Sprockhövel, Schwelm und Gevelsberg haben Standards eingeführt, wie die Behörden auf Zeichen für Missbrauch oder Verwahrlosung reagieren können.

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Oft wird das Jugendamt erst durch Hinweise von Nachbarn oder Schulen auf Verwahrlosung aufmerksam.

Oft wird das Jugendamt erst durch Hinweise von Nachbarn oder Schulen auf Verwahrlosung aufmerksam.

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Oft wird das Jugendamt erst durch Hinweise von Nachbarn oder Schulen auf Verwahrlosung aufmerksam.

Sprockhövel. Anzeichen für Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellen Missbrauch - alle derartigen Meldungen, die das Jugendamt erreichen, werden jetzt nach einem standardisierten Melde- und Reaktionsplan behandelt.

Oberste Maxime: Schnell und angemessen handeln, um Sicherheit für die potentiellen Opfer, aber auch für die Mitarbeiter zu gewährleisten, die sich für ihr Handeln oder Nichthandeln (falls keine Gefahr gesehen wird) rechtfertigen müssen.

Fast ein Jahr lang haben die Jugendämter aus Sprockhövel, Gevelsberg und Schwelm unter Moderation des Landesjugendamts den Maßnahmenplan zur "Gefahrenabwehr bei Kindeswohlgefährdung" erarbeitet. Seit April ist er in Sprockhövel mittels Dienstverpflichtung durch den Bürgermeister eingeführt geworden.

Je nachdem, wo die Beobachtungen von Dritten gemeldet werden - ob beim Jugendamt, in den städtischen Kindergärten oder auch in Schulen - müssen Mitarbeiter und Schulsekretärinnen unverzüglich einen Meldebogen ausfüllen und an die zuständigen Stellen beim Allgemeinen Sozialen Dienst der Stadt weiterleiten. "Irgendjemand ist immer erreichbar. Auf jeden Fall ist gewährleistet, dass gleich gehandelt wird", sagt Evelyn Müller, Leiterin des Fachbereichs Jugend, Familie und Soziales bei der Stadt.

Je nach Einschätzung der Dringlichkeit, könne das auch Hausbesuche innerhalb der nächsten zwei, drei Stunden bedeuten. Neu ist, dass bei solchen Hausbesuchen immer zwei Fachkräfte vor Ort sein sollen. Unter Umständen wird das Kind dann (wie bisher) sofort in Obhut genommen, um zu klären, ob und, wenn ja, unter welchen Umständen es zurück in die Familie kann.

2008 erreichten das Jugendamt der Stadt 25 Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung, 2009 bisher zehn. Alle wurden geprüft.

Nach einer ersten Gefahrenabschätzung wurden 2008 vier, in diesem Jahr bisher drei Jugendliche zur "Perspektivklärung" aus der Familie herausgenommen.

Ansonsten wird zunächst eine weitere Risikoabschätzung vorgenommen und wieder auf Fragebögen dokumentiert. Zeigen sich die Eltern nicht kooperationsbereit, wird die Recherche auf Nachbarschaft, schulisches oder Kindergartenumfeld ausgedehnt. Festgelegt ist auch, wann Vorgesetzte, Polizei, Ordnungsamt oder Ärzte zu informieren sind.

"Natürlich sind wir allen Hinweisen auch vorher schon nachgegangen. Aber das neue Verfahren soll auch den Mitarbeitern - insbesondere in schwierigen Situationen, in denen der Stress hoch ist - einen Leitfaden an die Hand geben", sagt Evelyn Müller.

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