Nach einiger Verzögerung hat die Zukunftskommission ihre Arbeit begonnen und sammelt Ideen.

Nach einiger Verzögerung hat die Zukunftskommission ihre Arbeit begonnen und sammelt Ideen.
Ein mögliches Projekt, das aus der Zukunftskommission erwachsen könnte: ein Bürgerbus fürs Quartier. Archiv

Ein mögliches Projekt, das aus der Zukunftskommission erwachsen könnte: ein Bürgerbus fürs Quartier. Archiv

Uwe Schinkel

Ein mögliches Projekt, das aus der Zukunftskommission erwachsen könnte: ein Bürgerbus fürs Quartier. Archiv

Sprockhövel. Bereits vor zweieinhalb Jahren startete die Stadt Sprockhövel einen ersten Anlauf, das Thema Quartiersentwicklung in die Tat umzusetzen. „Aus dem Gremium zur Haushaltskonsolidierung ist seinerzeit die Zukunftskommission hervorgegangen“, erklärt SPD-Fraktionschef Wolfram Junge. Die Aufgabe: Ideen für den städtischen Haushalt entwickeln und über die Zukunft der Stadt nachdenken. „Im Zuge der Flüchtlingssituation, die auch in Sprockhövel viele Ressourcen gebunden hat, sind die Bemühungen vorübergehend eingeschlafen“, so Junge. Nun soll das Projekt endlich Fahrt aufnehmen.

„Quartiere sind ein wichtiger Aktionsraum“

Zum Auftakt gab Referent Thorsten Bölting vom Landesbüro altengerechte Quartiere NRW, rund 35 Bürgern einen Überblick über das Thema. „Wir können die Zukunft der Stadt nicht ohne die Bürger gestalten, die hier leben“, glaubt Junge, der gemeinsam mit Grünen-Fraktionschef Thomas Schmitz den Abend moderiert. Deshalb sollen alle Treffen der Zukunftskommission – die sich außerdem mit den Themenfeldern Bildungs- und Verwaltungsentwicklung und Angebote an Bürger befasst - öffentlich sein.

„Quartiere sind ein wichtiger Aktionsraum“, betont Thorsten Bölting. Dabei werde der unmittelbare Lebensraum von seinen Bewohnern durchaus unterschiedlich wahrgenommen. Bei Befragungen in anderen Städten kristallisierten sich aber immer wieder Bereiche wie Infrastruktur – sind Nahversorger, Ärzte, Schulen, Apotheken in der Nähe –, Sicherheit und Mobilität als elementare Bestandteile heraus.

Ziel der Quartiersentwicklung sei es: „Den Bewohnern ein langes selbstbestimmtes Leben in ihrem gewohnten Umfeld möglich zu machen, lebendige Beziehungen zu gestalten und den gesellschaftlichen Dialog zu fördern.“ Bölting hebt ausdrücklich hervor, dass es nicht ausschließlich um seniorengerechtes Wohnen geht, sondern um ein generationsübergreifendes Miteinander – ein Stück Heimat vor der Haustür eben. Um diese Ziele zu erreichen, gibt es vom Land verschiedene Fördermöglichkeiten sowohl finanzieller Art als organisatorische Unterstützung.

Bei den Zuhörern im Saal der Sparkasse machte sich nach dem Vortrag erst einmal Ratlosigkeit breit: „Was ist ein Quartier?“ „Wie sollen wir neben sechs Ortsteilen die abgelegenen ländlichen Gebiete eingliedern?“ „Wo soll man denn da anfangen?“ „Was ist der Unterschied zwischen Quartiersentwicklung und Stadtentwicklung?“ Das waren die drängendsten Fragen der Anwesenden, die immer wieder konkrete Beispiele forderten, um das Thema zu fassen zu bekommen.

Antworten darauf konnten weder der Referent noch die beiden Moderatoren geben. „Ein Quartier kann nicht mit dem Zirkel abgesteckt werden“, so Bölting.

Wichtig sei es, zunächst die Bedürfnisse der Bewohner abzufragen und daraus Projekte zu entwickeln. Dabei lohne sich auch in Blick in Gemeinden, die auf ihrem Weg schon weiter sind und beispielsweise Bürgerbusse, Tauschläden, eine mobile Lebensmittelversorgung oder rege Diskussionsrunden aus der Taufe gehoben haben.

Immerhin erklärten sich am Ende 18 Personen bereit, die Quartiersentwicklung tatkräftig in Arbeitsgruppen vorantreiben zu wollen. Sie einigten sich auf das pragmatische Motto „Einfach mal machen“ und sehen ihren neuen Aufgaben mit Optimismus entgegen.

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