Das Jugendamt erhöht den Stundenlohn für Tagesmütter ab April von 3,50 auf 4,20 Euro pro Kind. Neue U3-Plätze soll es in Kindergärten geben.

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Seit Januar müssen Tagesmütter Sozialbeiträge und Steuern zahlen. Um die Netto-Verluste auszugleichen, haben viele Städte den Stundensatz für die verantwortungsvolle Tätigkeit angehoben – auch in Sprockhövel

Seit Januar müssen Tagesmütter Sozialbeiträge und Steuern zahlen. Um die Netto-Verluste auszugleichen, haben viele Städte den Stundensatz für die verantwortungsvolle Tätigkeit angehoben – auch in Sprockhövel

dpa

Seit Januar müssen Tagesmütter Sozialbeiträge und Steuern zahlen. Um die Netto-Verluste auszugleichen, haben viele Städte den Stundensatz für die verantwortungsvolle Tätigkeit angehoben – auch in Sprockhövel

Sprockhövel. Ein Sturm der Entrüstung erhob sich mit Jahresbeginn unter den Tagesmüttern, die qua Gesetz steuer- und sozialabgabenpflichtig wurden und deshalb Netto-Einbußen verzeichnen müssen. Dabei sind die Verdienste für diese verantwortungsvolle Tätigkeit ohnehin nicht gerade üppig. 3,50 Euro beträgt der Stundenlohn bei Vermittlung über das Jugendamt Sprockhövel. Gezielt waren die Kapazitäten dort in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut worden, inzwischen sind 16 Tagesmütter im Bestand.

Die werden jetzt ab 1. April mehr Geld bekommen. Der Jugendhilfeausschuss stimmt dem Vorschlag des Jugendamts einmütig zu, die Vergütung pro Kind und Stunde auf 4,20 Euro anzuheben. "Ich finde das sehr wichtig, um unsere engagierten Mütter bei der Stange zu halten", hatte Jugendamtsleiterin Ilse Crefeld für die Erhöhung geworben. Der Stundensatz wird dann wieder kreisweit einheitlich sein, denn auch die übrigen Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis planen eine derartige Anhebung.

Bei der Kindertagespflege gibt es noch freie Kapazitäten

Diesen Satz hat das Landesjugendamt empfohlen, während das Bundesministerium in seinem Handbuch für Kindertagespflege 5,50 Euro befürwortet. Durch die jetzige Anhebung rechnet die Stadt mit 10500 Euro Mehrkosten pro Jahr. Derzeit werden 20 Kinder von den 16 über das Jugendamt vermittelten Frauen betreut. "Meistens betreut eine Tagesmutter bei uns zwei Kinder gleichzeitig", sagt Ilse Crefeld. Bis zu fünf dürften es sein.

Gerade in diesem Betreuungsbereich gibt es demnach noch freie Kapazitäten. Allerdings ist die Nachfrage für Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige in Kindergärten deutlich höher. Die derzeit 86 Plätze im Stadtgebiet sind belegt. Deshalb will das Jugendamt die Möglichkeit nutzen, im Sommer bis zu elf zusätzliche Plätze einzurichten. Einerseits ist laut Erlass des Landesjugendamts eine Förderung von insgesamt 92 Plätzen möglich, andererseits gibt es dort noch ein zusätzliches Kontingent von 11 000 Plätzen landesweit, von denen das Jugendamt gerne noch fünf beantragen würde.

Eltern fragen vor allem nach Betreuungsplätzen in Kindergärten

Generelles Interesse an diesen Plätzen hatten bei einer Trägerkonferenz mit der Stadt alle Einrichtungen genannt. Den Zuschlag für eine halbe Gruppe soll aber nach Vorstellung des Jugendamts zunächst der evangelische Kindergarten am Perthes-Ring erhalten, falls dort das Presbyterium zustimmt. "Wir möchten gerne auch bei den U3-Plätzen die Trägervielfalt wahren, deshalb schlagen wir nun vor, eine evangelische Einrichtung zum Zug kommen zu lassen", sagte Fachbereichsleiterin Evelyn Müller. Auch das private Kinder Aktions Zentrum, das im vergangenen Jahr zwei geförderte U3-Gruppen in Haßlinghausen eingerichtet hatte, hat wieder Interesse. Es soll bedacht werden, wenn die evangelische Gemeinde zurücktritt oder auch die zusätzlichen Plätze noch beantragt werden. "In Niedersprockhövel haben wir eine Warteliste mit 13 Kindern", sagte KAZ-Leiterin Frauke Schittek.

Alle zwei Jahre durchleuchtet die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) städtische Verwaltungen auf Sachgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit der Serviceleistungen. Für Sprockhövel liegt jetzt der Prüfbericht für 2004 bis 2006 vor. Das Jugendamt schnitt dabei im Gegensatz zu anderen Ressorts hervorragend ab.

Mit einem Zuschussbedarf von "nur" 132 Euro pro Einwohner erzielte das Sprockhöveler Jugendamt den Bestwert aller Vergleichskommunen. Das Gleiche gilt für die Vollzeitpflege. Wie berichtet, gibt es dort eine intensive Zusammenarbeit mit Pflegeeltern, dadurch kann in vergleichsweise vielen Fällen eine Heimunterbringung vermieden werden.

Ein Lob verteilt die GPA auch für den Kindergartenbedarfsplan. Dem Rückgang der Kinderzahlen werde hervorragend Rechnung getragen, indem frei werdende Kindergartenplätze in Plätze für Unter-Dreijährige umgewandelt wurden. Der Zuschussbedarf für die Betreuung sei der zweitniedrigste aller Städte.

Die Grünen kritisieren allerdings, das nur Niedersprockhövel zum Zug komme. "Von Wohnortnaher Versorgung könne in Haßlinghausen keine Rede sein. Das Jugendamt entgegnet: "Der zusätzliche Bedarf zeichnet sich in Niedersprockhövel ab."

Bis 15. März muss die Stadt die gewünschte Gruppenzusammensetzung für alle Kindergärten ans Landesjugendamt melden.

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