmal als Hebamme zu arbeiten.

Schon als Jugendliche träumte Anne Henkels davon, einmal als Hebamme zu arbeiten.

Privat

Schon als Jugendliche träumte Anne Henkels davon, einmal als Hebamme zu arbeiten.

Sprockhövel. Diesen Freitag feiern die Christen die Geburt Jesu Christi. Es ist jedoch nicht überliefert, ob es sich bei diesem Datum um den errechneten Geburtstermin handelt. Zur Information: Nur drei Prozent der Babys kommen am errechneten Termin zur Welt, weiß Hebamme Anne Henkels. Schon häufig hat die 27-Jährige an Heiligabend Geburten begleitet. „Die meisten aber wollen ihr Kind nicht unbedingt an diesem Tag auf die Welt bringen“ – die Zeit im Krankenhaus zu verbringen, sei weniger angenehm. „Weihnachten geht dann sehr unter.“

 

„Den Familien wünsche ich, dass sie sich viel Zeit nehmen, Familie zu werden.“

Anne Henkels, Hebamme

Schon als Anne Henkels zur Schule ging, war es ihr großer Traum, einmal Hebamme zu werden. Sehr früh begann sie, in Praktika Erfahrungen zu sammeln, bis sie schließlich einen Ausbildungsplatz an der Hebammenschule in Wuppertal bekam. „Es immer noch mein Traumberuf. Der Moment, an dem das Kind da ist, erlebe ich trotz Routine immer wieder als ein Wunder – er ist mystisch.“

Doch ist es nicht nur der Akt der Geburt, der sie fasziniere. Sondern auch „das Begleiten der Eltern durch die Schwangerschaft, der enge Kontakt zu den Familien“, sagt die Hebamme.

Besonders in der Weihnachtszeit bekommt sie oft Post von den Familien, mit denen sie Schwangerschaft und Geburt gemeinsam erlebt hat: „Gestern erst habe ich eine Karte von einer Familie bekommen. In dem Briefumschlag fand ich einen Zettel, auf den die Tochter der Familie bunte Kreise gemalt und meinen Namen darauf geschrieben hat.“ Nach einigen Jahren zu sehen, wie sich das Kind und die Familie entwickelt haben, sei sehr schön.

Doch wenn Anne Henkels an den Weihnachtstagen an ihre Arbeit denkt, ist es ihr wichtig, dass alle Kinder – nicht nur die lebenden, sondern auch die, die nie auf die Welt kommen durften – in Gebete, Gedanken und Wünsche eingeschlossen werden. „Denn eine von drei Schwangerschaften endet mit einer Fehlgeburt“, sagt die Hebamme. Viele der Paare, die so etwas erlebt haben, erinnerten sich besonders an Weihnachten daran, dass jetzt ein Familienmitglied fehlt.

Man müsse den Beruf der Hebamme auch realistisch betrachten können, sagt die junge Frau: „Es ist nicht immer nur schön. Es ist auch harte Arbeit“, sagt sie. Auch Jesus sei unter ärmlichsten Bedingungen geboren worden, in einem Stall, „ohne medizinische Hilfe, es war bitterkalt“.

Das Abenteuer Geburt: Sich als Eltern neu kennenlernen

Anne Henkels selbst wird das Fest zusammen mit ihrer Familie verbringen, die das erste Mal in ihrem Haus feiert. Mit ihrem Mann lebt sie in Nächstebreck und freut sich auf gemeinsame Stunden. Eigene Kinder hat das Paar noch keine.

Allen Schwangeren wünscht sie: „Dass sie sich auf das Abenteuer einlassen, dass sie ganz viel Mut haben, und ganz viel Freude. Den Familien wünsche ich, dass sie sich ganz viel Zeit nehmen, Familie zu werden, das Kind kennenzulernen, sich in der Elternrolle gegenseitig neu kennenlernen – und niemals die Neugierde verlieren.“

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