Warten auf das Geld vom Land - die versprochenen Zuschüsse für Investitionen stehen seit Oktober aus.

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Kindergartenchefin Frauke Schittek hat derzeit keinen Grund zum Lachen. Weil das Geld vom Land immer noch nicht da ist, hat sie ihr Konto um 35000 Euro überzogen, um zumindest Handwerkerrechnungen zahlen zu können.

Kindergartenchefin Frauke Schittek hat derzeit keinen Grund zum Lachen. Weil das Geld vom Land immer noch nicht da ist, hat sie ihr Konto um 35000 Euro überzogen, um zumindest Handwerkerrechnungen zahlen zu können.

Bereits im Frühjahr 2008 begann das KAZ mit der Einrichtung des neuen U-3-Stützpunktes an der Haßlinghauser Straße und hat kräftig investiert. Vom Land ist bisher kein Geld dafür angekommen. (Archiv

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Kindergartenchefin Frauke Schittek hat derzeit keinen Grund zum Lachen. Weil das Geld vom Land immer noch nicht da ist, hat sie ihr Konto um 35000 Euro überzogen, um zumindest Handwerkerrechnungen zahlen zu können.

Sprockhövel. Mit Inkrafttreten des neuen Kinderbildungsgesetzes (KiBiz), insbesondere dem Ausbau von Betreuungsplätzen für unter Dreijährige, haben viele Kindergartenträger im vergangenen Jahr kräftig investiert. Neues Spielzeug, Kinderbetten und weitere Einrichtungsgegenstände mussten angeschafft werden, Umbauten waren nötig. Immer im Vertrauen darauf, dass die von Bund und Land versprochenen Investitionskostenzuschüsse fließen. Seit Sommer läuft der Betrieb in den Gruppen, doch das Geld ist immer noch nicht da.

Allein 102000 Euro sind das für Sprockhövel, rechnet das städtische Jugendamt vor. Der Bewilligungsbescheid vom Landesjugendamt, das die Gelder des Bundes verteilt, kam erst Ende Dezember, geflossen ist bisher immer noch kein Cent.

Im Fall des Kinder Aktions Zentrums (KAZ), das im Auftrag der Stadt zum 1. August die "Windelflitzer" - zwei reine U-3 Gruppen - in einem eigens angemieteten Gebäude an der Mittelstraße neu installiert hat, sind die Auswirkungen inzwischen dramatisch. Mit rund 80000Euro entfällt der Löwenanteil, der für Sprockhövel bewilligten Gelder auf die "Windelflitzer". Im Büro von KAZ-Chefin Frauke Schittek stapeln sich inzwischen Mahnbescheide noch nicht bezahlter Rechnungen.

Das private Konto um 35000 Euro überzogen, um in Vorkasse zu gehen

Schittek selbst hat ihr Konto bereits um 35000 Euro überzogen, um zumindest schon einen Teil der Handwerker-Rechnungen bezahlen zu können. Etwa von der Gärtnerei Wildwuchs, die das Außengelände aufwändig gestaltet hat - für das kleine Haßlinghauser Unternehmen ein größerer Auftrag, bei dem sich ein Ausbleiben des Honorars gleich negativ bemerkbar macht. Die meisten Spiel- und Möbellieferanten konnte Schittek immer wieder vertrösten. Am Dienstag kam aber ein Mahnbescheid. Auch einen Pfändungsbescheid gibt es bereits, und auf ihrem Konto laufen monatlich 400 Euro Miese allein für Zinsen auf.

"Beim Landesjugendamt in Münster haben wir schon im August nachgefragt, da hieß es noch, das Geld kommt Ende Oktober", berichtet Schittek über eine Kette von Vertröstungen. Auf ihren nächsten Anruf im November habe es dann geheißen, man sei überlastet, müsse mit zwei Leuten 5000 Anträge bearbeiten. Hinzu kam die lapidare Aussage: "Seien sie froh, sie sind ja noch ein kleiner Fisch, da sind Anträge von 500000Euro und mehr dabei."

Die für Sprockhövel zuständige SPD-Bundestagsabgeordnete Christel Humme und der Hattinger SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Bovermann haben gestern die Landesregierung wegen der immer noch nicht erfolgten Auszahlung von Investitionskostenzuschüssen für Einrichtungen der U3-Betreuung scharf kritisiert. Seit fünf Monaten stünden dem Land NRW 82Millionen Euro zur Verfügung, die der Bund für zur Verteilung nach Düsseldorf überwiesen habe.

Begründet durch eine Haushaltssperre habe die Landesregierung die Auszahlung erneut verschoben. "Zuvor war sie für Ende Januar angekündigt worden", sagt Christel Humme und fügt an: "Das ist eine Zumutung für Einrichtungen, Eltern und Kinder." Rainer Bovermann erinnert an das Versprechen des Landes, zusätzliches Geld für den Umbau von Betreuungseinrichtungen bereit zu stellen. "Bisher hat das Land nur sechs Prozent der vereinbarten Summe beigesteuert."

Auch das städtischen Jugendamt hat letzte Woche per Mail angefragt, wo das Geld bleibe und hat bisher keine Antwort. 6300Euro stehen für drei städtischen Einrichtungen aus. Fachbereichsleiterin Evelyn Müller sagt aber klipp und klar: "Die wirklichen Probleme haben die freien Träger."

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