Das Industrie-Denkmal hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Ende der 1980er Jahre drohte sogar sein Abriss – ehe sich Bürger und die Politik für seine Rettung einsetzten.

900 000 DM flossen einst in die Rettung des Turms.
900 000 DM flossen einst in die Rettung des Turms.

900 000 DM flossen einst in die Rettung des Turms.

Gerhard Bartsch

900 000 DM flossen einst in die Rettung des Turms.

Sprockhövel. Der Malakow-Turm der Zeche Alte Haase wird in diesem Jahr 120 Jahre alt und ist zweifelsohne das bergbaugeschichtliche Denkmal nicht nur für Sprockhövel, wo die Wiege des Kohleabbaus im Ruhrgebiet stand, sondern wohl für das Gesicht der meisten Zechen an der Ruhr. Malakow ist übrigens nicht etwa ein Pionier des Ruhrbergbaus, sondern der Name steht für den Baustil der aus Ziegeln gemauerten Fördertürme, von denen derzeit noch zwölf erhalten sind.

„Fort Malakoff“ war eine Festung oberhalb von Sewastopol im Krimkrieg (1854-1856) und wurde zum Symbol für eisernen Behauptungswillen. Ein Charakterzug, der die Menschen im Ruhrgebiet seit eh und je geprägt hat. Ludger Haferkamp, der Gründer des Heimat-und Geschichtsvereins in Sprockhövel, begründet in seinem Aufsatz anlässlich des 100. Geburtstag des Malakow-Turms den Verzicht auf ausschließliche Funktionalität des Bauwerks und der Hinwendung zu einer kostenträchtigeren, dekorativen Architektur mit dem Wunsch der „Industriebarone“, es dem Adel gleichzutun.

So ist der Sprockhöveler Malakow-Turm, im Vergleich zu seinen Namensvettern im „Ruhrpott“ vergleichsweise zierlich, aber dennoch ein dekorativer Blickfang und damit als Baudenkmal mit neuromanischen Stilelementen mehr als tauglich.

Der Turm hat für Sprockhövels Bevölkerung auch eine unschätzbare Bedeutung als Identifikations-Symbol, das für eine mehr als fünf Jahrhunderte stehende Bergbaugeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen steht, wie Haferkamp betont.

Sprockhövels

Ein Teil des Zechengeländes „Alte Haase“ wird mittels Lofts wohnwirtschaftlich genutzt. „Wir würden uns wünschen, wenn insgesamt auf dem seit Jahren verwaisten Zechengelände mehr Leben einkehren würde, um den drohenden Verfall Einhalt zu gebieten. Jede Nutzung ist besser als keine“, so Ingrid Döbbelin von der Funktionsstelle Wirtschaftsförderung der Stadt Sprockhövel.

Denkmäler

Zwar wurde der Malakow-Turm durch einen Beschluss des Rates im Juli 1983 in die Liste der Baudenkmäler aufgenommen, doch der neue Besitzer des Areals, ein Unternehmen, das keinerlei Bezug zur Bergbaugeschichte hatte, ließ den Turm verfallen. Soweit sogar, dass er, nachdem der Zahn der Zeit mit Unterstützung von Wind und Wetter eifrig an ihm genagt hatte, durch herabfallende Steine sogar eine Gefahr für die Allgemeinheit darzustellen drohte. Birken wuchsen aus der Mauerkrone heraus, und er bot nur noch ein klägliches Bild.

Dem Grundstücksbesitzer, für den das Baudenkmal lediglich ein Störungsfaktor seiner betrieblichen Abläufe war, erschien es mehr als recht, dass im Juni 1988 ein Abriss-Antrag für den Malakow-Turm gestellt wurde. Adelheid Herbst, eine engagierte Bürgerin, hörte als Besucherin einer Ratssitzung davon und war empört. „Damit wäre ein Stück Geschichte Sprockhövels unwiederbringlich verloren gegangen“, erinnert sie sich. Zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Karl-Hans wollte sie dem drohenden Abriss nicht unwidersprochen zusehen. „Ich habe zunächst mal alle Fraktionsvorsitzenden der im Rat vertretenen Parteien angerufen und an ihr Geschichtsbewusstsein appelliert“, so Adelheid Herbst. „Und dann haben wir uns samstags mit einem Tapeziertisch auf die Hauptstraße gestellt und Unterschriften der Bürger gegen den Abriss des Turms gesammelt.“ Mit dabei, ihre Freundin, die bekannte inzwischen ebenfalls verstorbene Wuppertaler Theaterschauspielerin Ursula von Reibnitz, nach der in Wuppertal eine Straße benannt worden ist. Gleichfalls konnte sich das Ehepaar Herbst auf die Mithilfe des Heimat- und Geschichtsvereins, des Knappenvereins, der Niederprockhöveler Einzelhändler, der Bürger und der politischen Parteien stützen. Dass auch die Print-Medien und der WDR in Wort und Bild berichteten, gab der Aktion zusätzlichen Schwung.

Die ursprünglich für eine Sanierung angesetzten 1,4 Millionen DM verringerten sich um eine halbe Million, als man auf die Idee kam, die verrotteten Steine nicht zu restaurieren, sondern durch neue zu ersetzen. Am 19. Juni 1989 schließlich konnte Christoph Zöpel, der damalige NRW-Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr mitteilen: „Der Erhalt des Turms ist gesichert.“

Die 900 000 DM setzten sich zusammen aus 350 000 des Ministeriums aus dem Mitteln des Denkmalschutzes, 200 000 des Landschaftsverbandes 300 000 der Stadt Sprockhövel und 50 000 DM des Grundstückseigentümers. Der Malakow-Turm, der allerdings nach wie vor nicht zu musealen Zwecken genutzt wird, ist weiterhin das Wahrzeichen 500 Jahre alter Kohleförderung.

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