Der Betrieb soll bis zum nächsten Jahr sukzessive nach Polen verlagert werden. Eigentümer ist der Finanzdienstleister Aurelius.

Der Betrieb soll bis zum nächsten Jahr sukzessive nach Polen verlagert werden. Eigentümer ist der Finanzdienstleister Aurelius.
Ein Verkauf des Gebäudekomplexes gilt bei der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie als wahrscheinlich. Wirtschaftsförderer glauben dabei an einen niedrigen siebenstelligen Betrag.

Ein Verkauf des Gebäudekomplexes gilt bei der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie als wahrscheinlich. Wirtschaftsförderer glauben dabei an einen niedrigen siebenstelligen Betrag.

Stefan Fries

Ein Verkauf des Gebäudekomplexes gilt bei der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie als wahrscheinlich. Wirtschaftsförderer glauben dabei an einen niedrigen siebenstelligen Betrag.

Sprockhövel. Es ist eine bittere Nachricht für die Stadt, vor allem aber für fast 200 Beschäftigte eines traditionsreichen Unternehmens: In Sprockhövel steht Reuss-Seifert vor dem Aus. Der Bauzulieferer und Hersteller von Folien hatte erst im vergangenen Jahr den Eigentümer gewechselt, Investor ist Finanzdienstleister Aurelius. Der will den Betrieb nach Polen verlagern, wie Unternehmenssprechierin Anke Banaschewski auf Nachfrage der WZ mitteilte: „Bereits im Herbst 2016 wurde den Arbeitnehmern mitgeteilt, dass die vier bis dato in Deutschland befindlichen Produktionsstandorte von Reuss-Seifert nach Polen verlagert werden müssen.“

„Diese Entscheidung war und ist wirtschaftlich für den Fortbestand des Unternehmens alternativlos.“

Anke Banaschewski, Sprecherin

Voraussichtlich 194 der rund 220 Arbeitsplätze werden daher schon bald wegfallen, sagt Manuel Bloemers von der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, IG BCE. „Das beginnt jetzt sukzessive und wird schätzungsweise Mitte 2018 abgeschlossen sein.“ Dann werde die komplette Produktion nicht mehr vor Ort sein, lediglich einige Stabsfunktionen blieben in Sprockhövel. Viele Mitarbeiter mit langjährigen Beschäftigungsverhältnissen seien unter den Betroffenen, „und – was das Ganze zusätzlich problematisch macht – auch solche mit einem teils schwierigen Qualifikationsstand“, wie Bloemers es ausdrückt. Also Menschen ohne Ausbildung, die womöglich „richtig hart aufschlagen“ würden.

Man habe sich um Lösungen bemüht, doch vorgelegte Konzepte, den Schaden zu minimieren und zumindest einen Teil der Arbeitsplätze zu retten, seien von Aurelius abgelehnt worden, so Bloemers. „Das ist wirklich bitter.“

Die Reuss-Seifert & Hammerl-Gruppe ist zum 1. Januar 2016 von Aurelius übernommen worden. Zuvor habe das Unternehmen bereits über mehr als fünf Jahre operative Verluste gemacht, ist von Aurelius zu hören. „Die Alternative zu einem Verkauf wäre die Liquidation des Unternehmens gewesen“, teilte Aureliussprecherin Banaschewski auf Nachfrage der WZ mit. „Die Standorte waren extrem veraltet, heruntergewirtschaftet – und unterinvestiert.“

AUFGABE Aurelius ist nach eigener Aussage auf die Übernahme von Unternehmen in Spezial- und Sondersituationen spezialisiert. Hierbei handele es sich in der Regel um Unternehmen „die bereits seit mehreren Jahren durch Missmanagement, eine veränderte Branchensituation oder anderweitig in eine operative Schieflage geraten“ seien und entsprechend Verluste machen, so Aurelius-Sprecherin Anke Banaschewski. „Diese schwierigen Fälle richten wir nach der Übernahme durch verschiedene operative Maßnahmen mit unserem eigenen Personal wieder neu aus.“ Dies sei auch am Standort Sprockhövel der Fall gewesen.

Die aktuelle Verlagerung betrifft laut Aurelius rund 190 Mitarbeiter. Sie „ist bereits in Umsetzung und soll bis Anfang 2018 weitergehen. Diese Entscheidung war und ist wirtschaftlich für den Fortbestand des Unternehmens alternativlos“, so Banaschewski. Auch die Produktionsstätten der meisten Wettbewerber befänden sich im osteuropäischen Ausland. „Der Standort von Hammerl, 65 Mitarbeiter, sowie rund 20 Mitarbeiter in Zentralfunktionen und dem Vertrieb verbleiben in Deutschland. Zudem wird in Deutschland auch weiterhin in die Produktneuentwicklung investiert.“

Wie es mit dem Firmengebäude weitergeht, muss sich nun zeigen. Bei der Gewerkschaft geht man davon aus, ,,dass der Komplex verkauft wird“, so Bloemers. Hinzugezogene Wirtschaftsförderer hätten von einem „niedrigen siebenstelligen Betrag“ gesprochen, für den das Gelände verwertet werden könnte. Doch Reuss-Seifert in Sprockhövel dürfte so, wie es jetzt bekannt ist, dann längst Geschichte sein. Nicht nur für die Gewerkschaft ist das Aus des traditionsreichen Unternehmens, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1906 zurückreichen, „eine herbe Enttäuschung“. Die Erfahrungen, die andere Unternehmen mit Aurelius gemacht haben, hätten sich vor Ort bestätigt, so Bloemers.

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