Bei der Arbeitsagentur Hagen steht das Telefon nicht mehr still. In Sprockhövel ist Wicke die erste größere Firma, die die Flaute durch Kurzarbeit überbrücken will.

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Zeichen der Kurzarbeit bei Wicke. An diesen Montageplätzen, wo sonst drei Mitarbeiter tätig sind, setzt derzeit nur einer Rollen zusammen.

Zeichen der Kurzarbeit bei Wicke. An diesen Montageplätzen, wo sonst drei Mitarbeiter tätig sind, setzt derzeit nur einer Rollen zusammen.

UweSchinkel

Zeichen der Kurzarbeit bei Wicke. An diesen Montageplätzen, wo sonst drei Mitarbeiter tätig sind, setzt derzeit nur einer Rollen zusammen.

Herzkamp/Hagen. Bei den für Kurzarbeit zuständigen Mitarbeitern der Hagener Agentur für Arbeit läutet das Telefon derzeit ständig. "Rund 50 Anrufe pro Tag hat jeder von Unternehmen, die sich für Kurzarbeit interessieren", schätzt Agentur-Sprecher Ulrich Brauer. Seien es eine wegbrechende Auftragslage oder die Angst vor der großen Krise - viele begegnen der um sich greifenden Unsicherheit mit diesem Mittel. "Positiv ist immerhin, dass sie nicht gleich Mitarbeiter entlassen", sagt Brauer, der weiß, dass Kurzarbeit im allgemeinen ein Vorbote, sich eintrübender Konjunktur ist. Derzeit seien etwa 5500 Beschäftigte in Hagen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis von Kurzarbeit betroffen, Tendenz rapide steigend. Die meisten Kurzarbeiter kommen aus der Automobilzuliefer-Industrie und dem Transportwesen, doch inzwischen seien auch Firmen aus andere Bereiche betroffen.

So wie Wicke, der Herzkamper Spezialist für Schwerlast-Rollen und -Räder. Als erster größerer Betrieb aus Sprockhövel hat Wicke ab Januar Kurzarbeit angemeldet. "Wir beliefern schließlich die Investitionsgüterindustrie, und wenn keine Gabelstabler gebaut werden, können wir auch unserer Räder nicht absetzen", nennt Personalchef Peter Steinmann ein Beispiel aus dem breit gefächerten Anwendungsspektrum der Wicke-Produkte.

Ab Oktober brachen die Aufträge weg

Gerade weil die Wicke-Rollen so vielfältig verwendet werden, beispielsweise in Rolltreppen, Aufzügen, Einkaufs- und Transportwagen sei der seit Oktober spürbare Auftragseinbruch so verwunderlich. Bis zum Sommer sei noch alles ganz normal gelaufen. "Unsere Chef Klaus Schlösser hat gesagt, er habe das in dieser Form in 40 Jahren nicht erlebt", berichtet Steinmann von einer Betriebsversammlung im Dezember.

"Was uns auf der Seele liegt, ist unser Personal halten zu können", sagt Steinmann. Dem Personal zu Liebe habe man auch darauf verzichtet, die laut Tarifvertrag mögliche Regelung in Anspruch zu nehmen, die Wochenarbeitszeit von 30 auf 35Stunden abzusenken - ohne Lohnausgleich. Für die rund 260 Mitarbeiter hätte das größere finanzielle Einbußen bedeutet als derzeit durch das Kurzarbeitergeld.

Das Personal soll unbedingt gehalten werden

Steinmann: "Wir sehen zu, dass weiter alle Bereiche im Haus besetzt sind, um flexibel und handlungsfähig zu bleiben. Es ist ja nicht so, dass wir gar keine Arbeit haben." Die Belegschaft ist aber deutlich ausgedünnt. Viele bleiben einen oder mehrere Tage pro Woche zu Hause. Samstags und teilweise auch sonntags wie in Boomzeiten wird schon seit Sommer nicht mehr gearbeitet. Bis Ende des Jahres wurden außerdem Überstunden abgebaut, um dem zurückgehenden Auftragseingang gerecht zu werden. Kündigungen will Wicke auch weiter vermeiden. Nur eine Handvoll zum Jahresende auslaufende Zeitverträge seien nicht verlängert worden. "Irgendwann hört die Flaute auch wieder auf, dann braucht man jede Fachkraft", sagt Steinmann. Wann, das könne derzeit niemand sagen. Er habe vorsorglich für ein halbes Jahr Kurzarbeit angemeldet. "Früher aussteigen können wir immer noch, unser Geschäft ist sehr kurzfristig, das kann sich von Monat zu Monat ändern."

Betriebe, in denen mindestens ein Drittel der Beschäftigten von einem Arbeitsausfall von mehr als zehn Prozent der Monatsarbeitszeit betroffen sind, können bei der Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld beantragen. Die Agentur zahlt dann für die jeweiligen Tage, an denen der Mitarbeiter nicht arbeitet 60, beziehungsweise 67Prozent (Familienväter) des üblichen Lohns. Das gilt auch, wenn die Arbeitsausfälle im Extremfall 100Prozent betragen.

Seit Oktober 2008 ist die Zahl der Betriebe, die bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit angemeldet haben, sprunghaft gestiegen. Waren bis dahin pro Monat zwischen 80 und 360 Kurzarbeiter für den Ennepe-Ruhr-Kreis und für Hagen registriert, waren es im Oktober 600, im November 825 und im Dezember 4089. Nach aktuellen Schätzungen sind derzeit rund 5500 Arbeitnehmer in 284 Betrieben von Kurzarbeit betroffen.

Die Arbeitsagentur in Hagen wirbt massiv bei den Firmen, das Instrument der Kurzarbeit zu nutzen, ehe Entlassungen erwogen werden und die Zeiten gleichzeitig für eine Weiterbildung der Mitarbeiter zu nutzen.

Bernd Trebehs, Sachbearbeiter für Kurzarbeitergeld bei der Arbeitsagentur, hat noch die Hoffnung, dass bei vielen Firmen, die derzeit Kurzarbeit anmelden, auch "eine Menge Panik" angesichts der schlechten Nachrichten von Wirtschafts- und Finanzmärkten dabei ist und viele ihre Aktivitäten erst einmal herunterfahren, um ein neues Grundmaß zu finden. "Wenn das wirklich mit dem vorhandenen Bedarf zu tun hätte, dann sähe es böse aus."

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