Der Ski-Freestyler aus Sprockhövel rechnet sich in Mönchengladbach Siegchancen aus. Bei den Snowboardern ist Bigair olympisch.

Der 24-Jährige aus Sprockhövel ist Deutscher Meister im Trickski und startet nach Weihnachten in die Weltcup-Saison. Im Nationalteam ist er der einzige Westfale unter Bayern.
Einmal abgesprungen, wirbelt Florian Preuss in Salti und Schrauben durch die Luft.

Einmal abgesprungen, wirbelt Florian Preuss in Salti und Schrauben durch die Luft.

Pally Learmond / Prime Park Sessions

Einmal abgesprungen, wirbelt Florian Preuss in Salti und Schrauben durch die Luft.

Mönchengladbach. Angst? Das ist ein Fremdwort für Florian Preuss, wenn er hoch oben auf der Schanze steht und sich dann den Abhang hinabstürzt. Doch nur irgendwie unten ankommen ist nicht sein Ding. Die Schwierigkeit, die waghalsigen Sprünge, der Nervenkitzel, das gewisse Etwas – das ist es, was den 25-Jährigen immer wieder auf die Hänge treibt. Der Schnee ist sein Element. Kein Wunder, wenn man im Alter von nur 18 Monaten bereits auf den Skiern stand. Seine Eltern Michael und Annette waren selbst begeisterte Wintersportler. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Sohn es ihnen nachmacht.

Geboren in Schwelm, lebt Preuss seit jeher in Sprockhövel. Die ersten Wettkämpfe bestritt er in jungen Jahren in der Neusser Skihalle oder in Winterberg. Mit 14 Jahren tauschte er sein Snowboard gegen Trick-Skier ein. Von nun an standen Sprünge auf zwei Brettern ganz oben in seiner Gunst. Der 25-Jährige gehört längst zu den besten deutschen Free-Skiern. 2016 wurde er Deutscher Meister im Slopestyle, einer Hindernisfahrt, die von Kampfrichtern bewertet wird. Seit fünf Jahren gehört er zum Nationalteam.

In Mönchengladbach geht er sozusagen als Lokalmatador an den Start – in der Disziplin Bigair. Eine hohe Flugkurve ist wichtig. Weit springen, und dabei Tricks zeigen. Das Ganze wird bewertet. Schwierigkeit, Ausführung, Weite, Höhe und die Landung werden von Richtern kritisch beäugt. Preuss freut sich auf seinen Heim-Weltcup. Der Mann aus Sprockhövel reist ansonsten um die Welt, zuletzt trainierte er mit vielen anderen Athleten im Stubaital in Österreich.

Mit dem Auto fährt Florian Preuss nun gute 40 Minuten bis zum Event nach Mönchengladbach. Quasi um die Ecke. Er sagt: „Das hier ist ein super Event. Das Publikum steht direkt an der Schanze. Ich freue mich tierisch.“

Ob nun von der Rampe oder auf Hügeln. Das mache keinen großen Unterschied für den Freestyler: „Wir springen genauso wie in den Bergen. Von hier oben auf der Schanze kann man kilometerweit gucken. Es macht einfach sehr viel Spaß.“ Respekt ist das Wort, das er verwendet, wenn er über seinen gefährlichen Sport spricht. Seit fünf Wochen ist er im Training. Fünf Tage in der Woche verbringt der Maschinenbaustudent im Schnee. „Der Sport hat Vorrang“, so sieht er es. Die Uni Bochum kooperiert mit dem deutschen Spitzensport. Fünf bis sechs Stunden Übung kommen am Tag zusammen. Es geht auch um Kraft- und Akrobatik. Ein lässiger Freizeitsport im Schnee ist es keinesfalls. Es braucht viel, um die Richter von seiner Kunst zu überzeugen: „Die nötige Lässigkeit gewinnt man durch Routine. Es darf nicht nach Arbeit aussehen, was man da macht.“

Die Disziplin Bigair ist für die Freeskier noch nicht olympisch. Im Slopestyle aber will Preuss die Norm des Deutschen Skiverbandes (DSV) für die Winterspiele 2018 noch schaffen. Ein Ergebnis dafür hat er aber noch nicht. Im Big- air rechnet er sich in Mönchengladbach einiges aus: „Die Konkurrenz ist stark. Wir haben eine hohe Leistungsdichte. Jeder kann Favorit sein. Ich brauche mich nicht zu verstecken.“

Anders als bei den Freeskiern ist Bigair bei den Snowboardern schon im olympischen Programm. Es geht in Mönchengladbach für einige um die Qualifikation, um die Setzlisten im eigenen Verband. Die beiden deutschen Frauen Silvia Mittermüller und Nadja Flemming können es hier nach Pyeongchang schaffen. Sie brauchen eine Top-16-Platzierung. Die amtierende Weltmeisterin Anna Gasser aus Österreich ist dagegen nicht am Start. Sie hat sich zuletzt beim Bigair-Event in Peking die Ferse geprellt und setzt aus. Die Nordamerikaner sind nicht dabei.

Nur vier Athleten pro Land dürfen zu Olympia fahren

Olympia wirft seine Schatten voraus. Es geht schon um die landesinternen Ausscheidungen. Heim-Events stehen an. „Die Konkurrenz ist dennoch stark besetzt. Das Feld bei den Herren ist sehr breit. Bei den Frauen ergibt sich ein homogenes Feld. Hier haben die Tricks und Schwierigkeiten der Sprünge enorm zugenommen“, sagt Oliver Kraus, Medienkoordinator für Snowboard des Weltverbandes FIS. In Mönchengladbach werden die fachkundigen Augen nun auf die Norweger Marcus Kleveland und Stale Sandbech schauen, Letzterer ist im März gekrönter Bigair-Weltmeister. Auch der Japaner Hiraki Kunitake, der Finne Ville Paumola und der Brite Billy Morgan geben sich als weitere Favoriten die Ehre. Nur vier Athleten pro Land dürfen zu Olympia fahren.

Noch sind die Freeskier im Bigair außen vor. Doch auch sie sollen bald zum olympischen Programm gehören. Die Spiele unter den Ringen wollen noch dynamischer und jugendlicher werden. Oliver Kraus sagt dazu: „Ich denke, dass es so kommen wird.“ Da kann sich Florian Preuss zusätzliche Hoffnung machen.

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