Jürgen Kaven hat die besondere Bastellust aus dem Allgäu mitgebracht und vor Weihnachten viel zu tun.

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Unverkennbar „alpiner“ Einfluss prägt die Krippen von Jürgen Kaven. (Foto

Unverkennbar „alpiner“ Einfluss prägt die Krippen von Jürgen Kaven. (Foto

AndreasFischer

Unverkennbar „alpiner“ Einfluss prägt die Krippen von Jürgen Kaven. (Foto

Herzkamp. Die Weihnachtskrippe gehört für viele zum Fest wie Tannenbaum und Kirchbesuch. Das ist auch im Hause Kaven nicht anders - nur dass Jürgen Kaven die Krippen inzwischen selbst baut und zu einem Meister seines Fachs geworden ist.

Dass der Neu-Herzkamper sich die Anregung dazu aus dem Allgäu holte, ist seinen kleinen Kunstwerken anzusehen. Dunkle Holzschindeln im Giebel, das Spitzdach mit Steinen beschwert, Heuschober, weißer Putz - so könnte das jüngste Häuschen, vor dem Figuren von Maria, Josef und den Heiligen Drei Königen neben dem Jesuskind knien, auch in den Alpen stehen.

13 Jahre lang lebte Kaven in der Nähe von Sonthofen und verbrachte dort seinen Ruhestand, nachdem er mit 60 sein Malergeschäft in Wuppertal abgeben konnte. "Gerade in der Weihnachtszeit ist es da sehr gemütlich, die Berge, der Schnee, das ist einfach eine feierliche Atmosphäre", sagt er. Eine, die ihn auch inspirierte, es mit dem Krippenbauen einmal zu versuchen. Handwerkliches Geschick bringt der Malermeister ohnehin mit.

Die Holzschindeln stammen von einer echten Almhütte

"Alles Natur, da ist kein Kunststoff dran", beschreibt der inzwischen 75-Jährige seine Philosophie. Das Holz für Dächer und Beplankung stammt gar aus den Schindeln einer zusammengebrochenen Berghütte, das er eigens eingesammelt und mit nach Herzkamp gebracht hat. Dort wohnt er mit seiner Frau seit eineinhalb Jahren, um seiner Heimatstadt Wuppertal, Freunden und Bekannten wieder nahe zu sein. Ganz in die City wollte er aber dann doch nicht ziehen.

Sein Schwiegersohn brachte ihn darauf, auch im neuen Heim wieder mit dem Krippenbauen anzufangen, weil im Bekanntenkreis Interesse für die wunderschönen Kaven’schen Unikate entstanden war.

Krippe kommt aus dem Mittel- und Althochdeutschen und bedeutet so viel wie Geflochtenes oder Flechtwerk. Krippen wurden und werden als Futterbehälter für Haus- oder Wildtiere eingesetzt.

Die Weihnachtskrippe geht auf die Weihnachtsgeschichte in der Bibel zurück, nach der Jesus in einem Stall bei Bethlehem zur Welt kam und von Maria und Josef in eine Krippe gelegt wurde (Lukas-Evangelium). Erste Darstellung von Weihnachtskrippen gab es Mitte des 16. Jahrhunderts in italienischen und spanischen Kirchen, wenig später waren sie auch in süddeutschen Kirchen und an Fürstenhöfen nachzuweisen.

Bedeutende Sammlungen gibt es in München, Brixen und Neapel. (Quelle: www.krippen.de). In Sprockhövel findet traditionell eine große Krippenausstellung in der Zwiebelturmkirche am Rande des Nikolausmarktes statt.

"Angemessen bezahlen kann einem die Arbeit keiner, so ist das eigentlich nur Hobby", sagt Jürgen Kaven und frönte dem in den Monaten vor dem Fest ausgiebig. Fast täglich zog er sich dann in seine kleine Werkstatt zurück, die er sich im Keller eingerichtet hat. Wenn er das Licht anknipst, geht automatisch das Radio an (Schlagersender WDR 4), Feilen, Sägen, Schleifmaschine, Pinsel und diverse Tuben Kleber und Farbe liegen griffbereit.

"Am Anfang wird das Gerippe des Hauses aus Sperrholz ausgesägt, die weiteren Ideen entstehen dann oft beim Bauen", erzählt er. So gehen dann drei, vier Stunden wie im Fluge vorbei - bis sich der Rücken vom langen Stehen meldet. Eine Woche braucht er, bis die Krippe fertig ist. Stroh, Flechten, Heu und Stöcke zur Ausstattung sammelt er bei Spaziergängen.

Eine von sieben Krippen, die er in diesem Jahr gebaut hat und auf dem Herzkamper Weihnachtsmarkt erstmals öffentlich vorstellte, ist noch übrig. "Die will ich der Kirchengemeinde schenken, die den Markt ausgerichtet hat", sagt er. Probleme, sich von seinen Werken zu trennen, hat er nicht. Nur ein Foto von jeder bewahrt er auf und natürlich hat eines seiner ersten Exemplare an Weihnachten im Wohnzimmer einen Ehrenplatz.

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