Kader-Reiter Dirk Schrade hat den Ausbildungsbetrieb von Warendorf nach Haßlinghausen verlegt.

Vielseitigkeitsreiter Dirk Schrade ist mit seinen Pferden nach Haßlinghausen gezogen. Mit Sindy war er bereits WM-Teilnehmer. Andere Pferde will er für höhere Aufgabe erst noch vorbereiten.
Vielseitigkeitsreiter Dirk Schrade ist mit seinen Pferden nach Haßlinghausen gezogen. Mit Sindy war er bereits WM-Teilnehmer. Andere Pferde will er für höhere Aufgabe erst noch vorbereiten.

Vielseitigkeitsreiter Dirk Schrade ist mit seinen Pferden nach Haßlinghausen gezogen. Mit Sindy war er bereits WM-Teilnehmer. Andere Pferde will er für höhere Aufgabe erst noch vorbereiten.

Wolfgang Westerholz

Vielseitigkeitsreiter Dirk Schrade ist mit seinen Pferden nach Haßlinghausen gezogen. Mit Sindy war er bereits WM-Teilnehmer. Andere Pferde will er für höhere Aufgabe erst noch vorbereiten.

Haßlinghausen. Agenturen nennen Sprockhövel und die englische Prinzessin Ann dieser Tage in einem Atemzug. Die Nachricht aus dem Reitsport: Weil Ann noch mehr Pferde auf ihrem Anwesen in Gatcombe züchten will, verlängerte sie den Pachtvertrag mit der bekannten deutschen Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy nicht.

Hoy zog mit ihren Pferden nach Warendorf in die Ställe von Dirk Schrade. Jetzt kommt Sprockhövel - genau gesagt der Reiterpark am Hermessiepen - ins Spiel. Denn dort ist Nationalmannschaftsmitglied Schrade seit 1.Januar Pächter.

"Natürlich hat das nichts mit Prinzessin Ann zu tun", lacht Schrade über die eher zufällige Verknüpfung. Der WM-Teilnehmer von 2006 knüpfte bereits vor einem Jahr die Verbindung nach Haßlinghausen zu Matthias Otto-Erley. Der suchte nach einer neuen Verwendung für seine Anlage mit dem Geländeparcours als Herzstück.

Der Förderverein Vielseitigkeitsreiten, der dort über Jahre seine Heimat hat, hat sich aufgelöst, das therapeutische Reiten, das Otto-Erleys Frau Andrea in der Halle über Jahre anbot, lief 2007 aus.

"Die Landschaft erinnert mich an meine Heimat auf der schwäbischen Alb."

Dirk Schrade über Haßlinghausen

Da kam es gelegen, dass Dirk Schrade, den Otto-Erley über die Perspektivgruppe Vielseitigkeitsreiterei kennt, ein neues Domizil suchte. "Wir versuchen, ihm hier gute Voraussetzungen zu schaffen", sagt Matthias Otto-Erley. Schrade bildet Pferde im Auftrag von deren Besitzern für die Vielseitigkeit aus - möglichst bis zum Top-Niveau. Um seinen Anforderungen gerecht zu werden, hat Otto-Erley zwölf weitere Boxen (jetzt insgesamt 20) und einen neuen Springplatz angelegt.

Zum Reiterpark Hermessiepen gehören 15 Hektar Gelände, Boxen und Reitplätze. Keimzelle war der Hof Göbelsmann. Die Familie Otto-Erley kaufte das Gelände vor rund 30Jahren, die alte Hofschaft ist gepachtet, eine neue Reithalle kam 1997 dazu, außerdem eine Longier-Halle und acht Boxen.

Vor mehr als 25 Jahren wurde der Vielseitigkeitsparcours angelegt, wo bis vor wenigen Jahren regelmäßig große Turniere, zuletzt nur noch Nachwuchsprüfungen stattfanden. Wenn es passt, soll es auch künftig ein Turnier pro Jahr geben, 2009 allerdings nicht. Reit- und Longehalle werden abends weiter vom Reitverein Haßlinghausen mitgenutzt. Auch die Stallgemeinschaft auf dem alten Hof bleibt bestehen.

Geboren: 29. Juni 1978 in Münsing (schwäbische Alb)

Beruf: Bankkaufmann, Pferdewirtschaftsmeister

Reitkarriere: Nach Erfolgen als Nachwuchsreiter Bundeswehrzeit an der Bundeswehrsportschule in Warendorf. Später Ausbildung zum Pferdewirt und Pferdewirtschaftsmeister. Seit 2002 zahlreiche Platzierungen bei internationalen Vielseitigkeitsprüfungen (Dressur, Geländeritt, Springen - auch Military genannt). 2003 EM-Teilnehmer, 2006 Vierter Platz bei Deutscher Meisterschaft und WM-Teilnahme. Mitglied des Sportfördergruppe der Bundeswehr (noch bis Ende des Jahres).

"Die Anlage hier ist toll", bestätigt Dirk Schrade. Die hügelige Landschaft erinnert den gebürtigen Schwaben, der nach gut zehn Jahren in Warendorf aber spricht wie ein Westfale, an seine Heimat auf der schwäbischen Alb. Der Sprung in die völlige Selbstständigkeit ist für ihn ein großer. Im Pferdesportmekka Warendorf nutzte der 30-Jährige die Anlagen des Deutschen Olympischen Komitees für Reiter.

Dort musste er sich weder um Futterbeschaffung noch Pflege der Boxen und Trainingsanlagen kümmern. In Haßlinghausen kommt das zur Trainingsarbeit mit den Pferden dazu. "Das ist sicher die größte Umstellung", sagt Schrade. Doch es sei ja sein Ziel, sich komplett auf eigene Füße zu stellen, wie das die ganz Großen der Zunft wie Ludger Beerbaum, Otto Becker oder Nicole Uphof alle getan haben. Auch ihr Ausgangspunkt war einst Warendorf.

Auf professionelle Arbeit legt Pferdewirtschaftsmeister Schrade großen Wert. Mit Sabrina Mertens (2007 Vielseitigkeits-Europameisterin der Jungen Reiter) und Pferde-Pflegerin Maria Linden beschäftigt er zwei Angestellte.

"Mein Ziel ist es, mit meinen Pferden eine Bank für die Beschickung hochrangiger Championate und Meisterschaften zu werden", sagt er. Vier Pferde von Format hat er derzeit im Stall, stand selbst 2008 auf der Nachrückerliste für Olympia, kam aber nicht zum Zug und musste zu Hause bleiben.

Sein Arbeitstag beginnt morgens um kurz nach 6 Uhr bis 18, 19Uhr ist er immer auf der Anlage, denn jedes der derzeit 20 Pferde, die er betreut, will versorgt, bewegt und trainiert werden. Den ersten großen internationalen Auftritt plant er Ende März im französischen Fontainbleau.

Dort finden im September auch die Europameisterschaften statt. Vielleicht gibt es künftig ja häufiger eine Verbindung zwischen Sprockhövel und Prinzessin Ann. Dass wäre gut möglich, wenn sich Pferde der Britin und von Dirk Schrade gleichfalls gut platzieren.

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