Bergmann war Hans-Walter Erlbruchs Traumberuf. Er ist Dreher geworden, lebt seine Leidenschaft aber als Hobby voll aus. Selbst einen TV-Film hat er ausgestattet.

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Eine der letzten Bergmannsfiguren, die bei Erlbruchs ehemaliger Firma Hausherr gestanzt wurden, ziert seine Garage.

Eine der letzten Bergmannsfiguren, die bei Erlbruchs ehemaliger Firma Hausherr gestanzt wurden, ziert seine Garage.

Wolfgang Westerholz

Eine der letzten Bergmannsfiguren, die bei Erlbruchs ehemaliger Firma Hausherr gestanzt wurden, ziert seine Garage.

Wenn Hans-Walter Erlbruch seine Frösche hervorholt, dann ist nichts von grünen Hüpfern zu sehen. Wenn er sich einen auf die Lampe gießt, hat das wenig mit Alkohol zu tun. Er hat zwar eine Menge auf dem Kerbholz, das heißt aber nicht, dass er etwas ausgefressen hat. Erlbruch sammelt einfach nur alles, was mit Bergbau zu tun hat.

"Bergbau war immer mein Hobby und ist es auch geblieben", sagt der 64-Jährige. Und wer sein Haus in der Schulstraße betritt - eine ehemaliger Werkswohnung der Zeche Alte Haase - dem geht in dieser Richtung sofort mehr als ein Licht auf. In der guten Stube im Erdgeschoss, wo früher seine inzwischen verstorbene Mutter wohnte, biegen sich die Regale und Schränke von historischen Werkzeugen, Figuren aus Schnitzkohle, Alben mit Zechenfotos, Dokumenten und Zeitungsausschnitten, Kienspänen, Kappen und einem riesigen Sammelsurium an Grubenlampen.

Zu denen gehören eben auch jene Frösche - kleine Öllampen, die zum Teil bis zu 200 Jahre alt sind. "Ein Füllung kostete damals zwei Pfennig und musste von den Kumpels selbst bezahlt werden", erklärt Erlbruch den Ursprung der Redewendung "sich einen auf die Lampe gießen.

Ob Karbit-, Benzin- oder auch die späteren Akku-Lampen - fast alles funktioniert noch. Kein Wunder, dass sich bei dem Sprockhöveler sogar mal der Südwestfunk für seinen Film "Rote Erde" bediente. "Die brauchten Helme, Jacken und Lampen. Das Bergbaumuseum in Bochum verleiht nichts, hat die Fernsehleute aber an mich verwiesen", erinnert sich Erlbruch. Mit Ausstellungen, die er jahrelang in Sprockhövel und Umgebung bestückte und mit dem Heimat- und Geschichtsverein auch selbst initiierte, hat er sich in Kennerkreisen einen Namen gemacht. Nach einem Zerwürfnis mit dem Vereinsvorstand macht er allerdings nur noch sein eigenes Ding. Er zeigt Nachbarskindern und auch Schulklassen seine detailgenauen Modelle alter Kleinzechen. Zuletzt war er beim Tag der offenen Tür in der Maschinenhalle von Alte Haase mit einer kleinen Auswahl seiner Sammlerstücke vertreten.

Mit einem Foto der Zeche Alte Haase begann die Sammelleidenschaft

Ein Foto der Zeche war es 1969 schließlich, das seine Sammelleidenschaft weckte. Danach war er ständig auf Flohmärkten unterwegs, bekam aus Nachlässen jede Menge geschenkt oder grub bei Betriebsauflösungen das ein der andere "Schätzchen" aus.

Selbst hat Hans-Walter Erlbruch nie unter Tage gearbeitet, hat aber den Niedergang der Bergbaukultur in Sprockhövel hautnah miterlebt. 1959 fing er auf der Zeche Alte Haase als Dreher-Lehrling an. Den Lehrvertrag, der für das erste Jahr 78 Mark Monatslohn auswies, hat er natürlich noch. Dass es zusätzlich 30 Zentner Kohle pro Jahr und täglich ein "Mutterklötzchen" zum Anzünden gab, freute damals auch seine Mutter, obwohl sie resolut entschieden hatte, dass ihr Sohn kein Bergmann wird. "Eigentlich war das mein Wunschberuf, aber einerseits fürchtete meine Mutter die Vorstellung, dass ich unter Tage gehe, andererseits gab es bereits Zechenschließungen", erinnert sich der 64-Jährige. Dreher schien da doch die sicherere Berufswahl.

Als Hausherr dicht machte, war für Erlbruch Schicht - Frührente

Das Zechensterben hat ihn dann später doch erwischt, auch wenn er 1965 zur Sprockhöveler Firma Hausherr wechselte. Im Jahr 1993 war für den berühmten Sprockhöveler Bergbauzulieferer ebenfalls Schicht. Erlbruch war zwar erst 49 Jahre alt, hatte jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme keine Aussicht mehr auf einen Job. Seitdem ist er Frührentner und hat noch mehr Zeit für sein Hobby.

"Damals habe ich angefangen aus Styropor und Holz Modelle zu bauen. Ob der Pferdegöpel, der sich dreht, um die Kohle nach oben zu schaffen oder die liebevolle Beleuchtung - alles ist so funktionell wie möglich. Auch das große Modell der Zeche Alte Haase, das in der Heimatstube des Heimat- und Geschichtsvereins ausgestellt ist, stammt von ihm.

Als sich der Förderverein bergbauhistorischer Stätten Ende der 1980er Jahre gründete und damit begann, Bergbauwanderwege auszuweisen, gehörte Erlbruch zu den treibenden Kräften. Er war es, der sich an den alten Stollen unter dem Malakowturm erinnerte, dessen verschütteter Ausgang vor Jahren freigelegt wurde, und er entdeckte Fledermäuse in einem ehemaligen Stollen der Zeche Stock & Scherenberg. Anschließend setzte er sich dafür ein, dass dieser nicht komplett mit Beton dicht gemacht und den Tieren so der Unterschlupf versperrt werden durfte. Stolz zeigt Erlbruch die Zeitungsausschnitte von damals, mag es andererseits gar nicht, wenn sich andere aus seiner Sicht mit seinen Federn schmücken. Deshalb ist er zum Einzelgänger in Sachen Bergbauhistorie geworden.

Statt Ausstellungen organisiert er jetzt den Seniorentanz bei der Awo

Dafür engagiert sich Erlbruch seit Jahren in der Awo Haßlinghausen. Mit Ehefrau Angelika und weiteren Helfern organisiert er den monatlichen Seniorentanz-Tee in der Grundschule Haßlinghausen. "Der ist immer ein großer Erfolg", freut sich Angelika Erlbruch. Das Bergbau-Hobby ihres Mannes hat sie ebenfalls stets mitgetragen Sie hat ihn auf Ausstellungen und zu Flohmärkten begleitet. Die gemeinsame Wohnung im ersten Stock des Erlbruch’schen Hauses ist von den Sammlerstücken aber frei geblieben - zumindest weitgehend. Verschmitzt zeigt Hans-Walter Erlbruch auf eine Holztafel im Flur, die mit nummerierten Blechmarken bestückt ist. "Die ist von Alte Haase. Jeder musste daran seine Erkennungsmarke aufhängen, wenn er von der Schicht kam." - Seine eigene Nummer trägt er bis heute am Schlüsselbund.

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