Das Jugendzentrum Haßlinghausen betreibt Ahnenforschung der besonderen Art.

Das Jugendzentrum Haßlinghausen betreibt Ahnenforschung der besonderen Art.
Gudrun Hansen (v.l.), Markus Matzel, Noel Gissel und Inken Gabriel sprechen über den Film.

Gudrun Hansen (v.l.), Markus Matzel, Noel Gissel und Inken Gabriel sprechen über den Film.

Gerhard Bartsch

Gudrun Hansen (v.l.), Markus Matzel, Noel Gissel und Inken Gabriel sprechen über den Film.

Sprockhövel. „Ein Film über Migranten in Sprockhövel, in der wir die Migranten sind?“, lautet die irritierte Reaktion von Menschen, die auf den Titel des neuen Filmprojektes „Migranten wie Wir“ angesprochen wird. Der gebürtige Hiddinghauser Markus Matzel sucht in Kooperation mit dem Jugendzentrum Haßlinghausen und der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule nach der Herkunft der Sprockhöveler. „Letztlich sind wir hier ja alle Migranten“, stellt der Profi-Fotograf, Filmemacher und Buchautor fest. „Denn 1818 hatte Sprockhövel nur 883 Bürger“, erklärt Matzel, dass Sprockhövel wie das gesamte Ruhrgebiet durch die Kohle und die Industrialisierung zu dem geworden ist, was es heute ist.

Durch die Unterstützung der Sparkassen-Stiftung Sprockhövel und der Dr. Albrecht Gräfer-Stiftung kann Matzel seine mit Gudrun Hansen entwickelte Idee nun verwirklichen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der „Kriegsfotograf“ beim Projekt „Flüchtlinge in Sprockhövel“ mitgewirkt. In Folge dessen entwickelte sich die Idee für das nun aktuelle Projekt.

Mit Gabriel (16) und Noel Gissel (18) fand Matzel zwei interessierte Schüler, die ihn bei dieser „regionalen Ahnenforschung“ tatkräftig unterstützen. Dabei bekommen die Jugendlichen nicht nur Kenntnis davon, wie ein Profi im Filmgeschäft in Sachen Recherche und technischer Zusammenstellung eines Filmes arbeitet, sondern dürfen auch selbst ran. So bekamen die Gesamt-Schüler etwa vom Höhlenarchäologen Stefan Voigt an der Hagener Blätterhöhle vorgeführt, was man in den Höhlen über die Geschichte der Region erfahren kann.

Viele Fachleute engagieren sich bei dem Projekt

Auch im Neanderthal-Museum stand den Jugendlichen mit der stellvertretenden Direktorin Dr. Bärbel Auffermann eine der besten Fachfrauen zur Seite. Sie konnte den jungen Filmemachern Antworten zu historischen Fragen geben.

Mit Inken Gabriel gewann Filmemacher Matzel einen aktuellen und lebenden Beweis dafür, wie die Internationalisierung der Menschen funktioniert. Denn die Familie der Schülerin stammt aus Dänemark. Während ihre Eltern nach Sprockhövel gekommen sind, zogen weitere Verwandte nach Kanada. „Dass ihre beste Freundin mit Qingdaou aus der ehemaligen deutschen Kolonienstadt in China kommt, zeigt, dass die Welt früh internationalisiert wurde“, führt Matzel an.

Dass sie bei ihren Arbeiten teils Zeugen neuer Erkenntnisse der Forschung sein dürfen, begeistert die Sprockhöveler Filmemacher besonders. So müssen sie ihre Aufnahmen im Neanderthal-Museum neu drehen, weil dort die „Deko“ ausgetauscht wurde. „Die Forschungen haben ergeben, dass die Neandertaler teilweise schwärzere Haut hatten“, berichtet Markus Matzel.

Sein neuer Film „Migranten wie wir“ soll so wissenschaftlich wie möglich sein und dabei helfen, einen neuen Blick auf die Stadt und die aktuelle Flüchtlingssituation zu schaffen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer