Heute vor 80 Jahren wurde der Ennepe-Ruhr-Kreis gegründet. Die Stadt Sprockhövel entstand erst 51 Jahre später.

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Die Gemeinde Sprockhövel war namensgebend, die Verwaltung zog nach Haßlinghausen.

Die Gemeinde Sprockhövel war namensgebend, die Verwaltung zog nach Haßlinghausen.

Uwe Schinkel

Die Gemeinde Sprockhövel war namensgebend, die Verwaltung zog nach Haßlinghausen.

Sprockhövel. "Der Ennepe-Ruhr-Kreis - Die Entstehung eines Landkreises aus der Retorte". So lautet die Überschrift eines Buchs über den heute vor 80Jahren gegründeten Ennepe-Ruhr-Kreis. Im Zuge der kommunalen Neugliederung des Rheinisch-Westfälischen Industriegebiets wurden auch im Gebiet zwischen den Flüssen Ruhr und Ennepe die Grenzen neu gezogen.

Aus 28 Gemeinden und fünf Ämtern wurden 1970 elf Städte

Am 1. August 1929 entstand ein völlig neuer Landkreis mit einer Fläche von etwa 414 Quadratkilometern und etwa 165000 Einwohnern. Mittendrin in diesem neuen Kreis: das heutige Sprockhövel, damals noch aufgeteilt in die Ämter Sprockhövel und Haßlinghausen. Von einer Stadtgründung waren die einzelnen Gemeinden damals noch weit entfernt.

Bis 1970 sollte es dauern, bis Sprockhövel seine heutigen Stadtgrenzen erhielt. Bis dahin wurde so manche Amtszugehörigkeit und Verwaltungsaufsicht verändert. Bis 1969 bestand der Ennepe-Ruhr-Kreis aus 28 Gemeinden und fünf Ämtern. Die kleinste Gemeinde Elfringhausen hatte nur 273 Einwohner. Zu wenig befand das Land Nordrhein-Westfalen und brachte 1969 einen Gesetzesentwurf zur kommunalen Neuordnung vor.

Um den Ennepe-Ruhr-Kreis als "Ballungsrandzone" zu erhalten und vor "Zersiedelung" zu schützen, gab es zwei Alternativen: Entweder musste das Kreisgebiet auf die umliegenden Großstädte verteilt werden oder die Zahl der Gemeinden unter Beibehaltung des Kreises verringert werden.

Gegen eine Verbindung von Sprockhövel sprach sich damals Schöller aus

Man entschied sich für Letzteres und ein Modell sah vor, die Gemeinde Sprockhövel mit Bredenscheid-Stüter, Oberstüter, Nieder- und Oberelfringhausen zu einer Gemeinde zusammenzufassen. Während Haßlinghausen, Hiddinghausen, Gennebreck und Linderhausen mit Gebietsabtretungen die Stadt Haßlinghausen hätten bilden sollen.

Daten und Fakten aus diesem Artikel beruhen auf einer Ausarbeitung der Stadtarchivarin Karin Hockamp.

Wer die Unterlagen einsehen und mehr wissen will, kann sich im Stadtarchiv informieren: Dresdner Straße 45, Telefon 02324/ 9701-555.

Gegen eine Verbindung von Sprockhövel sprach sich damals der Geographie-Professor Peter Schöller aus. Seiner Meinung nach war eine Verbindung von Sprockhövel und Haßlinghausen "problematisch", er sprach von einer "Linie geringster Gemeinsamkeiten".

Statt einer Nord-Süd-Grenze plädierte der Sprockhöveler Gemeinderat hingegen für einen Zusammenschluss mit dem Amt Haßlinghausen. Am Ende wurde die Zahl der Gemeinden im EN-Kreis auf neun reduziert und es entstand die Stadt Sprockhövel in ihrer heutigen Form. Namensgebend war die Gemeinde Sprockhövel, dafür zog die Verwaltung ins Amtshaus Haßlinghausen.

Eine gewachsene Stadt ist Sprockhövel also nicht, eher eine Stadt mit bipolarem Charakter, die im EN-Kreis, der 1975 noch einmal seine Grenzen änderte, ihren festen Platz gefunden hat.

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