Das Atelier der Künstlerin Bettina Bülow-Böll ist ein ehemaliger Stall. Dort hat sie genug Ruhe und Platz, um ihre großformatigen Werke zu erschaffen.

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Bettina Bülow-Böll (47) vor einem ihrer großformatigen Arbeiten.

Bettina Bülow-Böll (47) vor einem ihrer großformatigen Arbeiten.

Gerhard Bartsch

Bettina Bülow-Böll (47) vor einem ihrer großformatigen Arbeiten.

Niedersprockhövel. "Ich hatte schon als Kind einen starken Hang zum Malen", erinnert sich Bettina Bülow-Böll (47). "Mich künstlerisch zu äußern, war immer ein Wunsch." Die Initialzündung, ernsthaft aus der Neigung einen Beruf zu machen, wurde dann aber durch Hans-Jürger Schlieker entfacht. "Bei ihm habe ich gelernt, die Wahrnehmung zu schulen und den Sinn fürs Sehen zu entwickeln", fasst die gebürtige Gelsenkirchenerin, die seit 15 Jahren mit dem Regisseur Christoph Böll in Sprockhövel lebt, zusammen.

"Im überschwänglichen Sinn hatten wir ein tolles Schüler-Meister-Verhältnis." Mit Anfang 20 brachte er ihr bei, die "eigene Kunst kritisch zu betrachten", mit Ende 30 coachte er sie ein zweites Mal - "als Einschätzung für meinen weiteren Lebensweg".

Zweidrittel ihre Lebensunterhalts verdient die Künstlerin mit Malerei

Denn nachdem die Malerin in den 80er Jahren in Dortmund Grafik Design studierte und mit Diplom abschloss, stellte sich die Frage: kann ich von meiner Kunst leben? Sie kann. "Die eigne Malerei macht Zweidrittel des Lebensunterhalts aus", sagt die freischaffende Künstlerin, deren wiederkehrende Themen ihrer großformatigen Arbeiten die Vogelperspektive ("die beobachtende Haltung hat etwas Neutrales im Sinne von über-den-Dingen-stehen") und Schatten ("als Spielplatz für Farben und freies Gestalten") sind. Sehenswert sind ihre Bilder, in denen Personen mit Ausstrahlung auf Bildbereiche treffen, die einen gewissen Grad der Ungegenständlichkeit abbilden.

"Er ist mir der liebste Kritiker, sein Urteil bedeutet mir sehr viel."

Bettina Bülow-Böll über ihren Mann Christoph Böll, mit dem sie sich ein Atelier teilt

Ausstellungen hatte sie unter anderem im Bochumer Grönemeyer-Institut, dem Essener Simulatorzentrum, in Köln, Karlsruhe und Berlin - und in Bologna, Italien. "Diese Ausstellung war natürlich etwas ganz Besonderes."

Dem Lechner-Hof in Witten, wo sie während ihres Studiums eine Einliegerwohnung bewohnte, ist sie noch immer verbunden. "Anfang der 90er Jahre war das eine ganz intensive Beziehung. Das war teilweise sehr aufreibend und hat mir alle Energien abgefordert." Heute ist sie "nur" noch Bedarfsmitarbeiterin und sorgt bei den Betonskulpturen für die richtigen Farbgebungen und Nuancen.

Die Arbeiten der Malerin Bettina Bülow-Böll sind vom 28. Januar bis 11. März im Bochumer Landgericht zu sehen. Atelierbesuche macht die Malerin auch möglich.

Als "überaus inspirierend" für ihre Arbeiten, die mit "Menschen im Dialog" betitelt werden könnten, empfindet sie den Austausch mit Ehemann Christoph. "Er ist mir der liebste Kritiker, sein Urteil bedeutet mir sehr viel." Umgekehrt ist der Filmemacher beim fast fertigen Film manchmal "ein bisschen bange, was ich bemängele". Denn weil die beiden einander eine "wichtige Richtschnur" sind, nimmt er ihre Vorschläge und Einwände natürlich ernst. Und weil beide gemeinsam ein Atelier teilen, das ist ein vormaliger Pferdestall, dessen Winterkälte mit einem Bollerofen vertrieben wird, geht das auf kurzen Wegen.

Um ihre eindrucksvollen Momentaufnahmen, denen oft Fotos zugrunde liegen, mit den kräftigen Farben und auffallenden Kontrasten, zu erschaffen, braucht die Künstlerin Platz und Ruhe. "Es war immer mein Wunsch, im Grünen und in der Natur zu sein. Sammlung und Inspiration sind nur möglich, wenn ich wenig abgelenkt bin", sagt Bettina Bülow-Böll.

Und dafür ist ihre Oase in Sprockhövel genau der richtige Platz.

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