Thomas Jansen sieht den heimischen Wald im Wandel. Vor allem seit dem Sturm Kyrill und der Hitzewelle in diesem Frühsommer.

Thomas Jansen sieht den heimischen Wald im Wandel. Vor allem seit dem Sturm Kyrill und der Hitzewelle in diesem Frühsommer.
Thomas Jansen mit seinem Jagdhund Frisco.

Thomas Jansen mit seinem Jagdhund Frisco.

Anna Schwartz

Thomas Jansen mit seinem Jagdhund Frisco.

Sprockhövel. Es wird wärmer auf der Erde, das gilt für die Antarktis genauso wie für Sprockhövel mit seinem vielen Grün. Was heißt das, etwa für den Wald? Einer, der sich bestens mit den heimischen Wäldern auskennt, ist Thomas Jansen. Er ist Forstamtmann im Landesbetrieb Wald und Holz und Leiter des Forstbetriebsbezirks Hattingen, der auch für Sprockhövel zuständig ist. „Sicher ist, es wird was passieren“, sagt er. „Was genau, kann man schwer sagen. Wir müssen sehen und dann reagieren.“ Ein für ihn völlig neues Phänomen ist ihm allerdings nach der massiven Hitzewelle in diesem Frühsommer aufgefallen: „Es hat einige Buchen gegeben, die aufgegeben haben.“ Das könne besonders in alten, wenig durchforsteten Beständen zum Problem werden. Buchen reagieren sensibel auf Licht. Bekommen nun Bäume durch die entstandene Lücke plötzlich zu viel davon, könne sich das Sterben in den Bestand hineinfressen.

Grundsätzliche Veränderungen erwartet Jansen auf eher trockenen Hügelkuppen, auf denen sich Buchen gerade eben so halten. Aus forstlicher Sicht könnten das Standorte sein, auf denen man, um dem Klimawandel Rechnung zu tragen, eher Baumarten wie Traubeneiche, Kiefer oder Douglasie pflanzen sollte, wenn die Buche ausfällt.

Ein Viertel der Stadtfläche Sprockhövels besteht aus Wald

Ein gutes Viertel der Stadtfläche ist mit Wald bestanden. Das ist zum allergrößten Teil Privatwald, etwa zehn Prozent gehören dem Kreis und ein ganz kleines Stück der Stadt. Etwa die Hälfte der Bestände besteht aus Buchenwald. Nach dem Sturm Kyrill gibt es nur noch etwa 15 Prozent reinen Nadelwald. Das Übrige ist Mischwald. Kyrill zeichnet für den massivsten Wandel in Sprockhövels Wäldern verantwortlich. Von denen, die die vom Sturm geworfenen Flächen wieder aufgeforstet haben, haben viele nicht mehr die windanfälligere Fichte in Monokulturen gepflanzt. Bei den Nadelbäumen haben da eher Lärche und Douglasie eine Chance bekommen.

Und manche haben, nach dem Räumen der Fläche, einfach geguckt, was von selbst kommt. Das sind dann erst mal Pionierbäume wie die Birke, in deren Schatten sich Naturverjüngung ansiedeln kann. Buchen etwa brauchen Schatten, um zu wachsen. Jansen: „Buchen mit Gewalt auf Freiflächen zu setzen, ist nicht gut.“ Da es in Sprockhövel bei den Waldbauern so gut wie keinen Vollerwerb gebe, sei das mit der Naturverjüngung eher zu machen.

Für das Prinzip Naturverjüngung spreche einiges, meint Jansen. Zum einen kommen dann verstärkt Baumarten zum Zuge, die besser an den jeweiligen Standort angepasst sind. Zum anderen seien Bäume, die sich auf natürlichem Wege ansiedeln, grundsätzlich stabiler als Setzlinge aus einer Baumschule.

Alles in allem denkt man im Waldbau in großen Zeiträumen. Nur wer schneller reiferes Nadelholz pflanzt, kann noch selbst etwas vom wirtschaftlichen Ertrag haben. Wer Buchen und Eichen setzt, tut frühestens der kommenden Generation etwas Gutes. Mit dem, was man heute tut, stellt man die Weichen für eine lange Zeit. Will man sehen, was passiert, und entsprechend reagieren, wie es Jansen in Zusammenhang mit dem Klimawandel formuliert hat, muss man diese Langfristigkeit im Auge haben.

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